Darum gibt es weniger Fahrlehrer und Fahrschulen

Region  Die Branche tut sich schwer bei der Suche nach künftigen Fahrlehrern: Vor allem kleinere Fahrschulen fühlen sich überfordert - auch in anderen Bereichen.

Von Alexander Klug
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Die Fahrschulbranche durchlebt schwierige Zeiten, das zeigen Zahlen des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg. Der Verband zählt immer weniger Fahrschulen im Land, auch die Zahl der Fahrlehrer ist rückläufig. Vor allem Inhaber kleinerer Fahrschulen in der Region sehen sich mit großen Herausforderungen konfrontiert.

Früher habe es einen Kampf um Fahrschüler gegeben, das habe sich völlig verändert. "Heute kämpfen die Fahrschulen um Lehrpersonal", sagt Wolfgang Klima.

Er ist Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg. "Jahrzehntelang mussten sie sich nicht um Nachwuchs bemühen, es gab ein Überangebot. Jetzt ist die Überalterung da." Innerhalb der nächsten Jahre gehe die Hälfte der derzeitigen Fahrlehrer in den Ruhestand.

Am Geld liegt es nicht

Ein Verantwortlicher für den Nachwuchsmangel sei die Bundeswehr. Sie hätte über Jahrzehnte viele Fahrlehrer ausgebildet. "Das hat damals zu Überangebot und Dumpingpreisen geführt", sagt der Vereinsvorsitzende. "Jetzt tut sie es nicht mehr, und viele potenzielle Interessenten können und wollen nicht so viel Geld für die Ausbildung ausgeben."

Das Argument der schlechten Bezahlung halte er für nicht stichhaltig. "Das hat sich deutlich gebessert. Mittlerweile kann man ganz gut verdienen, wir sprechen von einem Einstiegsgehalt von 3000 Euro brutto."

Wolfgang Klima hat zuletzt auch von der Bedrohung des Fahrlehrerberufs durch die Entwicklung des autonom fahrenden Autos gehört. "Das halte ich für bei Weitem übertrieben. Bis tatsächlich alle Fahrzeuge ohne Mensch am Steuer unterwegs sind, dauert es noch viele Jahre", sagt der Verbandschef. Und selbst dann müsse nach wie vor ein Mensch im Notfall von der Maschine das Steuer übernehmen können. "Ohne Führerschein geht das nicht." Außerdem gebe es ja noch den nicht zu vernachlässigenden Bereich der Roller und Motorräder. "Da ist von autonomem Fahren keine Spur."

Führerschein spätestens für den Job

Der Trend weg von der traditionellen Ein-Mann-Fahrschule hin zu größeren Betrieben mit mehreren Fahrlehrern hält er für kaum aufzuhalten. "Die Kunden sehen, dass es heutzutage Fahrschulen mit einem Fahrsimulator gibt, oder Motorrädern in mehreren Größen. Kleine Fahrschulen tun sich mit solchen Investitionen schwer."

Die Arbeit gehe aber nicht aus, im Gegenteil: Die Schülerzahlen steigen, die verbliebenen Fahrlehrer haben alle Hände voll zu tun: "Die jungen Menschen legen vielleicht nicht mehr so großen Wert darauf, pünktlich zum Geburtstag den Führerschein zu haben", sagt der Vereinsvorsitzende. Aber das sei nur eine Verschiebung, spätestens für den Beruf machten sie ihn dann. Außerdem wollen viele Flüchtlinge Führerschein machen.

Nicht nur bei Ausrüstung und Personal, auch bei der Organisation sieht mancher ein Problem. So begünstige das Anmeldesystem zur Prüfung größere Fahrschulen, kritisiert Fethi Akdogan. Er ist Inhaber der Heilbronner Economy-Fahrschule. 60 bis 70 praktische Prüfungen melde er pro Jahr an. "Mehr ist allein nicht möglich. Wenn die Terminkoordination aufwendiger wird, wird es schwierig. Ich habe keine Verwaltung, die so etwas abfedert."

Kleine tun sich mit manchem schwer

Aus eigenem Antrieb werde kaum jemand Fahrlehrer, dazu sei die Ausbildung zu teuer, meint auch ein Kollege von Fethi Akdogan, Mario Schörk aus Lauffen. "Die Großen können sich ihr Personal selbst heranziehen, indem sie sagen, ok, wir bezahlen dir einen Teil der Ausbildung, und danach verpflichtest du dich, ein paar Jahre bei uns zu arbeiten."

So manchen Rabatt, den größere Fahrschulen gewähren, könnten sich kleinere nicht leisten, meint ein anderer Fahrschulinhaber aus der Heilbronner Innenstadt. "Unter 100 Euro Grundgebühr und 60 Euro pro Fahrstunde geht es eigentlich nicht." Er beschäftigt zwei Fahrlehrer. Dass sich die kleinen mit manchem schwerer tun als große, sieht er auch so - von der Verwaltung über das Eintreiben von Gebühren und Werbung bis zur Suche nach Personal.

Bereits Anfang des Monats beklagte Monika Drotleff, Mitinhaberin der gleichnamigen Fahrschule in Öhringen, dass die Fahrlehrersuche zur großen Herausforderung geworden sei. "Seit mindestens fünf Jahren ist das schon so." Sie sehe vor allem Status und Ruf des Berufs und die Arbeitszeiten als Gründe - vorwiegend in den Abend- und Nachtstunden müssen Fahrlehrer ran, oft auch samstags.


Kommentar: Besser ist sicherer

Der baden-württembergische Fahrlehrerverband zählt immer weniger Fahrlehrer und Fahrschulen. Kein dramatischer, aber ein spürbarer Rückgang. Mit Folgen: Die verbliebenen Schulen stehen in harter Konkurrenz um Fahrlehrer - und weniger um Schüler. So sorgen nicht zuletzt die Flüchlinge, die einen Führerschein wollen, für reichlich Betrieb in Theorie- und Praxisunterricht.

Gründe für Dumpingpreise wie zu Zeiten, als die Bundeswehr mit ihrer Fahrlehrerausbildung den Markt beeinflusst hat, gibt es derzeit keine. Im Gegenteil: Da die Ausbildung teuer und (gutes) Personal rar ist, könnten die Gehälter steigen - was wiederum zu höheren Gebühren führen dürfte. Das mag für Sorgenfalten bei manchem Vater oder mancher Mutter führen, die den Führerschein des Sprösslings sponsern oder für Stress bei dem Jugendlichen, der in den Ferien jobben geht.

Ob guter Unterricht in kleineren oder größeren Fahrschulen stattfindet, ist eine Frage der Unternehmensorganisation - beides hat Vor- und Nachteile. Eine Unterversorgung im Stile des Ärztemangels auf dem Land ist bei der hohen Nachfrage nicht in Sicht. In der Sache tragen bessere Fahrlehrerausbildung und damit besser vorbereitete Autofahrer zu mehr Sicherheit auf den vollen Straßen der Region bei.

 


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