Castor-Transport erreicht Neckarwestheim

Neckarwestheim/Obrigheim  Nach rund elf Stunden Fahrt auf dem Neckar ist der vierte Atommüll-Transport am Zwischenlager Neckarwestheim angekommen. Auf der Strecke gab es Proteste von Aktivisten.

Von Heike Kinkopf und Adrian Hoffmann

 

Nach der Ankunft in Neckarwestheim wurde erwartet, dass die Container mit ausgedienten Brennelementen von Bord in das Zwischenlager gebracht werden. Das Spezialschiff mit drei Castor-Behältern hatte in der Nacht auf Donnerstag gegen 2 Uhr am stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim abgelegt. Gegen 4.45 Uhr passierten die Schiffe die Schleuse bei Haßmersheim, gegen 7.40 Uhr die Schleuse bei Bad Friedrichshall-Kochendorf. 

Es ist der vierte von fünf Transporten dieser Art. Insgesamt sollen 15 Behälter mit dem radioaktiven Restmüll in Neckarwestheim zwischengelagert werden. Neun Castoren sind bereits dort angekommen. Die nächsten drei sind auf dem Weg.

Aktionen in Heilbronn

Gegner der Atommüll-Transporte versammelten sich in Heilbronn zu einer Mahnwache. An der Otto-Konz-Brücke zählte die Polizei kurz nach acht Uhr rund 15 Teilnehmer. Die Stimmung blieb friedlich.

Eine weitere Aktion gab es bei Sontheim unweit des Segelfluggeländes. Mit Menschen, Enten und Fässern im Neckar versuchten Demonstranten, das Schiff aufzuhalten. Rund 10 Atommüll-Gegner schwammen im Fluss. Das Spezialschiff fuhr langsam an den Demonstranten vorbei. „Wir haben die Schwimmer und die Gegenstände aus dem Wasser gebracht“, sagte ein Polizeisprecher danach.

An der Aktion beteiligten sich Mitglieder der Organisationen Robin Wood sowie dem Bündnis Neckar castorfrei und der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe, wie die AKW-Gegner mitteilten. Polizei umkreiste die Aktivisten mit Schlauchbooten. 

 

Aufbruch in der Nacht 

AKW-Gegner kritisierten scharf, dass das Schiff diesmal mitten in der Nacht gegen 2.00 Uhr gestartet war - statt wie sonst am Morgen. „Wenn die Polizei einen Castor-Transport in die Nacht verlegt, zeigt das nur ihre Ratlosigkeit“, teilten die Aktivisten mit. 

  „Das ist unsere Einsatztaktik“, begründete Roland Fleischer, Sprecher der Einsatzleitung in Göppingen, den Start des Transports mitten in der Nacht. Die Genehmigung für den Transport umfasse 24 Stunden. Auch die aktuelle Fahrt habe man „sehr akribisch“ vorbereitet und „sorgfältig geprüft“. Die Polizeigewerkschaft hatte im Vorfeld die Transporte in der durch die Jahreszeit bedingten Dunkelheit kritisiert. 

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Die oberste Prämisse ist der Polizei zufolge Sicherheit. „Sie geht vor Geschwindigkeit“, sagt Roland Fleischer.  Ob der Transport eine Stunde früher oder später in Neckarwestheim ankommt, „spielt für uns keine Rolle“. 

Der erste Castortransport ist Ende Juni erfolgt. Der zweite und dritte Transport sind im September und im Oktober über die Bühne gegangen. Der Energiekonzern EnBW will auch den fünften und damit letzten Transport noch in diesem Jahr abschließen. 

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Bisherige Transporte