Coronavirus legt DAV-Sektion Heilbronn lahm

Region  Das Vereinsleben im größten Sportverein in der Region Heilbronn-Franken ist am Nullpunkt angekommen. Sollte das Alpinzentrum an der Lichtenbergerstraße bis zum 19. April nicht mehr öffnen, rechnet die Vereinsleitung mit Einnahmeverlusten im fünfstelligen Bereich.

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Totenstille herrscht derzeit in den Kletteranlagen an der Lichtenbergerstraße. Foto: Mario Berger

Das Vereinsleben in der Sektion Heilbronn im Deutschen Alpenverein (DAV) ist tot. Im mit mehr als 15.000 Mitglieder zählenden größten Sportverein in der Region Heilbronn-Franken geht nichts mehr. Die Stühle im urigen Alpinstüble sind hoch gestellt, an der Kletterwand und in der neuen Boulderhalle herrscht gespenstische Ruhe.

Ungestört vom sonstigen Trubel erledigen nur Handwerker in der Kletterarena Restarbeiten. Die Corona-Krise fordert ihren Tribut.

Verein richtete Corona-Task-Force ein

"Am Montag, 16. März, haben wir um 19 Uhr unser Alpinzentrum geschlossen", blickt Sektionsvorsitzender Bernd Bührer auf die vergangenen eineinhalb Wochen zurück. Und Geschäftsführer Thomas Pfäffle ergänzt: "Wir haben jeden, der noch aktiv Sport getrieben hat, gebeten, zu duschen und dann nach Hause zu gehen."

Bereits Anfang März hatte die Corona-Task-Force mit Bernd Bührer, Thomas Pfäffle und Stephanie Schleweis die Jugendarbeit eingestellt. Jegliches Risiko sollte vermieden werden.

Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Seitdem herrscht Totenstille in den Kletteranlagen an der Lichtenbergerstraße. Das Telefon klingelt nur noch sporadisch, und E-Mails sind eine Rarität. Die DAV-Geschäftsstelle hat deshalb auf Notbetrieb umgestellt und ist am Tag nur noch mit einer Person besetzt. Die 16 hauptamtlichen Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Geschäftsführer Thomas Pfäffle hält zu 50 Prozent die Stellung. In den fünf ehrenamtlich geführten DAV-Bezirksgruppen Schwäbisch Hall, Künzelsau, Öhringen, Eppingen und Mosbach ruht dagegen der gesamte Betrieb.

Für die Sektion eine "verdammt harte Zeit", wie Bernd Bührer einräumt. Im Durchschnitt gingen pro Tag etwa 300 Kletterer ihrem Hobby nach. Jetzt liegt die Zahl bei null. Sollte das Alpinzentrum bis zum 19. April nicht mehr öffnen, gehen dem Verein rund 75.000 Euro verloren. "Dieser Ausfall ist gewaltig", stellt Bührer denn auch trocken fest. Die Konsequenz: Die Sektion wird alle staatlichen Hilfen, die von der Politik gerade beschlossen werden, in Anspruch nehmen.

Tilgungsraten sollen ausgesetzt werden

Das Coronavirus hat aber auch negative Auswirkungen auf die Finanzierung der Investitionen. In den zurückliegenden Jahren baute die Sektion für rund vier Millionen Euro eine neue Boulderhalle, einen Außen-Kletterturm und brachte den Bestand auf Vordermann. "So wie es im Augenblick aussieht, werden wir versuchen, dass unsere Hausbank die Tilgungsraten vorerst aussetzt", hofft Bührer auf ein Entgegenkommen der Banker. Nicht betroffen sind die Darlehen der Mitglieder.

Wert legt Pfäffle bei allen Finanzüberlegungen, die von der Vereinsleitung gerade angestellt werden, auf die Feststellung: "Die Sektion hat keine finanzielle Schieflage." Der Grund: Anfang des Jahres flossen Mitgliedsbeiträge in Höhe von rund 750 000 Euro in die Kasse. Einher geht dieser Betrag aber mit einem Wermutstropfen: Etwas mehr als die Hälfte dieser Summe muss an Verbände wie den Hauptverein oder den Württembergischen Landessportbund abgeführt werden.

Alles hängt von Österreich ab

Ob wie geplant die erforderlichen Brandschutzmaßnahmen an der Heilbronner Hütte in diesem Jahr ausgeführt werden, lässt Bernd Bührer derzeit offen. Auch will er nicht wetten, ob am 15. Juni die Hütte in der Verwallgruppe in die Saison startet: "Das hängt alles von den Entscheidungen der österreichischen Regierung ab." Das Winterhaus ist geschlossen. Übernachtungen sind momentan untersagt.

600 Rollen Toilettenpapier auf Lager

Mit einem netten Detail überrascht im Gespräch mit der Heilbronner Stimme Thomas Pfäffle und sagt mit einem Grinsen: "Zumindest mit Toilettenpapier sind wird bestens eingedeckt." Vor der Corona-Krise hatte der DAV-Geschäftsführer noch 600 Rollen geordert.

Die für den 22. April geplante Mitgliederversammlung der DAV-Sektion Heilbronn ist verschoben. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Die Sektion

Die Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins (DAV) wurde am 15. Dezember 1891 von dem Hauptzollverwalter Friedrich Molfenter gegründet. Der DAV Heilbronn ist somit eine der älteren und mit 15.314 Mitgliedern eine der größten Sektionen des Deutschen Alpenvereins auf Platz 14 und somit auch einer der größten Sportvereine Deutschlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sektion am 26. Juni 1946 neu gegründet. Noch im selben Jahr wurden bereits wieder mehr als 600 DAV- Mitglieder gezählt. Der Verein richtete 2002 beim Heilbronner Kraftwerk eine Kletterarena ein. 

 

 


Joachim Friedl

Joachim Friedl

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Joachim Friedl arbeitet seit Ende 1979 bei der Heilbronner Stimme. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Kommunalpolitik. 

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