Demnächst gibt es deutlich mehr E-Tankstellen

Region  Bundesweit bereits deutlicher Zuwachs seit Januar. Der Ausbau beginnt nun auch in der Region. Bundesverkehrsminister möchte aber offen für andere Antriebstechniken bleiben.

Von Christian Gleichauf, Manfred Stockburger, Hans-Jürgen Deglow
In Heilbronn gibt es verschiedene Ladestationen für Elektrofahrzeuge, wie hier in der Lothorstraße. Foto: Archiv/Friese

 

Noch gibt es in Heilbronn keine 20 Ladepunkte für E-Fahrzeuge im öffentlichen Raum. Das wird sich in den nächsten Monaten ändern. Bundesweit hat die Zahl in den ersten drei Monaten bereits um 1.300 auf rund 17.000 zugenommen, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin mitteilte. Mehr als drei Viertel der Ladesäulen werden von Energieunternehmen betrieben.

Zeag plant kurzfristig 75, mittelfristig weitere 75 Ladepunkte in Heilbronn

In Heilbronn ist die Zeag das Unternehmen, das den Löwenanteil der Ladeinfrastruktur errichtet. Derzeit werden 75 Ladepunkte an 18 Standorten in der Stadt realisiert. Weitere 75 sind in Planung, wie Unternehmenssprecherin Anja Leipold mitteilt. "Besonders schwierig ist es, geeignete Flächen zu finden", sagt sie.

Der neue Heilbronner Stadtteil Neckarbogen ist Vorreiter in der Stadt. Rund um die Buga bietet die Zeag für die Zeit der Gartenschau 34 mobile Ladepunkte. Für die Bewohner gibt es die Möglichkeit, in den Tiefgaragen eine Ladesteckdose zu beantragen - die Technik dafür ist vorgesehen.

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Weitere Ladepunkte in städtischen Tiefgaragen und bei Unternehmen

Im Rahmen des Verbundprojekts Linox BW, mit dem das Land den Aufbau von Ladeinfrastruktur zur Senkung der Stickoxidbelastung fördert, werden in 16 baden-württembergischen Städten Ladestationen bei Firmen, in städtischen Tiefgaragen und Wohngebäuden installiert. In Heilbronn gibt es somit "im halböffentlichen Raum" weitere 36 Ladepunkte, wie Dirk Herrmann vom Amt für Straßenwesen in Heilbronn erläutert. Derzeit gibt es in der Stadt um die 20 Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum.

Auch die Schwarz-Gruppe geht konsequent voran

Die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe forciert Aufbau von Ladestationen an ihren Filialen. Bei Kaufland sind 102 von gut 650 Standorten in Deutschland mit E-Tankstellen ausgestattet, weitere 100 sollen bis Ende 2020 folgen. Lidl stattet ab sofort alle neuen und modernisierten Filialen mit E-Ladesäulen aus. Die ersten 50 sind bereits in Betrieb oder werden aktuell installiert.

Ein dichtes Netz von Ladestationen gilt als Voraussetzung dafür, dass mehr Elektroautos gekauft werden. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes lag 2018 der Bestand an Elektro-Pkw lediglich bei rund 83.000 Fahrzeugen. Hinzu kamen 341.000 Hybrid-Pkw - bei einem Gesamtbestand von 57,3 Millionen Kfz.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat angekündigt, Eigentümern und Mietern die Errichtung von Ladestationen per Gesetz zu erleichtern. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte für ein entsprechendes Förderprogramm eine Milliarde Euro zusätzlich gefordert.

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Oliver Luksic, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, schlägt eine Änderung des Wohneigentumsrechts vor: „Die FDP fordert schon seit langem die staatlich gewährte E-Kaufprämie abzuschaffen und das Geld für den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu nutzen. Die Kaufprämie für E-Autos kostet viel und bringt wenig. Das bestätigt der schleppende Abruf. Außerdem sollte endlich das Wohneigentumsrecht geändert und bürokratische Hemmnisse abgebaut werden.“ Damit, so Luksic, würden „auch ohne Subventionen in Tiefgaragen, Wohnhäusern und an Tankstellen mehr Ladesäulen entstehen“.

Der Bundesverkehrsminister wehrt sich

Auf einer Mobilitätskonferenz in Berlin sprach sich Scheuer am Montag aber gegen eine einseitige Förderung der Elektromobilität aus und widersprach damit Äußerungen von VW-Chef Herbert Diess, für den es keine gleichwertige Alternative zum E-Antrieb gibt. Verkehrsminister Scheuer hält diese Haltung für "komplett falsch". Richtig sei ein technologieoffener Ansatz. Man könne nicht sagen, welches in zehn Jahren der beste Antrieb sei. Es müsse auch die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie gefördert werden.

Ähnlich äußert sich Luksic: „Auch ich halte einen technologieoffenen Ansatz für richtig. Die Bundesregierung hat aber mit der Zustimmung zu den CO2-Flottenwerten in Brüssel das Ende des Verbrennungsmotor eingeläutet. Die E-Mobilität wird kommen.“ Er fügte hinzu. „Ein Verbot des Verbrennungsmotors ist industriepolitisch unklug. Die weitreichenden Wertschöpfungsketten in Deutschland einfach einzumotten ist falsch.“ Der Verbrennungsmotor habe noch weiteres Optimierungspotential mit synthetischen Kraftstoffen. Der FDP-Politiker sagte unserer Redaktion weiter: „Die ganzheitliche Ökobilanz von E-Autos muss endlich inklusive Herstellung der Batterie und des Strommixes bewertet werden. Eine politisch verordnete E-Mobilität geht auf Kosten hunderttausender Arbeitsplätze bei Autobauern und Zulieferern und wird das Autofahren darüber hinaus massiv verteuern.“

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Kommentar "Das eine lassen..."
Von Christian Gleichauf

Andreas Scheuer widerspricht VW-Chef Diess. Endlich lehnt sich ein Bundesverkehrsminister gegen die Autobosse auf, könnte man sarkastisch kommentieren. Aber natürlich lehnt sich Scheuer nicht auf. Er tut nur so, als hätte er eine klare Position. Wenn er sich "gegen eine einseitige Förderung" der Elektromobilität wehrt und sagt, auch Wasserstoff und Brennstoffzellen müssten gefördert werden, dann darf man fragen: Warum tut er es dann nicht? Warum belässt er es bei wenigen Alibi-Wasserstoff-Tankstellen? Warum befreit er den grünen Wasserstoff nicht von der Belastung durch die EEG-Umlage? Seine Antwort wäre vermutlich: Man kann ja das eine lassen, ohne das andere zu tun.

Ohne Ironie: Es braucht die Ladeinfrastruktur in Deutschland, weil sich welt- und europaweit die Elektromobilität ihren Weg bahnt. Das liegt nicht an den deutschen Autobauern, aber immerhin machen die jetzt mit. Sie wissen: Ab 2021 dürften ihre Pkw wegen der CO2-Vorgaben der EU im Schnitt nur noch um die vier Liter Sprit verbrauchen, was kaum ein Kleinwagen schafft. Also muss dieser Schnitt mit E-Autos gedrückt werden, die - zumindest "am Auspuff" - gar keine CO2--Emissionen verursachen. Und zwar schnell.

Während der Bundesverkehrsminister noch laut denkt, passiert auf der lokalen Ebene übrigens ziemlich viel. Innerhalb von Monaten wird es in Heilbronn Dutzende neue Ladepunkte geben. Ein Anreiz für jeden, persönliche Mobilitätsansprüche auf den Prüfstand zu stellen.

 

 


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