Bei der Windkraft herrscht vorübergehend Stillstand

Region  2018 war mit seinem extremen Sommer ein besonders windarmes Jahr. Finanziell sieht es sowohl in Löwenstein als auch bei der Zeag nicht ganz so düster aus. Insgesamt steht die Windenergie im Südwesten nicht mehr hoch im Kurs.

Von Christian Gleichauf
Bei der Windkraft herrscht vorübergehend Stillstand

Stabile Hochdrucklagen bescheren den Windrädern − hier eines am Horkenberg bei Löwenstein − Flaute.

Foto: Gleichauf

Windkraftanlagen hatten 2018 mit widrigen Umständen zu kämpfen. Der heiße und windarme Sommer ließ die Rotoren häufiger als erwartet still stehen. Im gesamten Südwesten lagen die Erträge rund sechs Prozent unter dem langjährigen Mittel. Im Landkreis Heilbronn war vor allem der Windpark Harthäuser Wald von der Flaute betroffen. Die beiden Windräder auf dem Horkenberg bei Löwenstein haben ihre wirtschaftlichen Prognosewerte dagegen fast genau erreicht.

Im Verhältnis haben die Anlagen am Horkenberg gut abgeschnitten

Dass die Anlagen des Heilbronner Projektentwicklers Joachim Kruck relativ gut abschneiden, wird aus einem Vergleich mit der Betreiber-Datenbank BDB deutlich: Der Wind-Index habe für das Jahr 2018 bundesweit einen um rund 16 Prozent geringeren Ertrag im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt aufgewiesen, teilt Kruck mit. Die lokalen Aufzeichnungen auf dem Horkenberg belegten eine um fünf Prozent geringere mittlere Windgeschwindigkeit als prognostiziert.

Mit einem Ertrag von 10,2 Millionen Kilowattstunden wurde entsprechend rund fünf Prozent weniger regenerativer Strom erzeugt als prognostiziert. Gute Preise wurden jedoch durch die Direktvermarktung des erzeugten Stroms erzielt, so dass finanziell nur ein Minus gegenüber der wirtschaftlichen Prognose von 1,8 Prozent blieb.

Erste Ergebnisse 2019 machen Hoffnung

Vorerst sieht es in diesem Jahr besser aus. Mit 1,72 Millionen erzeugten Kilowattstunden an den zwei Anlagen war der März 2019 der bisher ertragsstärkste Monat seit Inbetriebnahme der Windenergieanlagen Ende 2014, so Kruck.

Ein Rückschlag für den Harthäuser Wald

Die 19 Windräder im Harthäuser Wald produzierten im vergangenen Jahr rund 90 Millionen Kilowattstunden Strom und damit nur etwa 80 Prozent der Prognosen entsprechend dem langjährigen Mittelwert, teilte der Heilbronner Energieversorger Zeag auf Stimme-Anfrage mit. Trotzdem erwirtschafteten die fünf Betreiber-Gesellschaften des Windparks Harthäuser Wald, an denen neben der Zeag auch die Kommunen Hardthausen, Möckmühl, Widdern, Jagsthausen und Forchtenberg beteiligt sind, unter dem Strich rund 530 000 Euro Gewinn, wie Zeag-Sprecherin Anja Leipold mitteilt. Teilweise wird er an die Bürgerenergiegenossenschaften ausgeschüttet, die sich ebenfalls an dem Projekt beteiligt haben.

Ausgezeichnete Verfügbarkeit

Dass der Ertrag so stark hinter den Erwartungen zurückliegt, lässt sich für das vergangene Jahr nicht mit der Verfügbarkeit der Anlagen erklären. 99 Prozent der Zeit waren die Windräder einsatzbereit und konnten Strom produzieren. Doch offensichtlich fehlte der Wind. Das zeigt auch die Windkarte des Windkraft-Dienstleisters Anemos für das vergangene Jahr. Die Löwensteiner Berge weisen dort in Relation zum übrigen Baden-Württemberg überdurchschnittliche Windgeschwindigkeiten auf, der Harthäuser Wald unterdurchschnittliche.

Hürden durch Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren

Insgesamt ist der Ausbau der Windenergie in Deutschland ins Stocken geraten. Grund dafür sind vor allem die Rahmenbedingungen, was Vergütung und Ausschreibungsverfahren angeht. In Baden-Württemberg gebe es zu wenig Unternehmen, die sich an den Ausschreibungen beteiligen, erklärt der Bundesverband Windenergie (BWE) auf Anfrage. "Jedes Projekt, dass sich beteiligt hat, hat einen Zuschlag erhalten", erklärt BWE-Sprecher Christoph Zipf. Die geringe Zahl von Zuschlägen spreche also dafür, dass die Hürden bei der Genehmigung und die große Anzahl an Klagen einen schnelleren Ausbau der Windenergie blockieren.

 

 


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