Bürgerinfo zum geplanten sechsspurigen A6-Ausbau

Weinsberg  Das Regierungspräsidium Stuttgart stellte jetzt die Ausbauplanung der A6 im ersten Abschnitt zwischen dem Weinsberger Kreuz und Bretzfeld vor. Kritik gibt es vor allem an den geplanten Lkw-Stellplätzen zwischen Wimmental und Dimbach.

Von Sabine Friedrich

Beim Ausbau der A6 kann auf Lkw-Stellplätze zwischen Wimmental und Dimbach nicht verzichtet werden

Im Publikum blitzten "Orange-Westen" auf. Die hatten Wimmentals Ortsvorsteher Reiner Michel und die Freien Wähler in Wimmental, Grantschen und Weinsberg verteilt. Foto: Dennis Mugler

"Bürgerbeteiligung sieht anders aus", prangte ein Plakat am Dienstagabend an der Galerie in der Weinsberger Hildthalle. Die Behördenvertreter im Saal hatten es direkt im Blick. Eine "möglichst konfliktarme und konsensfähige Planung" sei das Ziel des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP), sagte der Leiter des Referats Straßenplanung, Jürgen Holzwarth.

Dass das nicht in allen Teilen für den ersten Ausbauabschnitt der A6 zwischen Weinsberg und Bretzfeld gelungen ist, taten die Wortführer der Kritiker kund. Ein Knackpunkt sind Stellplätze für 100 Lastwagen bei Wimmental. Die wollen die Gegner nicht vor der eigenen Haustür.

Wie sieht die Planung aus?

Der Ausbau erfolgt wechselseitig asymmetrisch, das heißt mal im Süden, mal im Norden, jeweils verschwenkt weg von den Ortslagen. Im Zuge der frühzeitigen Bürgerbeteiligung 2011 bis 2013 hat das RP weitere vier von Bürgern und der Stadt Weinsberg vorgeschlagene Varianten geprüft. Sie alle wurden wieder verworfen, sei es wegen der Kosten, des Flächenverbrauchs oder der negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft.

Was wird für den Lärmschutz getan?

Wie dieser aussieht, wurde jetzt erstmals vorgestellt. Es gibt aktiven Lärmschutz in Form von Wänden, Wällen oder Kombinationen aus beidem. Flüsterasphalt sei keine Option. 1190 der betroffenen Wohneinheiten können geschützt werden, bei einem Aussiedlerhof können tags die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Das gilt nachts für 63 Gebäude, die dann auch eines passiven Schutzes durch Lärmschutzfenster bedürfen.

Je nach Abschnitt bei Grantschen, Wimmental, Dimbach und Schwabbach werden Wände und Wälle zwischen 3,0 und 9,50 Meter hoch. Die Gesamtlänge beträgt 7,3 Kilometer bei Kosten von 17,65 Millionen Euro. Holzwarth musste Sülzbachs Ortsvorsteher Alexander Heinrich enttäuschen. Die Grenzwerte seien im Obersulmer Teilort eingehalten, Schallschutz deshalb auf der südlichen Seite der Wimmentaler Brücke nicht vorgesehen. Der würde aber auch ab einem Kilometer Entfernung Sülzbach nichts nützen.

Auch der neue Standort für die PWC-Anlage wird kritisiert

Beim Ausbau der A6 kann auf Lkw-Stellplätze zwischen Wimmental und Dimbach nicht verzichtet werden

2022 oder 2023 könnte es losgehen mit dem sechsstreifigen Ausbau der A6 zwischen dem Weinsberger Kreuz und der Landesgrenze. Die Planung des ersten Abschnitts wurde jetzt erläutert. Foto: Mario Berger

Die Lkw-Stellplätze sind einer der größten Kritikpunkte von Stadt Weinsberg und Bewohnern. Der Forderung, den Parkplatz zwischen Grantschen und Wimmental nicht zu erweitern, kam das RP nach. Jetzt sieht die Planung die "zweitbeste" Lösung vor: Jeweils 50 Plätze diesseits und jenseits des Gagernbergs, allerdings in einer Minimalvariante.

"Wir wollen uns nicht mit einer Anlage auf unserer Gemarkung kaputt machen, deren Beschleunigungsstreifen quasi über die Liegewiese des Wimmentaler Freibads führt", überspitzte Stadtchef Stefan Thoma. "Ich habe Sie wohl über Jahre gehört, aber da kann ich Sie nicht erhören", machte Holzwarth klar. Auf der Gesamtstrecke fehlten 1000 Lkw-Stellplätze. 600 sollen auf Kleinstparkplätzen entstehen. "Da geht die Verkehrssicherheit vor", insistierte er, weshalb man in den sauren Apfel beißen müsse.

