Bei dieser Fotografin sind Tiere die Models

Region  Tierfotografin Ute Huber setzt Besitzer und ihre Lieblinge bei einem Outdoor-Shooting in Szene. Dabei muss die Fotografin mit einigen Tücken zurechtkommen.

Von Kirsi-Fee Rexin
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Hundeshooting
Geduld, Ruhe und einen schnellen Finger benötigt die Fotografin.

Es ist Sonntagmorgen. Wiesen und Wälder um die untere Ölmühle in Beilstein werden langsam von den Sonnenstrahlen wachgekitzelt. Inmitten der von Morgentau bedeckten Halme liegt Ute Huber bäuchlings im Gras. Das Gesicht ist hinter einer schwarzen Canon-Kamera mit Teleobjektiv versteckt, sie wartet auf den richtigen Moment. Manchmal dauert das ein bisschen.

Ihre linke Hand wedelt mit einem bunten Futterbeutel, und der honigfarbene Hovawart dreht den Kopf in ihre Richtung. Klick. Im Bruchteil einer Sekunde drückt Hubers Finger den Auslöser. Das Foto von Martina Schmider mit Hündin Sally ist im Kasten.

Nur im Doppelpack mit Kamera unterwegs

Seit sie 14 Jahre alt ist, gibt es Ute Huber nur noch im Doppelpack mit ihrer Kamera. "Tiere haben mich schon immer fasziniert", erklärt die Tierfotografin. Anfangs lichtet sie hauptsächlich Pferde ab, nach und nach auch Hunde, Katzen und viele andere Tierarten. Sie legt sich eine professionelle Ausstattung zu und geht auf Reisen. Huber campt mit ihrem Wohnmobil in fernen Ländern und Regionen wie Afrika, Amerika, Alaska, Ägypten, Kanada, Ecuador. Hautnah beobachtet sie unvergessliche Augenblicke der Tierwelt durch ihre Linse und hält sie mit einem Klick für immer fest.

Hundeshooting

Für das perfekte Bild braucht es manchmal Tricks: Ute Huber wedelt mit einem Futterbeutel, damit Hündin Sally schaut.

Huber hat sich auf Outdoor-Aufnahmen spezialisiert. "Im Freien hat man als Fotograf einfach viel mehr Möglichkeiten als in einem Studio", schwärmt die Frau aus Plüderhausen. "Man kann die Tiere in der Bewegung festhalten oder auch Aufnahmen im Wasser oder im Schnee machen." Die Outdoor-Shootings haben jedoch auch ihre besonderen Tücken, weshalb Huber jede Location im Vorfeld genau unter die Lupe nimmt. "Ich muss die Lichtverhältnisse von Uhr- und Jahreszeit im Blick haben und dementsprechend die Kunden einbestellen", erklärt Huber.

Bei Bewegungsfotos dürfe das Gras nicht zu hoch sein, sonst sehe man die Dynamik nicht. Manches lässt sich hingegen schwer vorhersehen: "Manchmal marschiert auch einfach mal eine Wandergruppe durchs Bild", schmunzelt Ute Huber.

An guten Fotos haben auch Herrchen und Frauchen ihren Anteil. "Die Besitzer kennen ihre Hunde am besten. Sie wissen, worauf sich das Tier einlässt", so Huber. "Sicherheit hat bei jedem Shooting oberste Priorität. Wenn ein Besitzer sagt, mein Hund jagt wilden Tieren hinterher, dann bleibt der Hund natürlich angeleint." Bei besonders aktiven Exemplaren, lasse sie die Hunde sich erstmal austoben, "erst dann gehen wir zu den Porträtfotos über".

Nicht nur Herrchen oder Frauchen sind aufgeregt

Eines würden Besitzer und Hund meist gleichermaßen mitbringen: Aufregung. "Die Leute denken, ich als Fotografin habe eine besondere Erwartungshaltung und sind deshalb aufgeregt. Das überträgt sich auch auf den Vierbeiner." Um die Situation zu entspannen, beginne sie deshalb anfangs mit beiläufigen Aufnahmen beim gemeinsamen Spaziergang. "Die Situation entspannt sich dadurch schnell, und das ist wichtig. Ich möchte nicht nur tolle Fotos schießen, sondern, dass das Shooting für alle ein schönes Erlebnis ist."

Hovawart-Hündin Sally ist an diesem Tag das erste tierische Fotomodel. "Ich habe sie als Welpe bei mir aufgenommen", erzählt Martina Schmider aus Erdmannhausen bei Ludwigsburg. "Mittlerweile ist sie schon zwölf und ich möchte gerne schöne Aufnahmen als Andenken haben, wenn sie mal nicht mehr ist." Die besondere Herausforderung bei Sally: Die Hündin hört nichts mehr. Um die Aufmerksamkeit von Sally zu gewinnen, muss sich Huber deshalb ganz schön ins Zeug legen. Sie winkt mit den Armen, wedelt mit einem Futterbeutel oder rüttelt an Ästen. Mit Erfolg. "Das sieht ja toll aus", stellt Schmider mit Blick auf die Kameraanzeige fest. "Das Bild werde ich später einrahmen und ganz groß ins Wohnzimmer hängen."

Hund geht in Deckung

"Ein Foto von uns als Familie mit Hund haben wir bisher alleine einfach nicht hinbekommen", erklärt Nadine Schnurr aus Beilstein. Deshalb hat sie sich gemeinsam mit Ehemann Simon, Töchterchen Mya und Hund Sam zum Shooting angemeldet. Der Rüde aus dem Tierschutz ist allerdings sehr ängstlich und scheu. Das Rascheln der Blätter, das Zwitschern der Vögel verunsichern ihn, so dass er schon wieder hinter der Familie in Deckung gegangen ist, bevor Hubers Finger überhaupt den Auslöser berührt.

Mit viel Einfühlungsvermögen und einigen Leckerli gelingt es der Tierfotografin aber, eine Verbindung zu dem Mischling aufzubauen, und der fasst langsam etwas Vertrauen. Am Ende kann so der Augenblick, als die Familie glücklich lachend mit Sam daneben auf einem Baumstamm sitzt, für immer festgehalten werden.

 

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