Brandanschlag: Drei Männer wegen Mordversuchs angeklagt

Lauffen  Im März warfen Unbekannte Molotowcocktails auf eine Moschee in Lauffen. Nun soll drei Männern aus dem Landkreis Heilbronn der Prozess gemacht werden.

Von Heike Kinkopf

Anschlag Moschee Lauffen
Im März waren Brandsätze auf das Gebäude der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen geflogen. Foto: Heike Kinkopf

Brandsätze waren nachts gegen die Gebetsräume der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen geschleudert worden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt jetzt Anklage gegen drei Männer vor dem Landgericht Heilbronn.

Bei den mutmaßlichen Tätern handelt es sich um zwei 19 und 21 Jahre alte Männer aus Syrien sowie einen 24 Jahre alten Türken. Dies teilt ein Sprecher Staatsanwaltschaft auf Anfrage von Stimme.de mit. „Ihnen wird versuchter Mord in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung vorgeworfen“, sagt ein Sprecher.

Der Anschlag auf die Moschee weise Bezüge zur verbotenen kurdischen Organisation PKK auf, die Verdächtigen stünden ihr nahe. Die Angeklagten erwartet ein Prozess vor der Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts. Wann die Hauptverhandlung eröffnet wird, ist noch offen.

Offenbar besteht Zusammenhang mit einer türkischen Militäroffensive in Nordsyrien

Die Tat stand offenbar in Zusammenhang mit der türkischen Militäroffensive Anfang des Jahres in der nordsyrischen Stadt Afrin. Wiederholt war es in Deutschland zu Attacken gegen Moscheen und türkische Einrichtungen gekommen.

Ein Video von dem Anschlag in Lauffen kursierte kurz darauf im Internet. Es zeigte vier Menschen, die mehrere Molotowcocktails gegen das Gebäude an der Seestraße schleuderten, einer filmte die Tat. Der sechs Sekunden dauernde Film tauchte unmittelbar nach der Tat auf einer Internetseite auf, die zu ähnlichen Aktionen aufrief als Zeichen des Protests gegen die Militäraktion.

Staatsanwaltschaft: Täter hätten Tod von Menschen "billigend in Kauf genommen"

Lichterkette nach Anschlag auf Moschee in Lauffen
Kurz nach dem Anschlag gab es in Lauffen eine Mahnwache, organisiert unter anderem von einzelnen Mitgliedern des Arbeitskreises Asyl und der Eine-Welt-Initiative. Foto: Heike Kinkopf

Als die Brandsätze in Lauffen flogen, schliefen der Imam und seine Frau in der Moschee. Deren Tod hätten die Täter „billigend in Kauf genommen“, so die Staatsanwaltschaft. Die Räume der Islamischen Gemeinschaft befinden sich in einem Gebäudekomplex mit zahlreichen Wohnungen. Verletzt wurde bei dem Anschlag niemand. Der Sachschaden belief sich laut Staatsanwaltschaft auf etwa 5000 Euro.

Außerdem ist die Untersuchung des Falls noch nicht abgeschlossen, so die Staatsanwaltschaft. Gegen vier weitere Personen laufen noch Ermittlungen. Sie sitzen jedoch nicht in Untersuchungshaft.

Im Juni hatte etwa 200 Polizisten bei einer Großaktion zehn Gebäude in der Stadt und im Landkreis Heilbronn sowie im Neckar-Odenwald-Kreis durchsucht. Dabei wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt und ausgewertet.
 

Nach dem Anschlag hatte sich im März der türkische Generalkonsul geäußert:

 


Kommentar hinzufügen