Bischöfe warnen zum Weltflüchtlingstag vor rechtsradikalen Parolen

Heilbronn  Im Rahmen des ökumenischen Gottesdienstes im Heilbronner Deutschordensmünster zum Weltflüchtlingstag, sind klare Worte gefallen, mit denen sich Bischöfe und OB Harry Mergel gegen Ausgrenzung, Hass und Gewalt aussprechen.

Von Kilian Krauth
gottesdienst
In der Sprache Jesu, Aramäisch, begleitete ein syrisch-orthodoxer Chor den Gottesdienst. Flüchtlinge und Einheimische gestalteten die Feier mit. Foto: Andreas Veigel

Was Adam Kupferschmidt (82) als Heimatvertriebener, was seine Ehefrau Agnes (76) als Spätaussiedlerin und was Rima Sbello (34) als Flüchtling erlebt haben, ist schrecklich. Bischof Gebhard Fürst versucht es in Zahlen zu fassen: Derzeit sind 70 Millionen Menschen auf der Flucht. "Alle zwei Minuten verliert ein Mensch sein Zuhause." Gleichzeitig treibe "die Sehnsucht nach Heimat alle Menschen um, darum kann sie uns verbinden statt zu trennen", betont Landesbischof Frank Otfried July.

Flüchtlinge gestalten Gottesdienst mit

Bei einem ökumenischen Gottesdienst für Opfer von Flucht und Vertreibung haben die beiden Württemberger Bischöfe am Wochenende im Heilbronner Deutschordensmünster eine angstfreie Offenheit für geflüchtete Menschen angemahnt: zusammen mit Flüchtlingen, anderen Gläubigen und Musikern wie etwa einem syrisch-orthodoxen Jugendchor oder Landing Jobareth auf dem Saiteninstrument Kora.

Gegen lauter werdenden Rechtspopulismus

Große Sorge bereite ihm, dass die 2015 beschworene "Willkommenskultur" trotz abnehmender Flüchtlingszahlen "eine andere geworden ist", so Fürst. "Wir hören dies an lauter werdenden rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Parolen." Das Gebot der Nächstenliebe mache aber an Stadttoren und Grenzen nicht halt. Gerade Christen seien aufgerufen, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. In diesem Zusammenhang betont er seine Solidarität mit dem neuen Bündnis "Städte Sicherer Häfen", das aus Seenot gerettete Flüchtlinge aufnehmen wolle.

Apell an deutsche Politik

Heimatliebe werde derzeit häufig gleichgesetzt mit der Angst vor dem Fremden, auch vor Flüchtlingen, sagt July. Doch die biblische Verheißung aus dem Johannes-Evangelium - "Ich werde euch einen Platz bereiten" - gelte allen. "Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind. Wir dürfen die Nachrichten nicht über uns ergehen lassen, die vom Tod vieler Menschen und Flüchtlinge im Mittelmeer berichten", sagt July und fordert die deutsche Politik auf, weiterhin für die Rechte geflüchteter Menschen einzustehen und jeden Einzelfall sorgfältig zu prüfen.

OB: Spirale von Hass und Gewalt stoppen

Mit Blick auf die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten durch einen Rechtsradikalen fordert Oberbürgermeister Harry Mergel: "Die Spirale von Hass und Gewalt muss gestoppt werden." Gleichzeitig sollten sich Menschen guten Willens nicht einschüchtern lassen und weiterhin einen "besonnenen, verantwortungsvollen, von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft geprägten Umgang pflegen", gerade mit Schwächeren.

Teils berechtigte Sorgen von Bürger könnten oft in persönlichen Begegnungen abgebaut werden. Und: "Vielfalt sollten wir nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstehen. Sie wird uns helfen, in einer immer komplexer werdenden Welt zurecht zu kommen."

 


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