Beängstigende Details im Heilbronner Raubprozess

Heilbronn  Nach einem brutalen Raubüberfall auf ein Rentner-Ehepaar in Heilbronn-Neckargartach muss einer der mutmaßlichen Täter mit der ganzen Härte des Gesetzes rechnen. Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Heilbronn 13 Jahre Haft, der Verteidiger beantragt Freispruch.

Von Helmut Buchholz

Beängstigende Details im Heilbronner Raubprozess
Beim Prozessauftakt im Heilbronner Landgericht: Die Staatsanwältin hat in ihrem Schlussvortrag 13 Jahre Gefängnis für den Angeklagten gefordert. Foto: Dennis Mugler  

Bei dem Prozess gegen den Georgier vor dem Heilbronner Landgericht forderte die Staatsanwältin am Freitag in ihrem Plädoyer 13 Jahre Haft wegen erpresserischem Menschenraub, räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Täter drohen, Opfern die Kehle durchzuschneiden

Das Rentner-Ehepaar wurde im November 2017 von den Einbrechern im Schlaf überrascht, gefesselt, geknebelt und mit dem Tode bedroht. Die Staatsanwältin wertete das "massive Bedrohungspotenzial" als straferschwerend. Die Täter hatten mit einer Geste - einer Hand am Hals - ihren Opfern mehrfach zu verstehen gegeben, dass sie sie "einen Kopf kürzer machen", falls sie nicht Bargeld und Schmuck herausrücken. Einer 90-Jährigen, die auch in dem Haus lebte, drohten die Einbrecher den Finger abzuschneiden, falls sie nicht ihren Ehering hergebe. "Die 90-Jährige ist jetzt in einem Pflegeheim", sagte die Staatsanwältin über die Folgen des Überfalls. Das Rentner-Ehepaar werde noch das ganzes Leben lang an den traumatischen Ereignissen zu knapsen haben.

Opferanwältin: "Das gehört zum Abscheulichsten, was man sich vorstellen kann."

Für Opfer-Anwältin Tanja Haberzettl-Prach gehört der Raubüberfall "zu dem Abscheulichsten, was man sich vorstellen kann". Die Täter hätten sogar die 90-Jährige in ihrem Rollstuhl geschlagen. Das Martyrium dauerte zwei Stunden. "Ich werde selbst wütend, wenn ich erzähle, was geschehen ist", sagte Haberzettl-Prach. Sie appellierte an die Richter, ein klares Zeichen zu setzen. Und zwar an die Gruppierung, die aus vorwiegend Georgiern besteht und die offenbar in ganz Deutschland aktiv sei. In Ulm sei bei einem ähnlichen Raubüberfall ein Opfer an den Knebelungen erstickt.

Außerdem passe die Vorgehensweise zu einem Raubüberfall im Heilbronner Osten im Juni. Die Opferanwältin sagte, dass der in Heilbronn angeklagte Georgier wohl nur die Spitze des Eisbergs darstelle. Haberzettl-Prach könne nur allen Bürgern raten, "Fenster und Türen zu schließen". Auch sie forderte 13 Jahre Haft.

Verteidiger Thomas Koch beantragte dagegen Freispruch: "Mein Mandant stellt in Abrede, die Taten begangen zu haben." Es gebe Zweifel, dass er der Täter sei.

Einbrecherbande mit mafiösen Strukturen und 100 Mitgliedern

Die mindestens drei bis vier Täter erbeuteten Schmuck und Bargeld im Wert von rund 37.000 Euro. Von der Beute fehlt jede Spur, die anderen Täter sind untergetaucht.

Vor den Plädoyers hatten Ermittler als Zeugen vor Gericht geradezu beängstigende Details über die überwiegend aus Georgien stammende Einbrecherbande genannt, die in ganz Deutschland Beutezüge unternehme, brutal vorgehe und mafiöse Strukturen habe. Die Bande soll rund 100 Mitglieder haben.