Beste Burgunder im Weindorf gekürt

Heilbronn  Im Heilbronner Weindorf zählt Klasse, statt Masse. Jetzt wurden die besten weißen Burgunder gekürt. Am Dienstag folgt die Kür des Weinzahns.

Von Kilian Krauth

Beste Burgunder im Weindorf gekürt

Die siegreichen Tropfen der Burgunder-Probe im Weindorf.

Foto: Andreas Veigel

 

Am Diemstag wird im Weindorf der Titel "Unterländer Weinzahn " vergeben. Zum offiziellen Wettbewerb sind ab 16 Uhr rund 30 Teilnehmer geladen. Erfahrungsgemäß bekommen Zuschauer vor der Marktplatzbühne von den adretten Ausschankdamen auch etwas ab. Gläschen bereit halten!

Kritische Zungen testen Burgunder

Seit Mitte der 1990er Jahre werden während des Festes in Rainer Mosthafs Ratskeller bestimmte Rebsorten auf die Probe. Zuletzt förderte man die "einstigen Sorgenkinder Riesling und Trollinger", wie Karl Seiter erinnerte.

Inzwischen wendet man sich Burgundern zu, diesmal den weißen, die ideal zum sommerlichen Wetter passen: Weißburgunder wegen der milden Säure und Frucht, Grauburgunder durch Schmelz und feine Tannine. Und der ausgewogene und runde Chardonnay durch seine gute Anpassungsfähigkeit. Auch Cuvées wurden getestet. Wobei bei der Rebfläche im Vergleich zu anderen Regionen "noch Luft nach oben" sei, wie Moderator Hanns-Christoph Schiefer von der Weinbauschule Weinsberg sagte.

Cuvee-Pionier ist begeistert 

Die 40-köpfige Testerrunde war kompetent besetzt, die sensorischen Kommentare auf hohem Niveau. Genussmenschen wie Ex-VHS-Chefin Dorothea Braun-Ribbat, Karl-Ernst Schmidt oder Dieter Kießling von der Weinbruderschaft riefen in Erinnerung, dass gerade internationale, im Holz ausgebaute Tropfen "ideale Essensbegleiter" seien. Zudem seien sie lagerfähiger. Teils staunend, aber mit großer Genugtuung stellte Cuvée-Pionier Fritz Herold fest, dass viele Württemberger dem Stammland der Burgundersorten, also Baden, durchaus das Wasser reichen könnten. Dies sei dem Know how der Winzer, aber auch der Klimaerwärmung zu verdanken, wusste Martin Heinrich. Die Burgunderfamilie könnte dadurch die Hauptsorte Riesling überflügeln, "weil die die Hitze nicht so verträgt".

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Vorsicht vor zu viel Alkohol

Während mancher am Rande Vergleiche mit französischem Chablis wagte, warnte Weinbauberater Lothar Neumann, die Oechsle, und damit den Alkoholgehalt nicht zu übertreiben, auch mit dem Holzeinsatz sollte man vorsichtig sein. "Wein muss trinkig sein und Spaß machen," betonte Beraterin Nicole Retter, die in Heilbronn aufwuchs und in München lebt. Gerade im Hitzejahr 2018 komme es darauf an, durch eine frühe Lese Säure und Frische zu erhalten. Von einer "ausgesprochen hohen Leistungsdichte" sprach nach 75 Minuten Weinbaupräsident Herrmann Hohl, während Weinjournalist Hansjörg Jung das - im Vergleich zu Restaurants - günstige Preisniveau antippte. Die 17 Tropfen bewegen sich im Weindorf-Ausschank zwischen zwei und 4,50 Euro pro Zehntel.

Die drei Siegertropfen

Aufs Treppen gehoben wurden gestern Abend bei der Siegerehrung: Weißer Burgunder vom Weingut G.A. Heinrich (87,15 Punkte von 100), Cuvée Chardonnay mit Weißburgunder von Grantschen Weine aus dem Hause der Genossenschaftskellerei Heilbronn (86,02) und das Weingut Kistenmacher-Hengerer mit Grauburgunder VI (85,25).