Das sind die Pläne für die neue Hochschulbibliothek

Heilbronn  Die Bibliothek auf dem Bildungscampus wird das Herz eines Netzwerks. Studierende an vier Hochschulen sollen jederzeit auf alle Medien zugreifen können. Und in der modernen Bibliothek soll noch mehr möglich sein.

Von Sarah Arweiler

Mehr als eine Hochschulbücherei

Animation: Dieter-Schwarz-Stiftung

 

Universitätsrektoren und Professoren aus ganz Deutschland beobachten, was in Heilbronns Hochschullandschaft passiert. Seit 2010 entsteht auf dem Bildungscampus in Rekordtempo ein hochmodernes Lehrgebäude nach dem anderen. Die Dieter-Schwarz-Stiftung als Bauherrin setzt in der Bildungslandschaft damit neue Maßstäbe. Ein weiteres Glanzstück soll im Herbst 2019 eröffnet werden: die gemeinsame Hochschulbibliothek.

Auf dem Gelände wird der Glaswürfel mit seinen sechs Stockwerken zwischen den Klinkergebäuden auffallen. Das Gebäude soll mehr sein als eine Hochschulbibliothek: Es wird die Zentrale eines Bibliotheksnetzwerks und zugleich als Herzstück die Partnerschaft der vier Hochschulinstitutionen auf dem Campus symbolisieren. Torsten Robert, Kommunikationsleiter der Hochschule Heilbronn, schwärmt: "Diese Idee ist in Deutschland einmalig."

Wer vom Bibliotheksnetzwerk profitiert

Das gesamte Bibliotheksnetzwerk zählt insgesamt vier Standorte in der Region: Neben dem Zentralgebäude gehören die Hochschulbibliotheken in Heilbronn-Sontheim, Schwäbisch Hall und Künzelsau dazu. Die Medienbestände aller Hochschulpartner werden zu einem gemeinsamen Bestand zusammengeführt. Studierende aller vier Hochschuleinrichtungen profitieren, denn sie können zu jeder Zeit auf alle Medien zugreifen. Ein Fachbuch am Bildungscampus ausleihen und in Künzelsau zurückgeben - künftig kein Problem mehr.

Was wird die moderne Bibliothek ermöglichen? Welche Vision wird verfolgt? Seit über einem Jahr arbeiten Gruppen aus Hochschulleitungen, Professoren, Mitarbeitern, Studierenden, Bibliothekaren und IT-Experten an diesen Fragen. "Wir wollen deutlich mehr bieten als bisherige Bibliotheken," betont Projektleiter Henning Rickelt. Man pflegt engen Kontakt zur Hochschule der Medien in Stuttgart. Von dort fließen Tipps, Ratschläge und Inspirationen ein. "Moderne Bibliotheken sind Arbeits- und Begegnungsort zugleich," erklärt Rickelt. "Das steht ganz im Gegensatz zu früher, wo es immer mucksmäuschenstill sein musste." Gemeinsam zu arbeiten und zu diskutieren werde nicht nur nicht verboten, es ist sogar ausdrücklich erwünscht.

Ziel ist es, rund um die Uhr zu öffnen

Die Lernwelt im ersten Obergeschoss biete dafür die ideale Umgebung. Ganz ohne Bücherregale, dafür mit Sofas und Sitzgruppen ausgestattet, wird dort die moderne Arbeitswelt greifbar. Bücher machen nur noch ein Drittel des gesamten Medienbestandes aus. Das E-Medienlabor im fünften Obergeschoss ist ausgestattet wie ein kleines Filmstudio. Professoren und Mitarbeiter können Lehrfilme drehen und Vorlesungen einsprechen, um sie als E-Learning-Angebote bereitzustellen.

Die Bibliothek sieht sich als Dienstleister regionaler Unternehmen: Angedacht ist ein Business Information Center, wo für Firmen Daten erhoben und aufbereitet werden. Die Arbeitsgruppen stellen sich vor, dass das Gebäude sieben Tage pro Woche 24 Stunden geöffnet sein soll. "Ob wir das gleich am Anfang realisieren können, ist fraglich", sagt Rickelt.

Bücher ohne festen Platz im Regal

Was ist noch alles machbar? Henning Rickelt und sein Team haben viele Ideen. Eine davon ist das Konzept einer sogenannten fluiden Bibliothek. Sie orientiert sich am Nutzerverhalten und entspricht dem modernsten Stand des Bibliotheksdienstes: Bücher sind nicht mehr innerhalb eines Fachbereiches einem festen Platz im Regal zugewiesen, sondern können an einer beliebigen Stelle genommen und an einer anderen, beliebigen Stelle zurückgestellt werden. Spezielle Antennen an den Bücherregalen leiten Infos über den exakten Standort an den internen Bibliothekskatalog weiter.

"Diese Einrichtung wird ein Leuchtturmprojekt sein", ist sich Torsten Robert sicher. Keine Frage: Die Pläne sind ehrgeizig, die Ziele hochgesteckt. Das Dienstleistungsportfolio der neuen Bibliothek wird sehr personalintensiv. Dafür muss das Wissenschaftsministerium erst grünes Licht geben.