Bei Audi schaffen Bagger Platz für die E-Mobilität

Neckarsulm  Bei Audi in Neckarsulm haben die Betriebsferien begonnen. In dieser Zeit werden viele Umbauarbeiten getätigt, die den Weg des Standorts in die Zukunft weisen.

Von Manfred Stockburger

Bagger schaffen Platz für die E-Mobilität

Die traditionsreiche Produktionshalle B14 im Neckarsulmer Audi-Werk ist Geschichte. An ihrer Stelle entsteht eine neue Karosseriebauhalle, die das Unternehmen ab 2021 für zwei neue Elektro-Fahrzeuge benötigt.

Foto: Audi

Langsam, aber sicher ist die Arbeit der Bagger im Neckarsulmer Audi-Gelände nicht mehr zu übersehen. Die altehrwürdige Produktionshalle B14 im Herz des Standorts ist Geschichte. Platz für Neues wird dort geschaffen: in den kommenden Monaten wird dort eine Karosseriebauhalle für die E-Modelle in den Himmel wachsen, die ab 2021 auf Basis der neuen Konzernplattform PPE in Neckarsulm produziert werden sollen.

Symbolträchtiger Moment

Für die Transformation des Unternehmens von Hersteller herkömmlich motorisierter Fahrzeuge hin zur Elektromobilität ist das ein symbolträchtiger Moment: B14 hatte zuletzt die erste Generation des Sportwagens R8 mit dem V10-Motor beheimatet, einstmals wurde dort auch Benzintanks produziert - und Sitzbezüge genäht. Bis 1930, so heißt es bei Audi, markierte die Halle B14 das nördliche Ende des NSU-Werks. Heute steht sie in der Mitte.

Noch nicht ganz so augenfällig sind die Änderungen im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe, wo Audi momentan den R8 vom Band fahren lässt. Bereits im Lauf des Jahres 2020 kommt in diese zurzeit dramatisch unterausgelastete Fabrik auch der E-Tron GT, der ein technischer Zwilling des Porsche Taycan ist. Eine seriennahe Studie hatte Audi im November in Kalifornien erstmals gezeigt.

Für den GT wird das Areal an der Alexander-Baumann-Straße kräftig umgemodelt. Um Platz für den Karosseriebau des Neuen zu schaffen, ist ein Teil des R8-Karosseriebaus bereits nach Böckingen umgezogen. Die Halle bei der Großgartacher Straße, in der einst Posamenten hergestellt wurden, hatte Audi bereits vor einigen Jahren so umgebaut, dass dort Schweißarbeiten möglich sind. Die Fertigungsfläche in Böckingen beträgt einschließlich Logistik rund 3400 Quadratmeter.

Montage in Böckingen

Rund 40 der 150 Mitarbeiter im R8-Karosseriebau werden dort ab dem 7. Januar den Vorderwagen, den Mittelboden und den Hinterwagen des R8 und des Lamborghini Huracán aus Aluminium-Gussteilen, -Strangpressprofilen und Blechteilen zusammenfügen. Im Anschluss wird die halbfertige Karosse per Lastwagen zur Fertigstellung in die R8-Manufaktur in den Böllinger Höfen transportiert.

Dort werden durch den Teilumzug Flächen frei für die Produktion des E-Tron GT: Erst in der Endmontage werden der Elektro-Renner und der R8 dann über ein gemeinsames Band laufen.

Eine Leichtbauhalle wird neben der R8-Manufaktur zusätzlichen Platz für die Montage des E-Tron GT schaffen, wie Werkleiter Helmut Stettner unlängst verriet. "Mit den Baumaßnahmen in den Böllinger Höfen legen wir jetzt den Grundstein für den vollelektrischen Sportwagen - und damit für das erste E-Modell an unserem Standort", sagt Stettner. Ab Mitte 2019 werden die Mitarbeiter sukzessive für den Umgang mit Hochvolt-Technik geschult. "Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft in der R8-Manufaktur mit dem E-Tron GT einen Gran Turismo bauen wird, der begeistert."

Neue Küche

Es gibt aber auch einige konventionelle Umbauprojekte, die Audi im Betriebsurlaub anpackt. Unter anderem wird die Küche des Firmenrestaurants modernisiert und in der A6-Montage stehen Wartungsarbeiten an. Ein bisschen weiter in die Zukunft weist der Tausch zweier Anlagen in der Lackiererei, deren Komplettumbau Audi in den kommenden Jahren in Atem halten wird.

Am 7. Januar beginnt für die Audi-Mitarbeiter dann ein neues Arbeitsjahr voller Herausforderungen.


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