Damit Fuchs und Dachs sicher über die A6 gelangen

Bad Rappenau/Sinsheim  Das Land plant die erste Grünbrücke im Kraichgau zwischen Bad Rappenau und Sinsheim: Der Naturschutzbund begrüßt das Vorhaben über die Autobahn A6.

Von Simon Gajer

Damit Fuchs und Dachs sicher über die A6 gelangen

Eine Wildtierbrücke wie die bei der Autobahn A11 nahe Greiffenberg (Uckermark) soll zwischen Bad Rappenau und Sinsheim errichtet werden. Foto: dpa

In der Region könnte im Kraichgau eine erste Autobahnbrücke für Tiere gebaut werden. Wie das Verkehrsministerium in Stuttgart unserer Redaktion sagt, soll eine sogenannte Grünbrücke auf dem Abschnitt zwischen Bad Rappenau und Sinsheim entstehen. Der örtliche Naturschutzbund ist von der Umsetzung begeistert.

Der Naturschutzbund ist begeistert

Laut eines Ministeriumssprechers steht der exakte Standort nicht fest. Die Brücke solle aber bei einem Waldstück im Bereich des Parkplatzes zwischen den beiden Städten errichtet werden. "Die Grünbrücke ist extrem wichtig", sagt Adalbert Schmezer, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe Östlicher Kraichgau im Naturschutzbund (Nabu) zuständig ist.

In diesem Bereich befinde sich ein "Wildwanderweg von internationaler Bedeutung". Der Nabu unterstütze es, wenn solche durch Straßen zerschnittene Wege, "die seit Jahrhunderten bestehen", wieder hergestellt werden.

Von der Brücke profitieren auch die Menschen

Laut Adalbert Schmezer sind in diesem Teilstück viele Tiere unterwegs. Füchse, Rehe, Dachse - und auch Insekten würden von solchen Brücken profitieren. "Die Bauwerke dienen auch der Sicherheit des Menschen", betont Schmezer. Die Tiere würden nicht mehr versuchen, über die Autobahn zu gelangen. Die Gefahr von Unfällen sinke, sagt der Nabu-Sprecher.

Die Bad Rappenauer Querung ist eine von acht, die das Land nun für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur plant. In Stuttgart spricht Minister Winfried Hermann (Grüne) von einem wichtigen Erfolg des "Landeskonzepts Wiedervernetzung an Straßen".

Laut einer Pressemitteilung hatte das Land im Jahr 2015 die Wanderrouten von Wildtieren analysiert und 40 fast unüberwindbare Straßen identifiziert. "Viele Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg stehen auf der roten Liste der gefährdeten Arten", betont Minister Hermann. "Um unsere Tiere und Pflanzen zu schützen, sind vielfältige Anstrengungen erforderlich." Seiner Ansicht nach ist die Zerschneidung von Wanderrouten für die Wildtiere neben dem Flächenverlust eine der Hauptursachen für den Artenschwund.

Verkehrsministerium spricht von bedeutsamem Wildtierkorridor

Wie es beim Verkehrsministerium heißt, durchschneidet die A6 einen international bedeutsamen Wildtierkorridor, der den Schwarzwald mit dem Odenwald verbindet und großräumig zwischen den deutschen Mittelgebirgen und dem Alpenraum vermittelt. Er habe eine hohe Bedeutung für die Ausbreitung und Zuwanderung seltener Säuger wie Wildkatze, die bereits im Stromberg/Heuchelberg nachgewiesen wurden.

Zu den Kosten kann das Verkehrsministerium auf Anfrage unserer Zeitung zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Als Anhaltspunkt könne die Grünbrücke an der A8 bei Merklingen dienen, die im Dezember eingeweiht wurde.

"Die Kosten beliefen sich auf 3,4 Millionen Euro", so ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Die Baukosten für Bauwerke an Autobahnen werden vom Bund, die Planungskosten vom Land getragen. Für Planungsleistungen erhalten die Länder vom Bund eine Pauschale. Ein Baubeginn ist unklar. Das Regierungspräsidium Stuttgart prüft, ob die Maßnahme im Zuge des Ausbaus der A 6 umgesetzt werden kann.

 

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