Das sind die Trends in der regionalen Gastronomie

Region  Von Lieblingslokalen und Trends in der Gastronomie: Der Gastrowettbewerb hat einen klaren Sieger. Außerdem wird deutlich, wie sich die Geschmäcker in der Region verändert haben.

Von Christoph Feil
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Preisverleihung Gastrowettbewerb
Auf dem Heilbronner Weindorf wurden die Preise des Gastrowettbewerbs verliehen. Foto: Veigel

Welche sind die beliebtesten Restaurants in der Region? Wie haben sich die gastronomischen Trends verändert? Wo besteht für Wirte vielleicht Handlungsbedarf? Zum sechsten Mal hat sich der Heilbronner Gastrowettbewerb mit diesen Themen beschäftigt und dazu Menschen in der Stadt und im Landkreis Heilbronn sowie im Hohenlohekreis ausführlich befragt.

Wie die Ergebnisse nun unter anderem zeigen: Der gastronomische Schwerpunkt in Heilbronn hat sich deutlich an die Neckarmeile hin verlagert, insbesondere seit 2015 dort das Marrahaus eröffnet worden ist. „Das Marrahaus ist in der Gastrowelt angekommen, es signalisiert deutlich, wo der Heilbronner hingeht“, sagt Professor Christian Buer von der Hochschule Heilbronn.

Platz eins geht an die Brasserie Mangold

In gleich vier Kategorien haben die Teilnehmer der Studie zum Beispiel die Brasserie Mangold, die sich im Marrahaus befindet, auf Platz eins gewählt. „Was macht das Mangold denn so einzigartig? Es ist die Lage, es ist das Ambiente“, erklärt Buer. „Der Neckar und das Wasser ziehen natürlich immer mehr als irgendeine Innenstadtgastronomie, auch wenn sie da eine Terrasse haben.“

Im Landkreis Heilbronn dominiert übrigens die Heuchelberger Warte, der Hohenlohekreis ist von verschiedenen Gastronomen geprägt, wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht. Generell am wichtigsten sind den Befragten: Qualität, Professionalität, Preis-Leistungsverhältnis und Ambiente.

„Was die Studie diesmal gezeigt hat, ist, dass das Bio-Thema und das Allergen-Thema gar nicht mehr so von Bedeutung sind“, sagt Buer. Auch die Nachfrage nach vegetarischen oder veganen Restaurants ist gesunken. Ist dieser Trend also zu Ende? „Nein, ist er nicht“, meint der Wissenschaftler. Vielmehr hätten die Gastronomen diese Themen inzwischen aufgegriffen. „Jede Gaststätte hat glutenfreie, vegetarische oder vegane Gerichte auf der Karte“, so Buer. 

Internationale und regionale Küche sind gefragt

Ergebnisse des Gastrowettbewerbs 2018
Das sind die Ergebnisse im Überblick.

Zugenommen hat allerdings die Nachfrage nach einer internationalen sowie einer regionalen Küche. „Wir brauchen heute eine viel größere Vielfältigkeit in der Gastronomie. Das ist das, was die Leute wollen, weil sie sich nicht entscheiden können“, ist der Professor überzeugt. Da sind kreative Lösungen gefragt. „Man könnte mal eine Maultaschenpizza machen“, schlägt Buer beispielsweise vor. Wichtig sei, dass das Produkt einfach ist – es also nicht erklärungsbedürftig ist – und dass der Gast variable Bestellmöglichkeiten hat. „Es gab Italiener, die haben in den Nuller-Jahren noch gesagt: Du kannst den Pizzabelag ändern, aber das kostet 50 Cent. Wenn sie das heute machen, müssen sie morgen schließen“, sagt der Dozent.

Wirte stehen zudem vor der Herausforderung, eine viel größere Bandbreite an Gästen ansprechen zu müssen. Buer: „Es gibt nicht diese zuordenbaren traditionellen Gastronomien: Da geht nur dieser Typ Mensch rein, da geht nur jener Typ Mensch rein.“ Das Publikum ist gemischt. In einem Lokal können heute bis zu fünf Generationen nebeneinander an den Tischen sitzen.

Was die Buga für die Gastronomen bedeutet

Auch mit der Bundesgartenschau (Buga), die im April 2019 in Heilbronn startet, hat sich der Gastrowettbewerb beschäftigt. Insgesamt rund 3000 zusätzliche Sitzplätze werden laut Planung dort an 14 Standorten zur Verfügung stehen. Was die Wirte dort anbieten sollen? Auf der Wunschliste der Studienteilnehmer ganz oben: regionale Gerichte, ein Biergarten sowie italienische Speisen.

Und was bedeutet die Buga für die Gastwirte im Umkreis? Buer rechnet mit etwa 500.000 bis 600.000 Besuchern, die bereit sind, zum Essen und Trinken noch in die Stadt zu kommen und dabei etwa 20 Euro pro Kopf ausgeben. „Wir haben also gut zehn Millionen Euro Potenzial, das zusätzlich in die Gastronomie fließen kann. Es gibt nur eine Bedingung an dieser Zahl: Das Wetter muss akzeptabel sein.“

„Nun gilt es, sich optimal auf die anstehende Bundesgartenschau vorzubereiten, damit sich Heilbronn wie auch die gesamte Region Heilbronn-Franken als exzellenter Gastgeber präsentieren kann“, fordert Christoph  Oberländer. Für den Referenten Dienstleistungswirtschaft an der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken zeigen die Ergebnisse, dass es bereits zahlreiche „sehr gute gastronomische Angebote“ in und um Heilbronn gebe. Die Studie „gibt aber auch einen Ausblick auf die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten für die Branche und den Standort“, so Oberländer.

Bei der aktuellen Auflage beteiligte sich die Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken erstmals an dem Wettbewerb. Dieser ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem überdies die Hochschule Heilbronn, das Heilbronner Institut für angewandte Marktforschung, die Kreisstelle Heilbronn des Hotel- und Gaststättenverbandes sowie die Heilbronner Stimme mitwirken.

Rund 1700 gültige Fragebögen wurden für die Studie im Rahmen des Gastrowettbewerbs online oder auf Papier eingereicht. Der Wettbewerb findet in regelmäßigen Abständen statt, zuletzt 2014. Wissenschaftlich ausgewertet
und analysiert wurden die Ergebnisse von drei Studenten der Hochschule Heilbronn: Jonas Erler, Max Ibl und Ngoc Thuy Le. Betreut wurde das Projekt von Professor Christian Buer.

 

 


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