Beim Tag der Schöpfung bringen Kirchen Würze auf die Buga

Heilbronn  Die bundesweite Hauptveranstaltung des ökumenischen Tags der Schöpfung fand am Freitag auf der Buga in Heilbronn statt. Kirchen und Ministerpräsident Kretschmann haben dort Impulse und Gedankenanstöße in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit gegeben.

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Tag der Schöpfung: Kirchen bringen Würze auf die Buga

"Wir wollen offen für Neues sein." So kommentierte Erzpriester Miron (re.) das Raunen des Publikums, als er Kretschmann Frankfurter Wein überreichte.

Fotos: Matthias Heibel

Wer sich am Freitag in der Innenstadt über die vielen Menschen mit Salztütchen und Brot wunderte: Das waren Buga-Besucher mit Erinnerungsstücken an den ökumenischen Tag der Schöpfung.

Unter dem Jesus-Wort "Ihr seid das Salz der Erde" hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland mit Landes- und Stadtverband zur bundesweiten Hauptveranstaltung nach Heilbronn geladen. Gäste aus nah und fern nahmen nicht nur Salz und Brot, also die Symbole der Gastlichkeit mit, sondern auch Impulse in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Aktivisten stören Kretschmann-Rede

Tag der Schöpfung: Kirchen bringen Würze auf die Buga

Aktivisten störten kurz die Festrede. Kretschmann blieb locker. "Leider kann ich Ihre Transparente nicht lesen, aber Atomkraftwerke werden sowieso stillgelegt."

Was die Kirchen tun können und bereits tun, zeigte neben etlichen Info-Ständen allen voran Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf. "Wir brauchen auch ihre Kritik, wo wir als Einzelne, als Politiker, als Gesellschaft hinter unseren Ansprüchen zurückbleiben und in alte Muster zurückfallen." Ausdrücklich lobte er die junge Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg. Sie zeige, dass auch Einzelne etwas bewegen können.

Um nachhaltig zu wirken, müsse jedes Engagement aber "das Ganze im Blick behalten", so wie es die Buga mit Garten- und Stadtausstellung beispielhaft vor Augen führe. Locker nahm der Landesvater nebenbei Umweltaktivisten den Wind aus den Segeln, die plötzlich an der Bühne auftauchten. "Leider kann ich ihre Transparente nicht lesen, weil sie mir den Rücken zustrecken. Aber Atomkraftwerke werden sowieso stillgelegt."

Klare Worte einer Pastorin

Beim Abschlussgottesdienst - mitgestaltet von ACK-Mitgliedern sowie von der Band Qohelet und einem Projektchor - streute Rundfunk-Pastorin Andrea Schneider vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland in die vielen Brisen Salz zusätzlich Pfeffer. "Das Thema Schöpfung bewahren ist unausweichlich aktuell und wichtig", betonte sie. Die unter Mitgliederschwund leidenden Kirchen hätten hier die Chance, "gegen jede Depression und Panikmache" zum Handeln zu motivieren.

So sei das Jesus-Wort "Ihr seid das Salz der Erde" für Christen "Identität und Auftrag", sprich: "Nicht jedem Massen-Mode-Billig-Trend hinterhershoppen. Auf Luxus-Fliegerei verzichten, auf Billig-Fleisch sowieso. Dinge restaurieren, flicken." Und: "Auch mal Salz in Wunden der Gesellschaft streuen, sich auch politisch dafür einsetzen, dass Menschen nicht untergehen im Meer."

Tag der Schöpfung: Kirchen bringen Würze auf die Buga

ACK-Landeschef Schächtele: "Wir erweitern die Buga um eine Dimension."

Mit Blick auf einen von Peter Seitz künstlerisch verarbeiteten Salzstein aus dem Heilbronner Salzwerk, nahmen der ACK-Bundes-Vorsitzende, Erzpriester Radu Constantin Miron, und Landes-Chef Prälat Traugott Schächtele, Bezug zum Veranstaltungsort. Der Tag der Schöpfung wolle das Buga-Motto "Blühendes Leben" um die Dimension des Christlichen erweitern. Nach den von Andrea Grawert und Andrej Heinrich Klassen musikalisch abgerundeten Eröffnungsworten zeigte ein Film "Leuchtturmprojekte der Nachhaltigkeit" aus den Kirchen.

Zahlreiche Stände und Impulse

Den ganzen Tag über bildeten Info-Stände von umweltbewussten, meist kirchlichen Gruppen an der Sparkassenbühne einen Markt der Möglichkeiten, auch das Land war vertreten. Am Nachmittag sollte dem Haus der Kinderkirche Schloss Beilstein das EMAS-Zertifikat überreicht werden. EMAS ist ein freiwilliges Instrument der EU, das Unternehmen und Organisationen unterstützt, ihre Umweltleistung zu verbessern; die Buga ist schon zertifiziert.

"Brot, Salz, Wasser" hieß es im Kirchengarten, wo etliche Besucher gerne zwischen Stelen und Bäumen im Gras oder an einer langen Tafel durchatmeten. Es gab aber auch Sonderführen durch verschiedene Ausstellungsbereiche bis hin zum Beitrag der Friedhofsgärtner.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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