Besucherbetreuer haben in der Experimenta alle 275 Stationen durchgespielt

Heilbronn  Im neuen Science Center stehen den Gästen bis zu 40 Begleiter pro Schicht zur Seite. Sie sind die ruhenden Pole mitten im Trubel der Wissenswelt.

Von Carsten Friese

Besucherbetreuer haben alle 275 Stationen durchgespielt

Hier sind sie gerade im schwebenden Studio "Weltblick" mit Naturlabor und Technik-Zoo: die Besucherbetreuer Monika Schönhut und Michael Siegle.

Foto: Andreas Veigel

Sie sind in ihren schwarzen Hemden mit dem knalligen Experimenta-Logo die direkte Verbindungsstelle zu den neugierigen Gästen: Wenn die neue Experimenta am 31. März ihre Türen öffnet, gehören rund 40 Besucherbetreuer pro Schicht zum wichtigen Inventar.

Ihre Aufgabe ist klar: die Besucher lotsen, damit sie sich in den zwei Häusern schnell zurechtfinden, ihnen altersgerechte Empfehlungen aussprechen und bei Bedarf die vielen Mitmach-Stationen erklären.

Auf eine gute Betreuung der Gäste in der neuen Wissens- und Erlebniswelt legen die Experimenta-Macher wert. 365 Besucherbetreuer gehören insgesamt zum Pool, die in Schichten arbeiten, viele auf 450-Euro-Basis. Fest zum Team zählen Michael Siegle (35) und Monika Schönhut (47), er gelernter Einzelhandelskaufmann, sie gelernte Friseurin, die später in der Logistikbranche gearbeitet hat.

Besucherströme lenken und verlorene Kinder zu ihren Eltern bringen 

Das Science Center, das Wissenschaft und Technik auf spielerische Art vermitteln will, hat komplexe Themen. Wie bekommt man als Besucherbetreuer da den Durchblick? 275 Mitmach-Exponate gibt es im neuen Haus. "Wir haben alle durchgespielt und können sie erklären", sagt Siegle. Viele Stunden habe man damit verbracht, in die Abläufe, Details und Hintergründe der Stationen einzutauchen, auch im Eigenstudium oder durch gegenseitige Erklärungen. "Ich fühle mich jetzt sehr sicher", sagt Siegle.

Monika Schönhut ist schon seit dem Start der Ur-Experimenta im Jahr 2009 im Team. "Ich liebe es, im Trubel zu sein", sagt die dreifache Mutter. Und wenn man die Begeisterung der Gäste erlebe, "motiviert das einfach". Zum Aufgabenspektrum der Besucherbetreuer gehört auch, die Besucherströme zu lenken und gut zu verteilen.

Wenn Kinder oder Gegenstände verloren gehen, sind sie dafür zuständig, dass es Durchsagen gibt und alle wieder zusammenfinden. Sie haben Schulungen in Kommunikation durchlaufen, um auch auf kritische Gäste zu reagieren. Zum Beispiel wenn sich vor dem Gebäude im Regen eine Schlange bildet. "Höflich erklären, warum das jetzt so ist", beschreibt Monika Schönhut die Vorgabe. Eine leichte Sprache ist dabei Pflicht. Und auch als Brandschutz- und Evakuierungshelfer im Notfall sind sie geschult.

Nach einem Testtag mit 1500 Gästen am Abend geschafft gewesen

Bei einem Testtag mit 1500 Gästen hat die Experimenta vor Kurzem den Ernstfall geprobt. Michael Siegle war abends geschafft. "Der Kopf war vom vielen Input voll, aber es hat sich gut angefühlt."

Seine Lieblingsstation ist die riesige Wasserlandschaft im vierten Stock, wo man Schiffe bauen und fahren lassen, Staudämme anlegen und Wasserbälle auf Fontänen tanzen lassen kann. "Das ist ein riesiger Abenteuerspielplatz", findet der 35-Jährige. Und er ist mittendrin, weshalb Freunde ihn um seinen Job beneiden.

Monika Schönhut mag die Station mit dem Gleitschirmflug, an der man in einem echten Gleitschirm durch eine digitale Landschaft gleiten und die Route an Seilen steuern kann.

"Es wird Zeit, dass es endlich losgeht", fiebert sie der Eröffnung entgegen. Früher hat sie schon erlebt, dass begeisterte Gäste ihr Trinkgeld geben wollten. Sie lehnte ab und sagte: "Schreiben Sie lieber eine nette E-Mail, dass es Ihnen gefallen hat."

 


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