Busausstatter Frenzel droht die Insolvenz

Obersulm  Die Obersulmer Firma Frenzel hat sich mit der Ausstattung von Bussen für Fußball-Bundesligisten wie Bayern München einen Namen gemacht. Nun steckt das Familienunternehmen aber in Schwierigkeiten.

Von Heiko Fritze
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Frenzel Obersulm
Das Unternehmen stattet unter anderem Mannschaftsbusse aus. Auf dem Foto aus dem Jahr 2008 ist der Bus des FC Bayern München zu sehen. Foto: Archiv/HSt

Der Bus-Innenausstatter Frenzel steckt in Schwierigkeiten. Das Amtsgericht Heilbronn hat das vorläufige Insolvenzverfahren eingeleitet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde am Donnerstag der Stuttgarter Rechtsanwalt Michael Pluta ernannt.

Über die Gründe für den Insolvenzantrag ist bislang wenig bekannt. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen habe es aber in den vergangenen drei Monaten Probleme mit der Zahlung der Löhne und Gehälter gegeben. Es werden 70 Mitarbeiter beschäftigt. Der Betrieb sei nicht tarifgebunden, hat jedoch einen Betriebsrat. „Eigentlich ist dies eine brave, eingesessene Firma“, lobt ein Gewerkschafter.

Probleme mit der Zahlung der Löhne und Gehälter

Wie Michael Pluta berichtet, seien in den vergangenen zwei Jahren in dem Unternehmen Verluste aufgelaufen. Nun seien Löhne und Gehälter der Beschäftigten bis Ende Februar über das Insolvenzgeld gesichert. Auf dem Firmengelände herrscht über den Jahreswechsel Betriebsruhe, die Mitarbeiter seien aber alle von der Geschäftsleitung über die Entwicklungen informiert worden, berichtet der Insolvenzverwalter. Er war am Freitag vor Ort. Eine Betriebsversammlung ist für den 7. Januar angesetzt.

Das Unternehmen wurde 1954 in Ludwigsburg gegründet und war von 1963 bis 2008 in Ilsfeld-Auenstein ansässig. Dann zog die Firma nach Obersulm-Sülzbach in die Hallen der ehemaligen Firma Frieß – der Metallbauer war 2003 insolvent gegangen und abgewickelt worden. Noch 2013 ließ Frenzel bei einem Betriebsbesuch von Obersulmer Gemeinderäten mitteilen, dass die Kapazitätsgrenze auf dem 1000 Quadratmeter großen Gelände nahezu erreicht sei.

Einen Namen gemacht hat sich der Familienbetrieb mit der Innenausstattung von Omnibussen für anspruchsvolle Kunden. Unter anderem werden seit vielen Jahren nahezu alle Busse der Fußball-Bundesligisten von Frenzel nach den Wünschen der Vereine ausgebaut, von Bayern München bis zum VfB Stuttgart. Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war schon Kunde. Aus dem arabischen Raum und Russland kommen ebenfalls viele Bestellungen. Aufträge im sechsstelligen Euro-Bereich sind da keine Seltenheit, oft ist vieles Handarbeit. Frenzel wirbt auf seiner Homepage mit Sonderausstattungen von W-Lan über edle Holzvertäfelungen bis zu modernster Kaffeezubereitung.

Spezialist für anspruchsvolle Kunden

Zuletzt, so die ersten Erkenntnisse von Insolvenzverwalter Pluta, sei das Geschäft mit Busausstattungen offensichtlich rückläufig gewesen. Das Unternehmen habe ohnehin weitere Standbeine gehabt. Unter anderem, berichtete die Geschäftsleitung vor einigen Jahren, ist Frenzel führend bei der Herstellung von Kühlschränken und Bordküchen, für Busse ebenso wie für Wohnmobile. Hoffnung setzte das Unternehmen zuletzt auch auf den wachsenden Fernbus-Markt. Auf diese Fertigung von Serienprodukten entfiel seinerzeit bereits der größere Teil des Umsatzes.

Das Team von Michael Pluta werde sich nun zunächst darum kümmern, den Betrieb aufrechtzuerhalten, kündigte er an. Dabei soll vor allem geprüft werden, welche Produkte tatsächlich Ertrag einbringen. „Wohin die Reise geht, kann man bis dahin nicht genau sagen“, erklärt der Anwalt.


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