Böckinger hat Erfolg mit verrückter Idee: Baumstammlaufen

Heilbronn  Mehmet Topyüreks astreine Erfindung hat das Zeug zum Trendsport. Der erste Wettkampf findet am 14. Juli in Heilbronn.

Von Helmut Buchholz
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Böckinger hat Erfolg mit verrückter Idee: Baumstammlaufen

Wo er bei Wettkämpfen mit seinem Baumstamm auf dem Rücken auftaucht, erntet der Extremsportler Begeisterung und ungläubiges Staunen: Mehmet Topyürek im Einsatz.

Fotos: privat

Wer Mehmet Topyürek zum ersten Mal in Aktion sieht, reibt sich entweder die Augen oder langt sich an den Kopf. Denn was der 33-Jährige macht, ist ziemlich verrückt. Manche würden sagen, der Mann ist total durchgeknallt. Der Extremsportler geht schon seit Jahren bei diversen Läufen in der Region an den Start, auch beim Heilbronner Trollinger-Marathon, dem Weibertreulauf in Weinsberg oder auch dem Stimme-Firmenlauf.

Allerdings sticht Mehmet Topyürek aus der Masse der Läufer heraus. Nicht nur dadurch, dass er oft die Laufschuhe weglässt und die Strecke barfuß unter die Füße nimmt. Nein, der drahtige Athlet schleppt beim Rennen noch einen dicken Ast auf seinen Schultern mit - man gönnt sich ja sonst nichts. Das Stück Holz kann bis zu 37 Kilo wiegen.

Ein bisschen Kampfgeist und Selbstkasteiung ist dabei

Beruflich ist der Böckinger nicht vorbelastet. Topyürek ist weder Förster, noch macht er Werbung für die Holzindustrie. Stattdessen ist der gebürtige Türke, der die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, gelernter Metallbauer und heute als Schichtarbeiter bei Audi beschäftigt. Wie kommt so einer auf die irre Idee, mit einem Ast auf den Schultern durch die Gegend zu rennen? Nun, ein bisschen Selbstkasteiung, Kampfgeist und Durchhaltevermögen spielen beim Erfinder des Baumstammlaufens eine gewisse Rolle. Und wie bei vielen großen Errungenschaften der Menschheit mischte auch der Zufall kräftig mit.

"Mein Bruder hat den Fightclub Ibo in Heilbronn", beginnt Mehmet Topyürek seine Geschichte. Dort trainierte er oft thailändisches Boxen, bei dem auch Ellbogen und Knie zum Einsatz kommen. "Ich bin Kämpfer", sagt der 33-Jährige. Darum kam ihm irgendwann der Gedanke, sich bei einem Wettrennen auszuprobieren. Ohne spezielles Training lief er seinen ersten Marathon. "Das war ganz einfach", dachte er sich. "Da muss doch noch irgendwas dazu kommen."

Böckinger hat Erfolg mit verrückter Idee: Baumstammlaufen

Baumstammläufer Mehmet Topyürek ist eigentlich immer im Training. Die Baumstämme, die er schultert, können unterschiedliche Größen haben. Der Motivationsschrei ist eines seiner Markenzeichen.

Bei seinem nächsten Start bei einem Lauf lag zufällig auf den letzten Kilometern am Wegesrand ein kräftiger Ast. "Den habe ich einfach mitgenommen und bin mit ihm durchs Ziel gelaufen." Die Reaktionen der Zuschauer "waren Wahnsinn". Viele haben geklatscht und Topyürek zugejubelt. "Da dachte ich mir, wenn das die Leute freut, macht mich das auch glücklich. Das Lachen der Leute hat mich motiviert." Das war die Geburtsstunde des Baumstammlaufens mit Mehmet Topyürek.

Sein Markenzeichen ist der Schrei

Seitdem ist ein Ast sein ständiger Begleiter. Und wo der Extremsportler damit auftaucht, erntet er Staunen, Anerkennung und Begeisterung. "Manche halten mich für verrückt. Viele klopfen mir aber auch auf die Schulter." Topyüreks Credo: "Ich gebe niemals auf. Die Zeit bei den Wettrennen ist mir nicht wichtig. Mir geht es um die Motivation. Ich ziehe durch, was ich mache. Ich will es schaffen."

Noch so ein Markenzeichen ist sein Schrei. "Ich schreie gerne, so kann ich alles rauslassen. Das hilft mir." Zum Beispiel beim Trollinger-Marathon an der Haigern-Steigung: Hier gibt ihm der Schrei den Kick auf den Berg hinauf. "Ich will aber niemanden damit stören, ich schaue mich um, damit niemand in der Nähe ist, bevor ich schreie." Baumstamm, Schrei und barfuß - der 33-Jährige ist ein echter Exot unter den Ultraläufern.

Superhelden tragen 25 Kilo Holz

Topyürek ist mit dem Ast keinesfalls auf dem Holzweg. Sein Baumstammlaufen wird zusehends populärer. Steckt in der verrückten Idee womöglich ein Trendsport? Er organisiert jedenfalls schon mal den ersten Baumstammlauf am 14. Juli in Böckingen. Die Fünf-Kilometer-Runde fängt vor seiner Haustür in Böckingen an. Herren tragen einen sieben Kilo schweren Ast, Frauen nehmen drei Kilo auf die Schultern, Kinder 500 Gramm. Es gibt auch eine Kategorie "Superhelden" - deren Baumstamm wiegt 25 Kilo. Das Holz stellt übrigens der Veranstalter.

Anmeldung 1. Baumstammlauf unter www.sportmenschen.de

 

Kein Sport für Hasenfüße: Harte-Kerle-Rennen

Liebe Dreck. Liebe Wahnsinn. So lautet das Motto des Querfeldein-Hindernislaufs Motor Run in Neuenstadt, der das nächste Mal am 8. September stattfindet. Bei diesem Wettkampf darf man keine Angst haben, schmutzig zu werden.

Wer nach artverwandtem Extremsport zum Baumstammlaufen sucht, wird bei solchen Hindernisläufen wohl am ehesten fündig. Als Mutter aller dieser Wettkämpfe gilt das Tough Guy Race − übersetzt: Harte-Kerle-Rennen − in Großbritannien bei Birmingham.

Die Teilnehmer mussten unter anderem unter Stacheldraht durch Matsch robben, sich aus drei Metern abseilen, unter einem Elektrozaun durchkriechen und durch brennende Heuballen laufen. Selbstverständlich fand das Rennen stets im Winter im Januar statt − oft bei Minustemperaturen. 


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