Brandanschlag Lauffen: Video im Netz zeigt offenbar Täter

Lauffen/Heilbronn  Nach dem Brandanschlag auf das Gebäude der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen gehen die Ermittler inzwischen von fünf Tätern aus.

Von Heike Kinkopf
In einem Video werden mutmaßlich junge Männer gezeigt, die Molotowcocktails auf das Gebäude in Lauffen werfen. Foto: Screenshot


Nach dem Anschlag auf die Räume der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen am vergangenen Freitag gegen 1.45 Uhr kursiert inzwischen ein Video im Internet, das offenbar die Täter zeigt. Hintergrund der Tat könnte die Offensive des türkischen Militärs im Norden Syriens sein. 

Das Video dauert nur sechs Sekunden. Zu sehen sind darauf vier mutmaßlich junge Männer, die Molotowcocktails auf ein Gebäude werfen. „Wir haben das Video am Freitagabend gesehen“, erzählt Fatih Tokmak von der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) in Lauffen. Sie hätten sofort die Polizei informiert. „Die kannte das Video aber schon“, sagt Tokmak auf Anfrage von Stimme.de. Im Internet kursiert nicht nur das Video. Dort gibt es auch unbestätigte Meldungen, nach denen sich Jugendliche mit Verbindung zur verbotenen Organisation PKK zur Tat bekannt haben sollen. 

 

Polizei fahndet nach fünf Tatverdächtigen

 

Im Fall des Brandanschlages auf die Gebets- und Unterrichtsräume an der Seestraße in Lauffen haben die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg die weiteren Ermittlungen wegen Verdacht des versuchtem Mordes übernommen und fahnden gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Heilbronn nach den bislang unbekannten Tätern.

Am Freitag gegen 1.45 Uhr hatten Unbekannte mehrere Molotowcocktails durch das Fenster der Moschee (IGMG) in Lauffen geworfen. Im betroffenen Raum, über dem zum Zeitpunkt der Imam und seine Frau schliefen, entstanden erhebliche Verrußungen an den Innenwänden, der Sachschaden beträgt nach vorläufiger Schätzung rund 5000 Euro. Niemand wurde verletzt. 

Die Polizei geht davon aus, dass mindestens fünf Täter beteiligt waren. Laut LKA gibt es keine Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund. Die Lage in Syrien lasse den naheliegenden Schluss zu, dass darin das Tatmotiv zu suchen sei. Die Polizei sucht Zeugen des Brandanschlags in Lauffen. Konkret haben die Ermittler folgende Fragen:

  • An der Tat waren nach aktuellen Erkenntnissen mindestens fünf Personen beteiligt. Wer kann hierzu Angaben machen?

  • Wer hat im Bereich der Seestraße in Lauffen am Neckar am Freitagmorgen, 9. März 2018, in der Zeit vor und nach 1:45 Uhr verdächtige Wahrnehmungen gemacht?

  • Wer hat in dem Tatzeitraum verdächtige Fahrzeuge und/oder Personen in Tatortnähe wahrgenommen und kann hierzu Angaben machen?

Zeugen sollen sich beim Polizeipräsidium Heilbronn unter Telefon 07131 104 4444 melden. Diese Karte zeigt den Tatort in der Seestraße in Lauffen.

 

 

Stimmung in Lauffen

In der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen sei die Stimmung zwei Tage nach dem Vorfall ruhig, sagt Vorstandsmitglied Yildiray Varol. Er zweifelt die Echtheit des Videos nicht an. „Wir lassen uns nicht provozieren“, sagt er. Allerdings sei zu befürchten, dass es in Deutschland, „aber bestimmt nicht hier in Lauffen“, zu „Gegenattacken“ kommen könnte, sollten derartige Anschläge zunehmen. 

„Die Stimmung ist normal“, bestätigt Fatih Tokmak, ebenfalls IGMG-Mitglied. „Wir sagen keine Veranstaltungen ab. Wo sie einmal waren, kommen sie nicht wieder“, meint er zum Vorgehen der Täter. Die IGMG habe in der Vergangenheit über die Installation von Kameras zur Überwachung des Gebäudes diskutiert. Jetzt werde dies seiner Einschätzung nach sicher zügig umgesetzt.

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Konflikt in Syrien

Seit Januar  kämpft das türkische Militär im Norden Syriens. Ziel ist es, kurdische Milizen im Norden Syriens zu zerschlagen und insbesondere die YPG, die Schwesterorganisation der international als Terrororganisation anerkannten PKK, aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Seitdem kommt es auch in Heilbronn wiederholt zu Kurden-Demos und protürkische Kundgebungen. Eine Kurden-Demonstration am Samstag in Heilbronn verlief friedlich.

Absage an Gewalt

In der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen will man sich dadurch nicht auseinanderbringen lassen. Es gebe viele Kurden in den eigenen Reihen, sagt zum Beispiel Zelkif Cakmak am Freitag vor Ort. Fatih Tokmak zufolge erhalten die Mitglieder der IGMG zahlreiche Mitteilungen auf ihre Handys, in denen ihnen bekannte Kurden ihr Mitgefühl wegen des Brandanschlags ausdrückten. „Wir halten zusammen hier in Lauffen“, sagt Yildiray Varol.

Das Kurdische Gesellschaftszentrum Heilbronn verurteilt den Brandanschlag in Lauffen und befürchtet, unter Generalverdacht gestellt zu werden.  „Wir wollen nicht, dass wir Kurden damit in Verbindung gebracht werden“, sagt ein Sprecher. Er befürchtet, dass derartige Gewalttaten alle Kurden in Verruf bringen. Der „schmutzige Krieg Erdogans“, so der Sprecher, und Demonstrationen innerhalb des rechtlichen Rahmens in Deutschland dürften nicht dazu führen, dass sich der Konflikt und die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien nach Deutschland verlagerten.

Türkischer Generalkonsul am Tatort

"Wir sind traurig, diese Situation in Deutschland zu erleben", sagte der türkische Generalkonsul Ahmet Akinti, der sich am Freitagmittag in Lauffen ein Bild von dem Brandanschlag machte. Akinti zufolge kommt es in Deutschland vermehrt zu Straftaten gegen Moscheen und türkische Kulturvereine. "Wir erwarten vom deutschen Volk, dass es bei solchen Taten unseren muslimischen Brüdern und Türken beisteht", sagte Akinti.

 

 

 

 


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