Buntes Heilbronn: Wie soll Integration gelingen?

Heilbronn  Das erste Bürgerforum über das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen in Heilbronn beschäftigte sich vor allem mit Flüchtlingen.

Von Helmut Buchholz

In Heilbronn leben Menschen aus rund 140 Ländern. Wie soll ihr Miteinander aussehen? Wie gelingt Integration? Bei der Beantwortung dieser Frage will die Stadtverwaltung die Bürger einbeziehen. Den Anfang machte am Montagabend das Bürgerforum "Bunte Stadt", zu dem die VHS und die Stabsstelle Partizipation und Integration in die Volkshochschule eingeladen hatte. Rund 60 Besucher waren gekommen.

Oberbürgermeister Harry Mergel machte gleich zu Beginn klar, worum es ihm geht: "Wir müssen miteinander reden. Wir brauchen Begegnungen." Er habe den Eindruck, dass die Neugier und das Miteinander Kulturen eher abnimmt. Häufig würden die negativen Aspekte der Zuwanderung gesehen. "Der Ton der Debatte wird schriller und teilweise radikaler." Es sei eine Versachlichung der Diskussion nötig.

Jeder zweite Heilbronner habe eine Zuwanderungsgeschichte, bei Kindern und Jugendlichen sind es sogar 72 Prozent. Von den rund 7000 Menschen, die pro Jahr aus dem Ausland nach Heilbronn ziehen, seien aber nur 14 Prozent Flüchtlinge. Doch es sei die Flüchtlingsfrage, die die Gesellschaft und die Politik polarisiere, sagte OB Mergel.

 


Heilbronn ist mit Studenten und Flüchtlingen jünger geworden

Und doch dominierte wieder das Thema "Asylbewerber" die Diskussion. Ein Besucher sagte: "Eine Spaltung der Gesellschaft wie durch die Flüchtlinge hat es noch nie gegeben." Er vermisse ein "Plädoyer von oben" für die Flüchtlinge. Dass sich "arabische Gruppen" draußen - sprich in der Heilbronner Innenstadt - aufhalten, "ist ganz normal". Wer Angst davor habe, dem müsse man sagen: "Bemüht euch um Kontakte." Diejenigen, die sich am massivsten gegen Flüchtlinge äußerten, "haben keine Kontakte zu Flüchtlingen".

Reinhard Buyer, selbst aktiv in Flüchtlinghilfe, sagte dagegen: "Ich kenne Flüchtlinge, die halten sich von der Innenstadt fern, die wollen nicht mit denen gesehen werden." Er wünsche sich mehr Sozialarbeiter auf der Straße. Ein weiterer Besucher bemerkte: "Die Stadt ist jünger geworden, sie hat sich zum Positiven verändert - durch Flüchtlinge und Studenten."

Mehr junge Menschen, mehr Probleme?

Wo mehr Jüngere sind, da gebe es auch mehr Probleme. Er bewundere die Asylbewerber, teilweise durch schreckliche Erlebnisse traumatisiert, "wie die sich hier einleben". Integration brauche zwei, drei Generationen Zeit. "Wir sind furchtbar ungeduldig." Es sei "irrsinnig", in welchem Tempo die Flüchtlinge in Sprachkursen Deutsch lernen sollen.

Eine Anwohnerin in der Eichgasse bemerkte: "Bei uns halten sich welche teilweise auch nach Mitternacht auf." Es werde laut. "Das raubt uns den Schlaf, beeinträchtigt unsere Lebensqualität." Ein Besucher kritisierte die Plätze in Heilbronn: "Die sind so gebaut, dass sie nach acht Uhr abends tot sind." Was fehle, sei zum Beispiel ein Café. "Wenn sich mehr Menschen in der Innenstadt bewegen, fallen die anderen nicht so auf."

Vermieter verlangen Schmiergeld für eine Wohnung

Ein weiteres Problem: die Wohnungsnot. "Integration geht auch über menschenwürdiges Wohnen", sagte eine Frau. Da gebe es Vermieter, die 1500 Euro Schmiergeld für eine Wohnung verlangen. "Da geht mir das Messer in der Tasche auf, Schweinerei." Wichtig erschien einer Lehrerin, die Deutschkurse für Flüchtlinge gibt, "dass auf Leute, die faul sind und nicht zum Unterricht erscheinen, Druck ausgeübt wird und die Mittel gekürzt werden". Das geschieht wohl zu selten.

Die Leiterin der Stabsstelle für Partizipation und Integration, Roswitha Keicher, klagte, dass sich in Sachen Deutschkurse "ständig die Rahmenbedingungen ändern. Das ist keine Politik aus einem Guss. Die einen bekommen einen Kurs, die anderen nicht." Es fehlten verlässliche Strukturen. Ein Besucher schlug eine Art Patenschaftsprogramm für Flüchtlinge vor. Denn überall, wo Integration gelingt, hatten die Flüchtlinge einen Deutschen gefunden, der sich für sie einsetzt."

VHS-Leiter Peter Hawighorst lobte die Premiere des Bürgerforums "Bunte Stadt". "Das war ein Experiment." Weitere Foren sollen folgen.