Bei regionalen Brauereien steigen die Bierpreise in diesem Jahr nicht

Region  Neues Jahr, neue Bierpreise: Das haben die führenden deutschen Produzenten Radeberger und Krombacher vor wenigen Tagen angekündigt. Anfang März sollen die Fassbierpreise für viele der zugehörigen Marken steigen. Biertrinker in der Region sind davon nicht unbedingt betroffen.

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Bier vom Fass
Das frisch Gezapfte könnte an manchen Tresen bald teurer werden. Nicht nur die Radeberger Gruppe hebt den Preis für Fassbier an, auch die Privatbrauerei Krombacher plant diesen Schritt. Regionale Brauereien ziehen in diesem Jahr nicht mit. Foto: dpa

Die Brauereien in der Region geben Entwarnung: Sie ziehen bei den Preiserhöhungen nicht mit. 

Bei der Brauerei Palmbräu (Eppingen) gab es die letzte Bierpreiserhöhung im Dezember 2018. "Für 2020 ist keine Erhöhung geplant", sagt Betriebsleiter Oliver Kohler. "2021 müssen wir dann aber vielleicht wieder ran." Ob und wie stark die Preise in die Höhe steigen, hänge etwa von der Ernte, den Energiekosten oder tariflichen Lohnerhöhungen ab.

Auch Distelhäuser (Tauberbischofsheim) will die Preise erst einmal beibehalten. Die letzte Erhöhung war laut Geschäftsführer Christoph Ebers im Frühjahr 2019 um etwa drei Prozent. Bei Haller Löwenbräu (Schwäbisch Hall) gibt es ebenfalls Entwarnung. „Wir planen keine Preiserhöhungen“, sagt Geschäftsführer Peter Theilacker.

"Natürlich ändert sich auch bei uns die Kostenstruktur", sagt Christian Wunderlich, Geschäftsführer der Herbsthäuser Brauerei (Bad Mergentheim). Zur Kostenstruktur gehören zum Beispiel die Rohstoffpreise. So sei bei Hopfen in den vergangenen Jahren die Nachfrage und somit auch der Preis gestiegen. Auch bei Gerste beziehungsweise Malz (in Wasser eingeweichte, gekeimte, wieder getrocknete und geschrotete Gerste) seien die Preise in die Höhe gegangen.

Energie- und Transportkosten treiben die Preise oft stärker als Rohstoffkosten

"Rohstoffkosten sind aber nur ein Teil der Gesamtkosten", betont Wunderlich. Entscheidender seien oftmals die Energie- und Frachtkosten. Im Februar 2019 gab es in Bad Mergentheim die letzte Preissteigerung. "Vier bis fünf Prozent waren es damals. Davor hatten wir jahrelang nicht erhöht." Für das laufende Jahr gebe es im Haus keine Planung für weitere Steigerungen.

Von regionalen Brauereien haben Gastronomen in der Region also keine Preissteigerungen zu erwarten. "Zum Glück sind die überregionalen Brauerei in der Region nicht so stark vertreten", sagt der Heilbronner Multigastronom und Betriebswirt Thomas Aurich. "Die Menschen suchen wieder ihre Wurzeln, kaufen regionale Produkte."

Gastronom rechnet mit steigenden Preisen

Bisher habe Aurich noch von keinem Kollegen gehört, dass er neue Preislisten gedruckt hätte. Er geht aber davon aus, dass viele Gastronomen ihre Preise dennoch erhöhen werden. Als Grund nennt er unter anderem den Mindestlohn, der seit diesem Jahr von 9,19 Euro auf 9,35 Euro gestiegen ist. "Wer viel mit Aushilfen arbeitet, der muss also ran."

Neue Preislisten sind aufwendig und teuer

Neue Speisekarten anzufertigen, sei für Gastronomen aber aufwendig und oft sehr teuer, betont Aurich. "Deshalb schlucken viele ihre höheren Kosten erst einmal über einen geringeren Gewinn und erhöhen die Preise dann erst zur neuen Saison."

Ob es nun um Bier oder um andere Getränke gehe, die meisten Gastronomen müssten ihre Preise regelmäßig erhöhen. Als wichtigen Grund nennt Aurich den Transport, der immer teurer werde.

Ob Preissteigerungen aus Brauereien an den Kunden weitergegeben werden, hänge auch von der Art der Gastronomie ab: "Ein Wirt im Biergarten muss natürlich Bierpreissteigerungen direkt an den Kunden weitergeben. Denn der macht ja gut 50 Prozent seines Absatzes mit Bier. Da hauen Steigerungen dann voll rein."

Im Kistle steigen die Preise alle drei Jahre

Doris Carle vom Heilbronner "Kistle" erhöht ihre Bierpreise alle drei Jahre. Im vergangenen Jahr gab es Steigerungen von 3,40 auf 3,60 Euro pro halbem Liter. "Alle drei Jahre muss ich die Preise anpassen, da ja alles teurer wird. Aber wenn nichts Gravierendes passiert, dann bleiben die Preise die nächsten drei Jahre gleich."

Zwar bietet sie neben regionalem Bier auch Radeberger an, aber das kaufe sie dann eben, wenn es im Angebot ist.

Erhöhungen der Getränkepreise auf der Heuchelberger Warte um maximal zehn Cent

Auf der Heuchelberger Warte werden die Karten und Preise jedes Jahr zur neuen Saison geändert. "Die Kosten für Löhne oder Transport steigen stetig. Das müssen wir natürlich weitergeben. Aber wir erhöhen die Preise lieber öfter und dafür nur gering", sagt Inhaberin Inge Wieland. Aber um mehr als zehn Cent seien die Getränkepreise bisher nicht gestiegen.

 

 


Michelle List

Michelle Christin List

Volontärin

Michelle Christin List ist seit Oktober 2018 Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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