Beim Busausstatter Frenzel geht es trotzdem weiter

Obersulm  Das Insolvenzverfahren über das Obersulmer Unternehmen ist eröffnet. Gespräche mit Investoren laufen bereits.

Von Heiko Fritze
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In Obersulm-Sülzbach verfügt Omnibus Frenzel über eine große Fertigungshalle. Der Betrieb läuft im Insolvenzverfahren weiter.

Foto: Archiv/Sawatzki

Seit Freitag befindet sich der Busausstatter Frenzel im Insolvenzverfahren. Die Türen des alteingesessenen Unternehmens werden aber nicht geschlossen: Wie Insolvenzverwalter Michael Pluta am freitag mitteilen ließ, werde der Betrieb uneingeschränkt weitergeführt.

Pluta hat zusammen mit seinem Team den Investorenprozess bereits gestartet und erste Gespräche geführt. "Die Mitarbeiter sind hoch motiviert und die Kunden halten dem Traditionsbetrieb die Treue. Das ist sehr erfreulich und eine gute Basis für die Gespräche", sagt er. Am Tag des Insolvenzantrags waren noch 70 Mitarbeiter bei Frenzel beschäftigt, Ende 2015 waren es aber noch 92 gewesen, wie aus Unterlagen im elektronischen Bundesanzeiger hervorgeht. In seinem Team arbeiten Rechtsanwältin Heike Metzger sowie Sanierungsmanager Helmuth Rauscher an dem Fall.

Geschichte mit drei Umzügen

Das Unternehmen wurde 1954 in Ludwigsburg von Heinz und Anita Frenzel gegründet und war von 1963 bis 2008 in Ilsfeld-Auenstein ansässig. Dann zog die Firma nach Obersulm-Sülzbach in die Hallen der ehemaligen Firma Frieß - der Metallbauer war 2003 insolvent gegangen und abgewickelt worden. Noch 2013 ließ Frenzel bei einem Betriebsbesuch von Obersulmer Gemeinderäten mitteilen, dass die Kapazitätsgrenze auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände nahezu erreicht sei.

Austatter der Fußball-Nationalmannschaft

Einen Namen gemacht hat sich der Familienbetrieb mit der Innenausstattung von Omnibussen für anspruchsvolle Kunden. Unter anderem werden seit vielen Jahren nahezu alle Busse der Fußball-Bundesligisten von Frenzel nach den Wünschen der Vereine ausgebaut, von Bayern München bis zum VfB Stuttgart. Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war schon Kunde, schließlich wurden schon 1974 alle Busse, die Teams der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland transportierten, von Frenzel eingerichtet. Aus dem arabischen Raum und aus Russland kommen ebenfalls viele Bestellungen. Aufträge im sechsstelligen Euro-Bereich sind da keine Seltenheit, oft ist vieles Handarbeit. Frenzel wirbt auf seiner Homepage mit Sonderausstattungen von WLAN über edle Holzvertäfelungen bis zu Kaffeezubereitung.

Weiteres Standbein: Bordküchen

Das Unternehmen hat aber noch weitere Standbeine. Unter anderem, berichtete die Geschäftsleitung vor einigen Jahren, ist Frenzel führend bei der Herstellung von Kühlschränken und Bordküchen, für Busse ebenso wie für Wohnmobile und Lastwagen. Kühlschränke, Kaffeemaschinen und Wurstbrater können sogar über den eigenen Onlineshop gekauft werden - Kühlgeräte werden bereits seit 50 Jahren in Serienfertigung hergestellt. Zum Spektrum gehören aber auch TV- und Videosysteme für Busse und Laster. Hoffnung setzte das Unternehmen zuletzt auch auf den wachsenden Fernbus-Markt. Auf diese Fertigung von Serienprodukten entfiel seinerzeit bereits der größere Teil des Umsatzes.

Über die Zukunft des Betriebs oder Ursachen für die Insolvenz gab es am Freitag keine näheren Angaben. Insolvenzverwalter Pluta hatte bereits kurz nach dem Insolvenzantrag Ende Dezember angekündigt, das Produktspektrum des Herstellers daraufhin überprüfen zu wollen, welche Sparten überhaupt rentabel arbeiten. Ob nun bereits Einschnitte vorgenommen wurden, ließ er allerdings nicht mitteilen.

 


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