Beim Ausbau der B27 könnten Häuser abgerissen werden

Neckarsulm  Neckarsulmer Familien, die direkt an der Bundesstraße 27 wohnen, sind über die Ausbaupläne des Bundes bestürzt. Um den wichtigen Halbanschluss ins Zentrum zu erhalten, müssten womöglich ihre Häuser verschwinden.

Von Marie-Luise Schächtele

Beim Ausbau der B27 könnten Häuser abgerissen werden

Bleiben die Anschlüsse ins Zentrum und auf die Bundesstraße in Richtung Bad Friedrichshall nach dem Ausbau erhalten? Dann müssen vermutlich 13 Häuser abgerissen werden.

Foto: Dennis Mugler

Wie eine Schneise zieht sich die B27 durch den nördlichen Teil von Neckarsulm und lärmt. Trotzdem ist Brigitte Volpe direkt hinter der Lärmschutzwand zu Hause. "Ich habe mich daran gewöhnt", sagt die 67-Jährige. Dreifach-Fenster schützen das Hausinnere vor dem Lärm. Doch auf Plänen zum vierspurigen Ausbau der B27 ist ihr Haus rot durchgekreuzt. Bleiben die Anschlüsse Neuenstädter Straße und Spitalstraße erhalten - noch ist das nicht sicher -, wird zusätzlicher Platz benötigt.

13 Häuser müssten weichen, das von Brigitte Volpe wäre eines davon. Ingenieure haben im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart die Pläne erstellt. Enteignungen sind möglich, wenn der Bau einer Straße dem Wohl der Allgemeinheit dient.

Auch interessant: Im September können Bürger über den B27-Anschluss in Neckarsulm abstimmen

 

Den Menschen fehlt der Bauplatz

"Es ist mein Daheim, und ich fühle mich wohl", sagt Brigitte Volpe. Seit 50 Jahren lebt sie in ihrem Elternhaus in der Neuenstädter Straße. Sie will nicht weg und außerdem: "Wo sollen wir hin? Irgendwo aufs Land?" Doch ein neues Haus oder einen Bauplatz zu finden, ist auf einem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt schwierig. "Wir wollten gerade hinten renovieren", sagt sie. "Jetzt haben wir alles zurückgestellt." Anders die Nachbarn. Sie zeigt die Straße hinunter: Anwohner hätten vor zwei Jahren ein Haus gekauft, es hergerichtet und gedämmt.

Familie kaufte sich erst vor elf Jahren eine Doppelhaushälfte

Als Thomas Bauer einen Bericht gelesen hat, dass für den Erhalt des Halbanschlusses sein Haus abgerissen werden soll, war auch er erschüttert. Vor elf Jahren hat er sich seine Doppelhaushälfte gekauft. "Ich habe jeden Pfennig hineingesteckt, keinen Urlaub genommen." In seinem Garten plätschert im Teich ein Brunnen.

Der 54-Jährige ist Dreher und arbeitet bei Audi. In drei Jahren hätten seine Frau und er das Haus abbezahlt. Würde eine Entschädigung reichen, um neu zu bauen? "Ich würde mir einen privaten Experten holen und den aktuellen Marktwert schätzen lassen", sagt er. Auch ein Gegenangebot würde er einfordern. Doch das ist eigentlich keine Option. "Alles ist wunderbar fürs Alter gerichtet." Es wäre für ihn eine "Katastrophe", müsste er ausziehen.

Auch interessant: So könnte der Verkehr besser fließen (Premium)

 

Ein Betrieb steht der Bundesstraßen im Weg

Auch Mitarbeiter bei Reifen Bender waren schockiert: Ein Gebäude steht dem vierspurigen Ausbau im Weg, vielleicht schließt der Betrieb. "Uns wird die Arbeit weggenommen", sagt einer. Für Oberbürgermeister Steffen Hertwig ist es eine beklemmende Vorstellung, würden tatsächlich 13 Gebäude abgerissen werden. "Dort müssten Menschen wegziehen", sagt er. Die Stadt werde nun auf die Betroffenen zugehen, um zu erfahren, wie sie zu diesen Überlegungen stehen. "Wir können noch nicht beurteilen, welche Ausbauvariante für die Stadt die beste Lösung ist", sagt der Rathauschef. Die Anwohner wünschen sich im Moment vor allem eins: Gewissheit.

Auch interessant: Wie groß die Verkehrsbelastung auf der B27 ist

 


Kommentar hinzufügen