Corona-Spuckschutz wird auch in Nordhausen produziert

Nordheim  Der Coronavirus verschafft Herwig Schmidt von der Firma Vitrinenschmidt aus Nordhausen enorm viele Aufträge, doch übermäßigen Profit machen will der 51-Jährige mit den Spuckschutz-Scheiben nicht.

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Herwig Schmidt sägt an der Tischkreissäge eine Kunststoffscheibe zurecht. Sie wird in einen Holzrahmen eingesetzt und zum Spuck- und Niesschutz.

Foto: Adrian Hoffmann

Eine Frechheit seien die Preise, die manche Anbieter auf Ebay für einen Plexiglas-Spuckschutz verlangen würden, sagt Herwig Schmidt aus Nordheims Teilort Nordhausen. Für 199 Euro hat der 51-Jährige einen entdeckt. Angesichts der Materialkosten sei das eine irre Summe - die sich offensichtlich daraus ergebe, dass mit der aktuellen Not und Panik von Menschen ein Geschäft gemacht werde.

Herwig Schmidt kam auf eine Idee. Normalerweise stellt er Vitrinen her für Sammler. Sie bestehen aus Holz und aus SAN-Kunststoffscheiben. Die Scheiben sind etwas dünner als Plexiglas und leicht brüchig. Doch Schmidt hat auch Vorräte an Plexiglas bei sich in der Halle. Bisher verkaufte er das neben dem Hauptgeschäft. An Leute, die es für ihre Gartenhäuser brauchten. Oder Jäger für ihre Hochsitze. Zum Überdachen von Carports. Schmidt kalkulierte und dachte: Einen Nies- und Spuckschutz bekommt er billiger hin als die anderen.

Ein Prototyp war schnell gebaut

"Ich wollte das auch nicht verschenken", sagt er, "sondern einfach einen reellen Preis anbieten." Er baute kurzerhand einen Prototyp, das dauerte nur wenige Minuten. Als er ihn für gut befand, stellte er ihn testweise auf Ebay ein. Der Preis? Etwa 30 Euro plus Versand.

Das Interesse war riesig. Herwig Schmidt legte richtig los. Die Bestellzahlen explodierten. An einem Tag produziert er nun mehrere Hundert Nies- und Spuckschutzscheiben. Ärzte kaufen diese für ihre Praxen, Kioskbetreiber, Mitarbeiter von Postfilialen und viele mehr ordern welche. 

Materialien werden knapp

Ein Ebay-Kunde schrieb per Mail: "Bin zufällig über euer Angebot gestolpert und wollte nur kurz danke sagen." Inzwischen kann der Großhändler von Herwig Schmidt kein Plexiglas mehr nachliefern, alles ausverkauft. Schmidt stieg daher auf Polycarbonat um, das ist etwas teurer als Plexiglas. Und weil dieses Material auch knapp wird, verwendet er aktuell die SAN-Kunststoffscheiben, die er sonst für den Bau der Sammlervitrinen braucht.

Die neueste Spuckschutz-Variante hat einen hölzernen Rahmen, in diesen kann problemlos der SAN-Kunststoff eingesetzt werden. Der höchste Preis für die größte Variante liegt bei etwa 75 Euro. Händler auf Wochenmärkten bestellen diese zum Beispiel. Es gibt Menschen, die nehmen mehrere Stunden Anfahrt in Kauf, um ihr neues Coronaschutz-Accessoire in Empfang zu nehmen. 

 

„Mir tut es im Herzen weh, dass so viele meiner Stammkunden warten müssen“

 Herwig Schmidt

 

Dass Schmidt so viel über das Thema nachgedacht hat, hat mit eigener Betroffenheit zu tun. Sein Vater ist 76 Jahre alt und leidet an einer Lungenkrankheit. "Er bekommt drei Mal am Tag Sauerstoff", sagt Schmidt. "Ich möchte nicht, dass er an Corona stirbt."

Herwig Schmidt will baldmöglichst zurück zu seinem Vitrinengeschäft. "Mir tut es im Herzen weh, dass so viele meiner Stammkunden warten müssen", sagt er. Auch sie litten unter der Corona-Krise. Außerdem hätten sie jetzt genug Zeit, Sammlervitrinen einzuräumen.

 

 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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