Buga-Zwerg Karl ist ein Fall fürs Zwergengericht

Heilbronn  Karl, das pinke Maskottchen der Bundesgartenschau, soll eine Kopie der bunten Gartenzwerge von Künstler Ottmar Hörl sein. Ob das wirklich so ist, will der Buga-Geschäftsführer nun vom Zwergengericht in Basel klären lassen.

Von Jürgen Kümmerle

Karl soll vors Zwergengericht

Der Buga-Zwerg Karl steht umwickelt auf der Insel-Spitze im Heilbronn. Um das Maskottchen ist eine Posse entstanden.

Foto: Archiv/Christine Faget

Wer war zuerst? Karl, das Maskottchen der Bundesgartenschau (Buga) 2019, oder die Installationen von Konzeptkünstler Ottmar Hörl? Weder noch, meint Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Buga GmbH. Man habe sich bei der Idee von der Internationalen Gartenausstellung 1983 in München beeinflussen lassen. Faas schlägt vor, die Causa Karl vor dem Zwergengericht in Basel klären zu lassen. Dort befasst man sich mit Nanologie, der Wissenschaft über Gartenzwerge.

Die Heilbronner Stimme hat über den Hinweis von Kunstsammlern aus der Region berichtet, wonach der Buga-Zwerg von Hörls Kunstobjekten abgekupfert sei. Die Buga-Macher haben Karl dieses Jahr der Öffentlichkeit präsentiert. Im Herbst stellten sie mehrere pink-farbene Zwerge vor dem Rathaus Heilbronn aus. Hörl arbeitet seit 1985 mit dem Gartenzwerg als Kunstobjekt und färbt diesen in grellen Farben ein. Seine öffentlichen Installationen, bei denen er die bunten Figuren in großer Anzahl aufstellt, sind weltbekannt.

Die Gartenschau-Macher bestehen darauf: "Die Idee ist von uns." Im Brief schreibt Buga-Geschäftsführer Faas den Kunstprofessor Ottmar Hörl direkt an. Letzterer befände sich offenbar in einem Dilemma. Hier könne man Abhilfe schaffen. "Wir haben kein Problem damit, wenn Sie sagen, dass der Buga-Zwerg Karl nicht von Ihnen ist. Sie dürfen sich von uns sogar regelrecht ermuntert fühlen, sich zu distanzieren."

Irritation wegen des offenen Briefs

Auf Nachfrage der Heilbronner Stimme reagiert Ottmar Hörl gelassen. Durch diese Zeitung hat er den für ihn bestimmten Brief erhalten. Er sei ein bisschen irritiert über den offenen Brief, der an ihn gerichtet ist. Die Buga müsse sich nicht legitimieren. Man tue so, als sei das für ihn eine Katastrophe. Hörl lässt keinen Zweifel aufkommen: "Das finde ich ein bisschen daneben. Ich habe gar keine Lust, mich von ihnen zu distanzieren."

Eine Farb-Ähnlichkeit mit den Figuren von Hörl räumen die Buga-Verantwortlichen in ihrem zweiseitigen Brief ein. Das von ihnen kreierte Pink, in dem Karl erscheint, sei ganz logisch. "Schließlich ist blütenpink eine unserer Farben aus dem Corporate Design." Dass ein Gartenzwerg im öffentlichen Raum stehe, sei doch selbstverständlich.

Man nehme die Sache mit Karl sehr ernst, heißt es weiter in dem Schreiben. "Wir sind überzeugte Anhänger der Nanologie mit internationaler Mitgliedschaft in der Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge in Basel." Im Zweifelsfall scheue man keine Mühe, um vor dem dortigen Zwergengericht den Fall Karl zweifelsfrei ein für alle Mal klären zu lassen. "Sagen Sie uns einfach, wie Sie sich entscheiden." Gegenüber unserer Redaktion geht Hörl nicht näher auf derartige Appelle ein.

Zwergeliebhaber sind vereint

Die Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge in Basel gibt vor, sich der Nanologie, der Wissenschaft über Gartenzwerge, zu widmen. "Nanologie-Freunde, die keine Gartenzwerge sind (weil das nicht möglich ist!), können hier in jedem Fall Mitglied werden", heißt es auf deren Internetseite. Dort stehen Informationen zu Gartenzwergen, ihrer Entstehung und zur Art und Weise, wie ein solcher aussehen muss. Mit Plastik-Gartenzwerge sei es allerdings schwierig, da sie von Menschenhand erschaffen werden müssen. Karl ist aus Plastik.

Für Hörl scheint die Angelegenheit erledigt. Er sagt, dass er sich nicht weiter damit auseinandersetzen wolle. Er habe auch nichts gegen Karl. "Bevor ich auf ihn angesprochen wurde, wusste ich gar nicht, dass es diesen Zwerg gibt."


Was im offenen Brief steht

Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Bundesgartenschau, verweist in seinem offenen Brief auf die Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge in Basel. Dort heißt es: Ein Gartenzwerg sei erst dann echt, wenn er "beseelt" wurde; also von Menschenhand geschaffen oder mindestens bemalt. Er müsse etwas an sich haben, das von Menschen angebracht wurde, und aus beliebten Materialien wie Terracotta (Lehm oder Ton) oder Holz bestehen. Plastik-Gartenzwerge sollten durch ihre "giftige Beschaffenheit" nicht in freier Natur, allenfalls auf dem Balkon, aufgestellt werden.

 

 


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