Chili-Experte macht Hohenlohe zum Hauptquartier der Habaneros

Pfedelbach  Alexander Hicks gilt als größter Chili-Experte in Europa. Sogar Wissenschaftler aus Peru sind scharf auf seine Sammlung - denn womöglich ist Hicks als Einziger in der Lage, das Artensterben bei den scharfen Paprikas zu stoppen.

Von Michael Sudahl

Chili-Experte macht Hohenlohe zum Hauptquartier der Habaneros

Züchter-Experte Alexander Hicks liebt Chili seit seiner Kindheit.

Foto: privat

Chili sorgt für Schärfe. Die roten oder grünen Gewürze dürfen auf exotischen Gerichten nicht fehlen. Doch in Deutschland werden sie kaum angebaut. Das ändert sich nun. Ein Pionier kultiviert in Pfedelbach mehr als 500 Chili-Sorten und startet jetzt sein eigenes Business.

Sein Vater hat ihn scharf gemacht auf Scharfes

Alexander Hicks hat Chili zwar nicht mit der Muttermilch aufgesogen, aber er hat bereits im Alter von zwölf Monaten Salsa gelöffelt. Sein Vater hatte dem kleinen Alex beim Mexikaner die scharfe Sauce vorgesetzt. "Er wollte wissen, ob ich das vertrage", berichtet Hicks. Und ja, der Junge hat Geschmack daran gefunden. Am Ende war die Schale mit nur einem Nacho ausgekratzt. Heute, 34 Jahre später, sehen ihn Chili-Freunde aus ganz Europa als den Experten schlechthin. Nicht zu Unrecht, wie seine mediale Präsenz erkennen lässt.

Der Göppinger hat eine gigantische Sammlung - und vielfältigste Referenzen

Der aus Göppingen Stammende beschäftigt sich seit Jahren mit der Chili-Zucht. Mit 18 Jahren entdeckt er Habaneros, besonders scharfe Chili. "Das war wie eine Erleuchtung für mich", schwärmt Hicks über die Eigenschaften des Nachtschattengewächses. Mit Saatgut baut er eine eigene Plantage auf: zu Beginn eine Sorte, ein Jahr später sind es 13. Drei Jahre später, 2006, zählt sein Repertoire 340 Sorten und 2000 Keimlinge.

Hicks entschließt sich aus seiner Leidenschaft heraus für eine Gärtnerlehre, moderiert ein Chiliforum, schreibt Blogbeiträge für Pepperworld, einen Onlineshop und den Blog einer Gesundheitsjournalistin. Radiosender und das ZDF spüren den Enthusiasten auf und berichten über sein Chili-Kultur-Festival. Parallel berät er die Galileo-Redaktion von Pro-Sieben, wenn es um scharfe Saucen geht.

So kam er vom Hobby zum Haupterwerb

Nun hat der 36-Jährige seine Leidenschaft zum Haupterwerb gemacht. Gemeinsam mit Biogärtner Umbach aus Heilbronn gründete er eine Firma, die in Pfedelbach auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern Chili anbaut. Umbach und Hicks firmieren unter Bio-Chi. "Chi" leitet sich aus dem Chinesischen ab und bedeutet "Energie". Damit die Aufzucht von 8000 Pflanzen gelingt, testet Hicks verschiedene Anbauvarianten. Eine bewährt sich: Hicks arbeitet Pflanzenkohle in die Beete ein. Sie speichert Wasser und Nährstoffe, so dass auch an heißen Sommertagen sparsames Gießen reicht.

Demnächst steht die erste große Kampagne an. "Ab Juli geht es los und bis November können wir ernten", sagt Hicks, der in seinen Video-Tutorials Laien und Hobbygärtnern erklärt, auf was es beim Pflanzen, Ziehen und Ernten ankommt. Mehrere 10 000 Klicks auf seine Clips beweisen: Das Thema ist gefragt.

Rettet Superheld Hicks die Welt der Würzpflanzen?

Dass Hicks sich Expertenstatus erarbeitet hat, spricht sich bis nach Südamerika, dem Heimatkontinent der Chili-Pflanze, herum. An der Universität in La Molina (Peru) hören Professoren vom Chili-Mann aus Europa, der mehr als 2000 Sorten Saatgut in seinem Archiv lagert. Das interessiert die Wissenschaftler. Denn die haben vor kurzem erforscht, dass bis in 20 Jahren 75 Prozent aller Chili-Arten verschwunden sein werden. "Allerdings kannten sie mein Archiv nicht", lacht Hicks. Ende September will sich eine peruanische Delegation vor Ort von seiner Sammlung überzeugen.

 

Mehr über den Chili-Experten gibt es auf www.chili-experte.eu.

 

Chili, Peperoni, Paprika: Wo ist da der Unterschied?

 

Chili-Experte macht Hohenlohe zum Hauptquartier der Habaneros

Chili und Paprika sind verschiedene Bezeichnungen für unterschiedliche Arten der Pflanzengattung Capsicum. In Deutschland wird das große, süße Gemüse dieser Gattung der Nachtschattengewächse als "Paprika" bezeichnet. Früchte kleinerer, schärferer Gewürzpflanzen, häufig aus Lateinamerika und Asien, heißen Chili. Solche baut Hicks an. Peperoni oder Pfefferoni sind Synonyme für die scharfen Schoten. Alle Chili- oder Paprikasorten haben einen Vorfahren, der im Amazonasbecken beheimatet war.

Übrigens: Rote, grüne und gelbe Paprika unterscheiden sich kaum im Geschmack. Bei den Roten ist der Vitamin-C-Gehalt am höchsten.

 

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