Buga-Kirchengarten: Zwischen Paradies und Gethsemane

Heilbronn  Der Buga-Kirchengarten steht unter dem Leitspruch "Leben schmecken" und im Zeichen der Löffelblume. Am Mittwochnachmittag wurde er stimmungsvoll eingeweiht.

Von Kilian Krauth

Buga-Kirchengarten: Zwischen Paradies und Gethsemane

Den Blick für gestalterische Feinheiten des Kirchengartens schärfen der katholische und der evangelische Bischof, Gebhard Fürst und Otfried July (links).

Foto: Ralf Seidel

"Bevor die Blumen sprießen, muss der Himmel gießen." Mit einer alten Gärtnerweisheit leitet der katholische Bischof Gebhard Fürst - nach einer regnerischen Eröffungsfeier - am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein zur Einweihung des ökumenischen Kirchengartens auf der Buga über. Während zum Auftakt Anda Grawert mit der Bratsche und Andrej Klassen am Piano klassische Weisen intonieren, stimmen zum Ausklang 300 Gläubige ein programmatisches Lied aus dem eigens gefertigten Buga-Gesangbuch an, feste dirigiert motiviert vom Ehepaar Saum: "Dass Erde und Himmel dir blühen."

Mehr zum Thema: Heilbronner feiern die Eröffnung der Buga

 

Viele Angebote um Schöpfung, Natur, Ernährung

Regelmäßig werden in dem Garten Gottesdienste, aber auch andere seelsorgerliche, kulturelle und themenbezogene Veranstaltungen geboten. Nicht nur von Kirchenleuten, auch von anderen, die sich um Natur und Ernährung kümmern wie etwa die Slow-Food-Vereinigung. Allen voran bedanken sich die beiden Projektleiter Esther Sauer und Peter Seitz nach dreijähriger Vorbereitung bei hunderten Ehrenamtlichen und vielen professionellen Aktivposten: von Landschaftsarchitektin Cornelia Biegert aus Jagstfeld über die Gartenbaufirma ihrer Familie in Leingarten, Schreiner Klaus Lock aus Duttenberg bis zu Künstler Peter Riek, der dem Garten und seinem Mobiliar eine einheitliche gestalterische Handschrift verleiht, indem er dem Leitmotto "Leben schmecken" mit dem Leitmotiv der Löffelblume Gestalt gibt.

Kreuz von Raphael Seitz, Feinheiten von Peter Riek

Im Zentrum der Feier und vieler weiterer steht ein mobiles "Ökumene- und Versöhnungskreuz" des verstorbenen Heilbronner Glaskünstlers Raphael Seitz, das die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) als Trägerin des Kirchengartens über Spenden finanziert hat. "Kirchengärtner" sind also nicht nur viele katholische und evangelische Christen, sondern auch solche der Evangelisch-methodistischen Gemeinde, Baptisten, Gläubige der Neuapostolischen Kirche sowie die syrisch-orthodoxe Gemeinde Mor Ephräm, die für den Garten einen Brunnen der Meditation spendet.

Bischöfe erklären Möbel und Intention

Den Blick für weitere gestalterische Feinheiten schärfen auf der mit einer Art weißem Himmel überspannten Bühne der katholische und der evangelische Bischof, Gebhard Fürst und Otfried July. So stehe die Mauer, mit der die zehn Ar große, von gekreuzten Wegen durchzogene Wiese umfangen ist, nicht etwa für Trennung. Sie wolle vielmehr einen Ort der Geborgenheit herstellen. An einer Ecke findet sich gar ein "Paradiesgärtlein" mit sieben Hochbeeten und essbaren Kräutern. Apfelbäume stünden nicht nur für "die schwäbische Identität", sondern für Früchte des Lebens.

Die von einer Schlange umfangene Löffelskulptur verkörpert die Ambivalenz der menschlichen Natur. Eine große Wasserschale verweist auf die Grundlage allen Lebens, auf Erquickung, Erneuerung, auf die Taufe. Ähnliches signalisiere die reine Farbe Weiß, vor deren Hintergrund man sich um so mehr über Farbtupfer und Vielfalt freue.

Die lange Tafel stehe für Gemeinschaft, Essen, "Leben schmecken" und nicht zuletzt fürs Abendmahl. Das Kreuz verweise auf Jesus, aber auch auf menschliche Lebenspfade, die sich oft mit Gottes Wegen kreuzen - auch wenn selbst Gläubige dies nicht immer spüren: so wie Jesus an Gründonnerstag im Garten Gethsemane.

 

 

Auf unserer Webseite Buga aktuell finden Sie weitere Informationen über die Heilbronner Bundesgartenschau 2019 und Hintergrundberichte. Dazu gibt es 360-Grad-Rundgänge über das Gartenschau-Gelände und Vorher/Nachher-Aufnahmen von der Entstehung der Buga. 

>>Buga aktuell

 


Kommentar hinzufügen