Bei Unvernunft droht Sperrung des Breitenauer Sees

Obersulm  Sollten Verbote und Abstandsregelungen weiterhin nicht eingehalten werden, schließt die Gemeinde Obersulm diese Konsequenz nicht aus. Die Polizei verstärkt am Wochenende die Kontrollen auch von Parks und anderen beliebten Treffpunkten.

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So geht es nicht: Wegen der Ansteckungsgefahr ist es verboten, auf den Liegewiesen am Breitenauer See zu verweilen. Mit Lautsprecherdurchsagen hatte die Polizei am vergangenen Samstag das unterbunden. Foto: Mario Berger

Der Breitenauer See ist in den Fokus der Polizei gerückt. Zu viele Menschen tummeln sich bei schönem Wetter an dem Ausflugs-Hotspot der Region. Manche Besucher halten zu wenig Abstand, trotz Verbots sonnen sich Leute auf den Liegewiesen oder sind in Gruppen unterwegs. Wenn sich die Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz, die es am vergangenen Samstag gab, weiter häufen, kündigt Obersulms Bürgermeister Tilman Schmidt als zuständige Ortspolizeibehörde Konsequenzen an. "Wenn sich die Situation nicht bessert, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass wir das Naherholungsgebiet und die Parkplätze komplett schließen."

Rat: Den See meiden

Das wäre für Schmidt, auch Vorsitzender des Naherholungszweckverbands Breitenauer See, die Ultima Ratio, das letzte Mittel. "Das wäre eigentlich schade", sagt er im gleichen Atemzug. Denn Immunologen und Virologen würden in der Corona-Krise dazu raten, in die Natur und an die frische Luft zu gehen, um dass Immunsystem zu stärken - natürlich mit dem gebotenen Abstand. Wer Menschenmassen ausweichen wolle, dem rät Schmidt bei schönem Wetter davon ab, an den Breitenauer See zu kommen.

Die Frage der Verhältnismäßigkeit

Der Obersulmer Bürgermeister würde es bedauern, wenn ein kleiner Teil Unvernünftiger der Auslöser dafür sei, dass der großen Masse der Spaziergang am Breitenauer See verwehrt werden müsste. "Das wäre traurig, aber so ist leider unsere Gesellschaft." Schmidt ist mit Landrat Detlef Piepenburg - der Landkreis Heilbronn ist ebenfalls Mitglied im Zweckverband - und dem Kreis-Gesundheitsamt im Dialog. Bei einer Sperrung ginge es um die Frage, ob eine solche Maßnahme verhältnismäßig sei oder nicht, erläutert der Bürgermeister.

Polizei zeigt Präsenz

Seit vergangener Woche seien regelmäßig mehrmals täglich Streifen auf dem Gelände unterwegs, gibt Frank Belz, Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, zur Auskunft, "Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist derzeit eine möglichst flächendeckende Präsenz."

Belz ist nach den aktuellen Erfahrungen zuversichtlich, dass die Menschen diszipliniert und verantwortungsbewusst seien und den Ernst der Lage in der Corona-Krise erkannt hätten.

Das Wochenende steht bevor, dann folgt Ostern. Scheint die Sonne, wird es wieder voll werden am Breitenauer See. "Wir haben uns darauf eingestellt und nehmen diese Aufgabe vordringlich, an jedem Tag der Woche, auch an Sonn- und Feiertagen, wahr", sagt Belz mit Blick auf die überregionale Strahlkraft des Naherholungsgebiets.

Vorbereitungen getroffen

Eine Sperrung zu kontrollieren, hält die Polizei für schwierig, angesichts der weitläufigen Anlage und der vielen Zugänge. Damit würden viele Brennpunkten, die zu überwachen seien, geschaffen. Und die emotionale Stimmungslage würde sich eher verschärfen, befürchtet der Heilbronner Polizeisprecher. Er macht aber dennoch deutlich: "Wir haben uns vorbereitet", sollte die Zufahrt zum See und zu den Parkplätzen schnell und restriktiv eingeschränkt werden müssen.

Weitere Bereich im Fokus

Die Vorbereitungen speziell für das Wochenende, an dem frühlingshafte Temperaturen angekündigt sind, beschränken sich nicht auf den Breitenauer See. Die Präsenz werde verstärkt, um die Einhaltung der Corona-Verordnung zu überwachen, vermeldet Thomas Lüdecke, Leiter der Schutzpolizeidirektion. Parkanlagen und andere Treffpunkte seien ebenfalls im Fokus. Dazu gehört auch die Löwensteiner Platte. Diesen beliebten Sammelplatz von Motorradfahrern an der B39 hat das Landratsamt jetzt gesperrt.

Lüdecke appelliert an die Vernunft jedes Einzelnen, sich im Interesse der Mitmenschen an die landesweiten Verordnungen zu halten. Sollten Ermahnungen nicht zur Einsicht führen, würden weitere Maßnahmen, wie Anzeigen, folgen.

Bereits am letzten März-Wochenende hielten sich manche nicht an die geltenden Regelungen. In dieser Bildergalerie ist zu sehen, dass einiges in der Region los war:

Campingpark seit 18. März geräumt

Eigentlich wäre zu den Osterferien die Saison so richtig gestartet im Campingpark am Breitenauer See. Aber am 18. März, so berichtet der Vorsitzende des Naherholungszweckverbands, Obersulms Bürgermeister Tilman Schmidt, habe man die Sanitäranlagen in Abstimmung mit dem Kreis-Gesundheitsamt Heilbronn geschlossen, damit den Betrieb eingestellt. Obwohl zu dem damaligen Zeitpunkt Campingplätze noch nicht in der Corona-Verordnung enthalten gewesen seien. Die Touristen mussten auschecken. "Es waren gar nicht so wenige", sagt Schmidt.

Auch die Dauercamper bauten ihre Zelte ab. Wer gebucht hatte, wurde informiert. Ohne Stornogebühren konnten Reservierungen rückgängig gemacht werden. "Wir nehmen bis Juni keine Neubuchungen an", sagt Schmidt. Was natürlich einen erheblichen finanziellen Einschnitt bedeute. Am neuen Sanitärgebäude wird weiterhin gebaut.

 

 


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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