Dem Siegeszug des Fernsehens folgte das Kinosterben

Region  Die meisten der ersten Lichtspieltheater, die häufig in Gaststätten beheimatet waren, haben den Siegeszug des Fernsehens nicht überstanden. Ein Blick auf die lange Liste von Kinos, die das kulturelle Leben in der Region einst beflügelten.

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Die meisten der ersten Lichtspieltheater, die häufig in Gaststätten beheimatet waren, haben den Siegeszug des Fernsehens nicht überstanden. Ab den späten 1950er Jahren sanken die Besucherzahlen. Zwischen 1969 und 1976 setzte ein regelrechtes Kinosterben ein. Wenige haben sich behauptet.

Eine lange Kinogeschichte, die bis heute währt, hat beispielsweise Neckarsulm. Dort zeigte die Familie Laukenmann schon nach dem Zweiten Weltkrieg Filme im Gemeindehaus St. Paulus. Das Capitol am Marktplatz war 1953 das erste Kino der Laukenmanns. Nummer zwei war das Scala im Jahr 1953. Im Januar 1997 übernahm die neu gegründete Firma "Kinostar" das Scala.

Ein Kinopionier hat in Dörzbach als Wanderlichtspieler angefangen

1920 eröffnete Ernst Bratz in der Lammgasse in Öhringen das Hohenloher Lichtspielhaus (Holi) mit 100 Plätzen. Seit den 1950er Jahren gab es in der Öhringer Schillerstraße 50 ein weiteres Kino: das Scala. Beide übernahm im Jahr 1969 Bernhard Amler. "Ich habe 1959 in Dörzbach als Wanderlichtspieler angefangen und bald 34 Filmtheater in ganz Deutschland betrieben", erzählt er. Schließlich konzentrierte er sich aber auf die beiden Öhringer Kinos.

"Durch vorausschauendes Handeln habe ich zwei Filmtheatersterben überstanden", ist Amler stolz. So hat er im Zuge eines Umbaus eine Lidl-Filiale mit ins Holi-Gebäude geholt. "Klaus Gehrig hat damals höchstpersönlich an alle Kundinnen Rosen verteilt", erinnert er sich. "Ich habe die beiden Kinos bis zur Jahrtausendwende geführt und dann verpachtet", so Amler.

In Lauffen lernten die Bilder mit der "Filmbühne" laufen. Das Ehepaar Karl und Else Bulling aus Heilbronn-Sontheim eröffnete sie um 1933 in der Stuttgarter Straße 4 mit 254 Sitzplätzen. Im April 1942 wurde die "Filmbühne" aus feuerpolizeilichen Gründen kurzzeitig geschlossen, und Karl Bulling musste zur Wehrmacht. Im Oktober 1942 ging es aber weiter: Der Stadt war sehr daran gelegen, die Moral der Lauffener nach zahlreichen Luftangriffen aufrecht zu erhalten.

Am 16. Mai 1947 nahm das Ehepaar Bulling den Kinobetrieb wieder auf, es gab Filmvorführungen im Saal des Gasthauses "Zur Eisenbahn". 1952 zog die "Filmbühne" unter neuer Leitung in den Neubau am Postplatz 7. Ein weiteres Kino, die "Lichtburg", bezog die Räume in der Stuttgarter Straße 4, existierte aber nur bis 1963. Zum 30. Juni 1969 stellte auch die "Filmbühne" den Betrieb ein.

Heilbronner Kinogeschichte ist auf einem Blog dokumentiert

Bekannte Namen in der Heilbronner Kinogeschichte. Foto: Archiv/Kugler

Die lange Heilbronner Kinogeschichte hat der freie Journalist Gerd Hofmann in seinem Blog heilbronnerkinos.wordpress.com dokumentiert. 1907 eröffnete das Union-Theater als erstes ortsfestes Kino der Stadt am Kieselmarkt 7. Weitere folgten, etwa die Kammerlichtspiele in den Kilianshallen (Fleiner Straße 26), die den Vorhang zum ersten Mal 1919 hoben und 1927 zum Filmpalast, später Ufa-Palast, mit mehr als 700 Sitzplätzen umgebaut wurden. Auch Böckingen hatte schon früh zwei Kinosäle. Die meisten Kinos in der Heilbronner Innenstadt wurden beim Luftangriff am 4. Dezember 1944 zerstört.

Bald nach dem Krieg wurden neue Kinos eröffnet: In Heilbronn 1946 die Filmbühne in der Kantine der Kali-Chemie. Lichtspiele in Sontheim, Böckingen und Neckargartach folgten. Die Hauptrolle aber spielte fortan Heilbronn. Die Älteren erinnern sich an die Namen Capitol, Universum, Metropol, Domino, Corso, Cinema, Luxor, Savoy, Smoky/Scala, Linse, Minimet, Roxy, City und Cherie - an der Allee und im Shoppinghaus.

 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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