Brandsätze gefährdeten Bewohner bei Moschee-Anschlag nicht

Heilbronn/Lauffen  Im Prozess um den Anschlag auf eine Lauffener Moschee verweist ein Chemiker des Landeskriminalamts auf eine sehr geringe Brandlast am Tatort. Im Flur, wo zwei der drei Molotow-Cocktails landeten, befand sich kaum Brennbares. Die Imam-Wohnung lag jedoch direkt nebenan.

Von Carsten Friese

Zerstörte Fensterfront der Moschee in Lauffen

Am Tag danach: die zerstörte Fensterfront der Moschee in Lauffen.

Foto: Kinkopf

 

Überraschende Aussage im Prozess um den Molotow-Anschlag auf ein Moscheegebäude der türkischen Milli-Görüs-Gemeinschaft in Lauffen: Ein Gutachter des Landeskriminalamts hat am Freitag dargelegt, dass durch die Brandsätze weder für die Imam-Wohnung im Erdgeschoss noch für die darüber liegenden Wohnungen eine Gefahr bestanden habe.

In Molotow-Cocktails war Benzin

"Die Brandlast im Flur", in dem zwei bis drei der Molotow-Cocktails landeten, sei "zu gering" gewesen. Dr. Axel Knödler zeigte an zwei Filmen, dass mit Benzin gefüllte Molotow-Cocktails beim Zerbrechen zwar rasch einen großen Feuerball auslösen. Aber: Nach gut 30 Sekunden oder einer Minute werde die Flamme bereits wieder klein.

Wenn nichts rasch Brennbares im direkten Umfeld vorhanden sei, könne sich Feuer nicht ausbreiten. Auch die Betondecke des Flurs sei für die Wohnungen darüber eine gute Abschirmung gewesen. "Die Anwohner waren nicht in Gefahr", sagte er. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn ein Brandsatz im Wohnzimmer der Imam-Wohnung gelandet wäre. Dort hätten Polstermöbel schnell Feuer fangen können.

Für Verteidiger Dr. Gerhard Härdle sind diese Aussagen "auf jeden Fall positiv" für die drei angeklagten Kurden. Ihnen wirft die Staatsanwältin versuchten Mord vor, weil sie mit der nächtlichen Attacke im März 2018 mit den Brandsätzen das Leben der rund 50 Personen im Haus aufs Spiel gesetzt hätten.

Im Tatortvideo ist die Flucht der Angreifer zu sehen

Das Gericht spielte am Freitag auch Bilder eines Tatortvideos vor, das ein Helfer der Angeklagten gedreht hatte und das dann ins Internet gestellt worden war. Laut Anklage soll der Anschlag ein Racheakt für einen Militärschlag der türkischen Armee auf eine kurdische Stadt gewesen sein. In dem Film sind vier Personen zu sehen, die auf das Gebäude mit der breiten Glasfront etwas werfen. Dann steigen bis in gut zwei Meter Höhe Flammen auf, die Werfer rennen daraufhin davon. Gesichter sind auf dem Video nicht zu erkennen, Kleidung schon.

Ermittler stellten Schotter- und Pflastersteine sicher

Drei Schottersteine und einen Pflasterstein fanden die Ermittler am Tatort, zudem Feuerzeugreste und ein graues T-Shirt. Da ein Gemeindemitglied das Feuer rasch löschen konnte, blieb der Sachschaden mit 5000 Euro relativ gering.

Der Imam, dessen Schlafzimmer kein Fenster zur Straßenseite hat, habe von einem "Riesen-Schlag" gesprochen, von dem er aufgewacht sei, berichtete ein Polizist. Eine Ermittlerin verwies auf ein Fenster im Wohnzimmer. Wenn man genau hingesehen hat, dann habe man von außen klar erkennen können, "dass dort Vorhänge hängen".

Dem Gericht steht ein mühsamer Indizienprozess bevor. Am nächsten Verhandlungstag sollen einige Sachverständige zu Wort kommen.

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