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Forderung: Das Weinsberger Kreuz muss ausgebaut werden

"Wir haben das Kreuz mit dem Kreuz", brachte Bürgermeister Thoma einen weiteren Stein des Anstoßes auf den Punkt: Er bezweifelte die Aussage des RP, dass das vierspurige Kreuz bei einer sechsspurigen A6 auch noch leistungsfähig sei und forderte, den Knotenpunkt auszubauen.

Während der Bauzeit rollt der Verkehr weiter auf der A6

Als oberstes Ziel nannte Holzwarth, den Verkehr über die Baustelle so zu leiten, dass es im Normalfall keine Staus gebe, die umfahren würden.

Bei der zweieinhalbstündigen Veranstaltung zeigte sich, dass die Bedenken heute noch dieselben sind wie im Bürgerdialog 2011 bis 2013. Wie Thoma beklagte auch Heinz Nitsche, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Weinsberger Gemeinderat, dass fünf Prozent der Gemarkungsfläche durch die A 6 und A 81 belegt, somit die Entwicklung der Stadt gehemmt sei. Was sich nicht zuletzt in fehlenden Gewerbesteuereinnahmen bemerkbar mache. Eine gerechte Verteilung der Lasten beim A6-Ausbau könne er nicht erkennen.

Daten & Fakten

Der Ausbau der A6 erfolgt auf 64,4 Kilometern zwischen dem Weinsberger Kreuz und der Landesgrenze . Die Investitionskosten werden auf 900 Millionen Euro geschätzt. 44 Hektar Fläche müssen erworben werden. Das Planfeststellungsverfahren für Abschnitt 1 (bis Bretzfeld) soll im April beginnen. Vier Wochen werden die Unterlagen ausgelegt, dann ist sechs Wochen Zeit für schriftliche Einwendungen. Mit dem Planfeststellungsbeschluss wird 2020 gerechnet.

 

 

Bürgermeister Stefan Thoma beklagt: Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz

Wie Thoma so beklagte auch Nitsche, dass die besonderen Belange durch die jetzt schon übermäßige Belastung der Weinsberger Bürger nicht berücksichtigt seien. Das sollte mit den "Orange"-Westen im Publikum deutlich werden, die ihren Unmut über Vorgehensweise und die Pläne damit zum Ausdruck bringen würden.

Nitsche beklagte, dass zwischen dem Bürgerdialog (bis 2013) und heute eine lange Zeit ohne Informationen vergangen sei. "Wirkliche Bürgerbeteiligung sieht anders aus."

Sehr plakativ stellte Thoma die Situation dar: "Weinsberg ist im Würgegriff der Autobahn." Nach dem Bau ein Standortvorteil, zeigten sich durch das zunehmende Verkehrsaufkommen immer mehr die Nachteile, wie Lärm, Abgase, Belastung der Weinsberger Feuerwehr durch Einsätze und die daraus resultierenden Folgekosten.

Thoma machte aber auch deutlich, dass er kein Utopist sei, und man die Notwendigkeit des A 6-Ausbaus nicht wegdiskutieren könne. Weinsberg werde aber nicht kampflos zu allem Ja und Amen sagen. "Wir wollen das Verfahren rechtlich aufarbeiten und prüfen", sagte er gegenüber der Heilbronner Stimme. Und wenn es sich nicht vermeiden ließe, auch klagen. Den Anwalt hatte der Stadtchef zur Veranstaltung gleich mitgebracht.

Eberstadts Bürgermeister Stephan Franczak mahnte eindringlich, doch nicht zu vergessen, dass die offizielle Umleitungsstrecke der A 6 quer durch Eberstadt führe. In Hölzern reiße man schon jetzt die zulässigen Grenzwerte. "Die Realität ist eine komplett andere", erwiderte er auf die Bemerkung von Holzwarth, dass im Normalfall während der Bauzeit kein Ausleitungsverkehr stattfinde. Nach dem Ausbau sollte die Umleitungsbeschilderung gestrichen werden. Da winkte Holzwarth ab: Das sei gar nicht zulässig.

Markus Busch, Wengerter aus Dimbach, konnte nur den Kopf schütteln: Dass man die neue PWC-Anlage am engsten Einschnitt der A6 platziere – „das verstehe ich nicht“. Auch dafür gab es Beifall aus dem Publikum.
Wimmentals Ortsvorsteher Reiner Michel machte Widersprüche aus, zwischen dem, was das Regierungspräsidium früher und heute sage. 

 

 

 

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