Bei Party auf dem Haigern waren mehr Leute als sonst

Flein/Talheim  Mit 13 Streifen hat die Polizei am Freitagabend eine Party in der Nähe des Freizeitgeländes Haigern aufgelöst. Junge Leute treffen sich dort öfter, so viele wie dieses Mal sind es sonst aber nicht.

Von Heike Kinkopf

Beim Parkplatz auf dem Haigern-Gelände deutet am Samstagnachmittag nichts mehr auf das Treffen von jungen Leuten am Abend zuvor hin.

„Der Parkplatz ist immer schon ein Treffpunkt“, sagt Anja Kurz vom Weingut Kurz-Wagner am Samstagmittag in Talheim. So viele Menschen, wie sich am Freitagabend in der Nähe des Weinguts auf dem Gelände zwischen Wald und Rebstöcken treffen, haben sich zuvor aber noch nie zu einer Spontan-Party versammelt.

Etwa 150 „Partypeople“ seien es gewesen, schätzen fünf Jugendliche, die dabei waren und am Samstag zum Ort zurückkehrten. Ihnen zufolge kamen die Teilnehmer aus der nahen und weiteren Umgebung: Flein, Talheim, Ilsfeld, Leingarten, Heilbronn, zählen die Fünf auf. „Die Partys gibt es schon länger“, sagt eine der jungen Frauen.

Üblicherweise würde man gezielt über WhatsApp eingeladen und treffe sich dann bei einem der Bekannten. Zum Beispiel auf einem privaten Gartengrundstück. „Jeder bringt sein Getränk selbst mit.“ Um die 30 Personen kämen so zusammen. Zwischen 100 und 200 Menschen sind es laut Polizei am vergangenen Freitagabend.

Anwohner klagen über Lärm  

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei trafen sich überwiegend junge Menschen auf dem Haigern zum Feiern. Nachdem die Polizei Anrufe wegen Ruhestörungen erhielt, fuhren Beamte zum Gelände. Dort war nach derzeitigem Erkenntnisstand der Polizei eine Party im Gange. Als die erste Streife der Polizei auf dem Parkplatz beim Wald eintraf, sei es aus Reihen der Besucher zu Unmutskundgebungen gekommen.

Beim Versuch, die Party aufzulösen, flogen Flaschen. „Man kann aber nicht sagen, dass diese gezielt in Richtung der Beamten geworfen wurde“, sagt ein Polizeisprecher gegenüber Stimme.de. Daraufhin sollen die Partybesucher in Gruppen das Gelände verlassen haben. Einige Personengruppen hielten sich anschließend in Flein auf.

Keine Verletzten, keine Sachbeschädigungen

Die Polizei war mit 13 Streifen im Einsatz, so der Polizeisprecher. Da nachts auch immer eine Streife der Hundestaffel routinemäßig Dienst habe, sei diese ebenfalls hinzugezogen worden. Äußerungen in den sozialen Netzwerken, nach denen einer der Partyteilnehmer von einem Hund gebissen worden sei, erteilt die Polizei auf Nachfrage eine Absage. Dies sei der Polizei nicht bekannt, so eine Sprecherin am Samstagnachmittag. Demnach gab es keine Verletzten und es kam zu keinen Sachbeschädigungen oder sonstigen Straftaten.

Eine Person wurde nach Polizeiangaben in Gewahrsam genommen. Der Grund ist noch nicht bekannt. Alles in allem bewertet die Polizei den Einsatz und die Vorkommnisse als „harmlos“. Die Streifen seien zwischen 21.30 und kurz nach 23 Uhr im Einsatz gewesen.

Dieses Mal hatte sich die Einladung weiter verbreitet

Anders als bei den vorherigen Zusammenkünften gab es dieses Mal im Vorfeld nicht nur eine gezielte Einladung an einen überschaubaren Personenkreis, sagen die fünf jugendlichen Teilnehmer gegenüber Stimme.de. Dieses Mal wurde ein Link versendet, vielfach weitergeleitet und auf Instagram geteilt. Einen bestimmten Organisator gebe es keinen.

„Wer und wie viele kommen werden, war vorher überhaupt nicht klar“, sagt ein Mädchen. Als die Clique gegen 19 Uhr beim Wald ankam, seien es etwa 30 bis 40 Personen gewesen. Man habe sich unterhalten, was getrunken, Leute getroffen, die man schon lange nicht mehr gesehen habe. Menschen kamen und gingen, unterm Strich wurden es immer mehr.

Als die Polizei eintraf, seien die Fünf sofort weggegangen, erzählen sie. „Wir hatten Schiss. Wir wussten nicht, ob wir was falsch gemacht haben“, drückt es ein Mädchen aus. Wie es eigentlich sei, wenn irgendeiner bei diesen Treffen Gras rauche oder jemand Drogen dabei habe? Was sei erlaubt? Wann mache man sich strafbar? Könnten sie bei solchen Spontan-Partys festgenommen werden? Fragen wie diese stellten sie sich. 

Jugendliche waren "nicht streitsüchtig"

Das Ehepaar Kurz hatte den Aufruhr in unmittelbarer Nachbarschaft ihres Weinguts mitbekommen. „Sie waren laut“, sagt Anja Kurz, die Polizei verständigten sie und ihr Mann nicht, sagt sie. Ihr Mann Oliver Kurz dagegen sah an dem Abend draußen einige Mal nach dem Rechten. Einige jungen Leute seien auf das Privatgelände gekommen, seien mit dem Fahrrad die Treppen hinab gefahren und hielten sich auf der Terrasse auf.

Geredet habe er nicht mit ihnen, „ich habe denen eine klare Ansage gemacht“, sagt Kurz bestimmt. Die Jugendlichen seien seiner Aufforderung, das Weingut zu verlassen, auch nachgekommen. „Die waren nicht streitsüchtig“, schätzt auch er die Teenager als „harmlos“ ein.  

 


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