Betrugsfall im Zabergäu: Fast fünf Jahre Haft

Heilbronn  Das Heilbronner Landgericht hat einen Mann aus dem Zabergäu verurteilt, der sein privates Umfeld mit dubiosen Geldanlagen übers Ohr zog. Der Staat hat nun einen Titel über 1,146 Millionen Euro beim Angeklagten. Ob die geprellten Opfer jemals Geld wiedersehen, ist ungewiss.

Von Carsten Friese
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"Sie haben das Vertrauen anderer auf fast schon skrupellose Art ausgenutzt." Mit diesen Worten hat Richter Roland Kleinschroth dem angeklagten Dauerbetrüger Rolf H. ins Gewissen geredet. Zu vier Jahren und neun Monaten Haftstrafe hat das Heilbronner Landgericht den 61-jährigen früheren Bankkaufmann am heutigen Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt.

Weil er sich bei Freunden, Bekannten und Nachbarn mit hohen Zinsversprechen für angebliche Entschuldungen anderer Kunden immer wieder privat Geld lieh - und am Ende 1,146 Millionen Euro in dem dubiosen Schneeballsystem veruntreute. Geld, das jetzt einfach weg ist.

Richter: Auch der eigenen Familie die Lebensgrundlage entzogen

So ein Schneeballsystem "muss zum Fiasko führen", schärfte der Richter dem 61-Jährigen ein. Der gelernte Bankkaufmann habe trotz eigener hoher Schulden, trotz des Wissens, dass er mit den Rückzahlungen nicht mehr nachkomme, über Jahre weiter gemacht. Seine Frau und Kinder wussten nichts von den Machenschaften. Jetzt stehe er vor einem Scherbenhaufen, habe auch der Familie "die gemeinsame Lebensgrundlage entzogen".

Auf den Konten ist kein Geld mehr, H. hat Schulden bei Banken, das Haus ist belastet. Nachdem der Zabergäuer im Frühjahr 2018 untergetaucht war, spürten die Ermittler ihn im Juli in Mannheim auf. Bei seiner Festnahme hatte er sieben Euro im Geldbeutel, lebte von Pfandflaschenrückgaben, kleineren Geldwetten und schlief im Auto.

Inzwischen hat seine Ehefrau die Scheidung eingereicht, und auch die Kinder wollen nichts mehr von ihrem Vater wissen.

Noch im Gerichtssaal nimmt Rolf H. das Urteil an

Artig hörte der Angeklagte den Sätzen des Richters zu, nickte mehrfach und kniff die Augen zusammen. Es war zu sehen, dass er sich nicht wohl in seiner Haut fühlt. Das umfassende Geständnis rechnete die Kammer dem Angeklagten hoch an. Dass die 1,146 Millionen komplett weg sein sollen, da haben die Richter indes nach wie vor ihre Zweifel. Noch im Gerichtssaal nahm H. das Urteil an, ebenso wie der Staatsanwalt.

80 Einzeltaten im nicht verjährten Zeitraum von 2014 bis 2018 zog die Kammer für das Urteil heran. Für Richter Kleinschroth ist das "nur die Spitze des Eisbergs". Weil jene, die Schwarzgeld eingesetzt hätten, sich wohl kaum an die Polizei gewandt hätten. Einige der Opfer hätten dem engagierten Vereinsmenschen einfach nur vertraut, wollten ihm helfen und hätten jetzt Tausende Euro verloren. Anderen, die nur die utopisch hohen Zinsen im Auge gehabt hätten, schrieb das Gericht "ein gewisses Mitverschulden" zu. 26 Prozent Zinsen sollte es einmal bei nur sechs Monaten Laufzeit geben.

Ein Opfer ist offenbar in Sozialhilfe abgerutscht

Den Einzug von 1,146 Millionen Euro ordnete das Landgericht beim Angeklagten an. Es ist ein Titel, über den Gläubiger Geld zurückzuerhalten können, falls Rolf H. einmal wieder Geld haben sollte. Ein Nachbar, der nur einen kleinen Betrag verloren hat, rechnet trotz des Titels nicht mehr groß damit, das Geld zu erhalten. Er verwies auch auf extreme Folgen für manche Opfer. Eine Frau habe Rolf H. im Vertrauen alle ihre Ersparnisse übergeben - und lebe jetzt von Sozialhilfe.

 


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