Bewegungsspass gegen motorische Defizite bei Kindern

Region  Drei Kommunen machen den Anfang. Ein Bewegungsspass soll ihre motorischen Defizite ausgleichen. Erste Lehrkräfte und Erzieherinnen wurdn jetzt in Eppingenn geschult.

Von Stefanie Pfäffle
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Mit den Bewegungstaschen kann es losgehen. Ihr Inhalt soll Kinder und Jugendliche motorisch fitter machen.

Fotos: Stefanie Pfäffle

Es sind erschreckende Zahlen. 25 Prozent der Kinder im Landkreis Heilbronn zeigen beim Einschulungstest motorische Defizite. "Grundlage der Beurteilung ist aber, dass 50 Prozent die Anforderungen schaffen, sonst sinken diese. Das heißt: Die Statistik wird nicht schlechter, die Leistungen schon", erklärt Dr. Ulrike Marquardt, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes am Landratsamt Heilbronn.

Mit dem Bewegungspass zur Förderung der Kindermotorik will der Landkreis nun gegensteuern. Am Montag war in Eppingen die Auftaktveranstaltung für die drei Pilotkommunen Eppingen, Bad Wimpfen und Jagsthausen.

Bisher kein Angebot für Kinder

Bei der kommunalen Gesundheitskonferenz wurde festgestellt, dass es zwar mit dem Bewegungstreff Angebote für Senioren und auch für "das Mittelalter" gibt, jedoch noch nichts für die Jüngsten. "Aber genau da kann man Interesse an Bewegung und gesunder Ernährung einpflanzen oder auch nicht", stellt Thomas Maier fest. Er ist Dezernent für Gesundheit, Recht und Straßen im Landratsamt Heilbronn. "Wir wissen auch, dass es schon viel gibt, das wollen wir nicht ersetzen, sondern ergänzen," sagt Thomas Maier. Durch Zufall stieß eine Mitarbeiterin auf den Stuttgarter Bewegungspass, man nahm Kontakt auf, holte sich mit der AOK Heilbronn-Franken einen Partner ins Boot und rief das Netzwerk Kindermotorik ins Leben.

Andreas Mündorfer, quasi der Erfinder des Bewegungspasses, vom Amt für Sport und Bewegung der Stadt Stuttgart, stellte sein "Baby" vor. Der Bewegungspass für Zwei- bis Siebenjährige soll eine Unterstützung für Kitas und auch Grundschulen sein. Der Einsatz sei nicht zeitintensiv, verspricht Andreas Mündorfer.

Acht Bewegungsarten

Landkreis Heilbronn bringt Kinder in Bewegung

Balancieren? Für viele Kinder heutzutage schlicht und einfach viel zu kompliziert. Beim Kurs für den Bewegungspass gibt es ?Anregungen für Lehrkräfte.

Acht Tiere stehen für acht verschiedene Bewegungsarten. Die Schlange schlängelt, das Eichhörnchen balanciert, der Affe klettert und die Ameise kann ganz toll Sachen transportieren, etwa einen Ball auf einem Schläger. "Für jedes Tier gibt es vier Fertigkeiten und die müssen geübt werden, denn sie kommen nicht von allein." Natürlich wird das Ganze in Spiele eingekleidet, dazu gibt es eine außerdem eine Spielsammlung mit 80 Variationen.

Als Belohnung gibt es Drachenaufkleber für die Kinder, die eine Fertigkeit erlernt haben. "Wir hatten eigentlich nur einen Drachen, aber wir haben die Kinder gefragt und die Mädchen meinten, sie wollen einen eigenen - man hört halt nicht immer, was man möchte", merkt Mündorfer lächelnd an. Die Aufkleber gibt es, weil Kinder einfach gerne etwas sammeln.

Spiele in einer gelben Bewegungstasche

Letztlich seien jedoch die Spiele das Wesentliche. "Unsere Erfahrung ist, dass wir damit auch Kinder erreichen, die man sonst kaum im Bewegungsraum sieht und irgendwann kommt die Motivation von alleine." Neben der Spielesammlung gibt es noch eine Bewegungstasche mit unterschiedlichem Material. Die Erzieher, Lehrer und Übungsleiter werden in einer eintägigen Schulung zertifiziert.

Für Teilnehmer aus Eppingen, Bad Wimpfen und Jagsthausen geschah das bereits am Montagnachmittag. "Die setzen es dann bei sich im Alltag um", hofft Thomas Maier.

Drei Pilotkommunen

Mit den drei Pilotkommunen wolle der Landkreis Heilbronn nun erstmal Erfahrungen sammeln, denn schließlich sei er im Gegensatz zur Stadt Stuttgart nicht selbst Träger und vielleicht seien Anpassungen notwendig. Maier ist sich sicher: "Für sich genommen sind die Übungen nicht tragisch, aber in der Summe wird es sicher was bringen."


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