Boris Rommel kocht sich an die Landesspitze

Zweiflingen  Der Zwei-Sterne-Koch Boris Rommel vom Wald und Schlosshotel Friedrichsruhe holt 18 Punkte im Gault Millau. Damit ist er "Aufsteiger des Jahres Baden-Württemberg".

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Vier Jahre mit großen Erfolgen: Die Friedrichsruher Bilanz des 35-jährigen Boris Rommel ist beeindruckend. Fotos: Christiana Kunz, Andreas Veigel

Rückreise aus Berlin, Glückwünsche, Presseanfragen - und dazu noch der Start der neuen Menükarte im Gourmet-Restaurant Le Cerf. Am Dienstag kam für Boris Rommel einiges zusammen. Aber wer ihn kennt, weiß, dass ihn das nicht aus der Ruhe bringt. Zumal über allem ein Glücksgefühl schwebt: 18 Punkte im Gault Millau trägt das Gourmet-Restaurant im Wald und Schlosshotel Friedrichsruhe nun - eine ganz besondere Leistung. Noch dazu erhielt er vom Gault Millau den Titel "Aufsteiger des Jahres Baden-Württemberg".

Unter Verschluss

Am Montagabend wurden in der Hauptstadt die Wertungen des renommierten Gourmet-Führers für 2020 vorgestellt. Nach Berlin eingeladen worden war Rommel schon vor einigen Wochen - was noch nichts verriet, wie er erzählt, denn man habe eine große gemischte Runde angeschrieben. "Dieses Jahr haben sie die Ergebnisse sehr gut unter Verschluss gehalten." Der Trip nach Berlin, inklusive nächtlicher Heimfahrt nach der Veranstaltung, hat sich aber ausgezahlt, denn im Gourmethimmel ging es für ihn dann tatsächlich noch eine Stufe weiter hinauf.

Und es sind in dieser Klasse ambitionierte Stufen. 18 statt bisher 17 Punkte trägt das Le Cerf künftig, womit sich Rommel in eine Liga mit Tristan Brandt vom Opus V in Mannheim und Dirk Hoberg vom Ophelia in Konstanz gekocht hat. Zu dritt teilen sie sich in Baden-Württemberg nun den dritten Rang der besten Köche, übertrumpft nur noch von Torsten Michel von der Schwarzwaldstube in Baiersbronn (19,5 Punkte) und Claus-Peter Lumpp vom Bareiss in Baiersbronn (19 Punkte).

Ein großes Lob

Wer im Gault Millau 18 von 20 Punkten einfährt - und das sind nur 25 Restaurants in ganz Deutschland -, dem bescheinigt der Restaurantführer "höchste Kreativität und Qualität" sowie "bestmögliche Zubereitung". Ob Gault Millau oder Guide Michelin: Die Kritiker, die in Deutschlands Restaurants unterwegs sind, sind bekannt dafür, gerne auch mit scharfer Zunge zu schreiben. Beim Le Cerf aber spart der Gault Millau an nichts, zu lesen ist ein einziges großes Lob. Die Küche sei aufwendig gearbeitet, aber nichts diene reiner Optik, "alles zielt auf den größtmöglichen Geschmack für den Gast". Auch die regionalen Gerichte aus Hohenloher Produkten finden Anerkennung.

"Kochen ist Leben − Zwischen Kunst und Handwerk" (200 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 9783921923450) heißt das erste Buch von Boris Rommel, in dem er 45 ausgewählte Lieblingsrezepte vorstellt − Vorspeisen, Zwischen- und Hauptgänge ebenso wie Desserts. Das Buch gibt es in allen Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme und Hohenloher Zeitung, im Wald und Schlosshotel Friedrichsruhe, unter www.stimmeshop.de, auf Amazon sowie telefonisch unter 07131 615625.

Die gibt es ebenso von Lothar Eiermann, der jahrelang zu Deutschlands besten Köchen zählte und in den 90ern für das Le Cerf zeitweise 19 Punkte erkochte. "Das freut mich. Vor allem für die Motivation der Brigade ist das ganz toll."

Beeindruckende Bilanz

In nur vier Jahren hat Boris Rommel für das Le Cerf zwei Michelin-Sterne erkocht und nun 18 Punkte im Gault Millau. Bescheiden ist er trotz des Erfolgs geblieben. Gleichfalls ehrgeizig. Geht also noch mehr? Rommel ist zurückhaltend - realistisch, wie er sagt. Für den Moment habe man sehr viel erreicht. Noch mehr wäre ein Aufstieg in eine andere Liga und bedürfe einer langen Planungsphase. Sein Anspruch ist deshalb zunächst, die hervorragende Leistung zu halten.

"Und das funktioniert nur, wenn jeden Tag alles zu 100 Prozent passt." Das war immer und das bleibt jetzt erst Recht Rommels Credo. Nach wie vor steht er jeden Abend selbst am Herd, brät Fleisch, Fisch und kocht seine delikaten Saucen. Keine Selbstverständlichkeit. Doch kochen, so steht es tätowiert als Lebensmotto auf seinem Unterarm, "Kochen ist Leben - das ist alles, was zählt".

Auch dieses Mal freut sich der gebürtige Karlsruher nach außen in gewohnter Zurückhaltung. Nie überschwänglich, nie überheblich, sondern vielmehr: leise und stets mit Verweis auf den Erfolg des ganzen Teams. Gemeinsam soll denn auch gefeiert werden. "Ein bisschen", sagt Boris Rommel. Er lacht.

 

Stefanie Sapara

Stefanie Sapara

Autorin

Stefanie Sapara ist seit 2008 bei der Heilbronner Stimme und Redakteurin im Ressort Leben und Freizeit. Sie kümmert sich im Wochenendmagazin vor allem um die Reiseseiten sowie den Bereich "Essen & Genießen".

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