Bauflaute trotz Wohnungsnot in Heilbronn

Heilbronn  Beispiel Böckingen: Im größten Heilbronner Stadtteil kommen einige Neubauprojekte nicht voran. Stadträte appellieren an die soziale Verantwortung der Investoren.

Von Helmut Buchholz

Bauflaute trotz Wohnungsnot In Heilbronn
Hier steht der Böckinger Wohnungsbau still. Die Sparkassenversicherung wollte an der Heidelberger Straße investieren, hat das Projekt aber zurückgestellt − weil die Rendite inzwischen zu gering wäre. Foto: Heibel  

Heilbronn braucht dringend mehr Wohnraum. Umso mehr wundern sich die Böckinger Sozialdemokraten, dass im größten Heilbronner Stadtteil zwar "in den nächsten zwei bis drei Jahren knapp 200 Wohnungen entstehen könnten", erklärt SPD-Stadtrat Herbert Tabler. Und das, ohne Neubaugebiete auszuweisen. Doch es tue sich nichts. "Dabei müsste man nur ein bisschen Dampf bei den Bauträgern und der Stadtverwaltung machen." Die Planungen für mehrere Projekte seien längst abgeschlossen. Aber die Investoren kämen zum Teil "einfach nicht in die Pötte".

Warum tut sich da nichts?

Erstes Beispiel: die Stuttgarter Sparkassenversicherung (SV). Die will eigentlich schon länger an der Heidelberger Straße nachverdichten. So sollen 81 Wohnungen neu entstehen. Die Stadtverwaltung hat auf Wunsch der Versicherung den Bebauungsplan mehrfach abgeändert. "Der Plan ist seit 18 Monaten rechtskräftig", erklärt SPD-Stadtrat Harald Pfeifer. "Doch nichts passiert." Das sei ein großes Ärgernis, unterstreicht Herbert Tabler. Solche Unternehmen hätten auch eine soziale Verpflichtung. Silke Spatz, SV-Pressesprecherin erklärt dazu: "Wir haben uns entschieden, die Nachverdichtung zurückzustellen. Die Baumaßnahme ließe sich aufgrund der inzwischen nur noch sehr geringen erzielbaren Rendite nicht als angemessene Kapitalanlage unserer Versichertengelder begründen." Als Grund gibt sie unter anderem "erheblich gestiegene Baukosten in den vergangenen Jahren" an. Kostentreiber sei auch das Erfordernis, bestehende Garagen durch neue Hochgaragen zu ersetzen.

Zweites Beispiel: Bauprojekt Klingenberger/Stedinger Straße. Das Gelände habe die Stadt an einen Bauträger verkauft, so Tabler. Dort könnten mitten in Alt-Böckingen weitere 14 Wohnungen gebaut werden. Planungsrechtlich könnte der erste Spatenstich längst längst erfolgt sein. SPD-Stadtrat Markus Scheffler: "Auch hier tut sich nichts."

CDU: Längelter soll nicht zur Spielwiese für Spekulanten werden

Auch ein Neubaugebiet in Böckingen könnte auf dem Heilbronner Immobilienmarkt für Entlastung sorgen. Die SPD hat zwar zuerst ein Neubaugebiet auf der Schanz favorisiert. Nach vielen Einsprüchen haben die Sozialdemokraten jetzt ihre Meinung geändert und befürworten wie die CDU das Neubaugebiet im Längelter.

Die CDU-Fraktion des Gemeinderats lud unlängst zu einem Vor-Ort-Termin ein, um das geplante Böckinger Neubaugebiet in Augenschein zu nehmen. Das Interesse war groß. 90 Bürger kamen. Die Böckinger CDU will sich dafür einsetzen, dass das Baugebiet besonders für junge Familien entwickelt wird. Es solle "keine Spielwiese für Spekulanten werden". Das Gebiet soll über die Verkehrslösung am Sonnenbrunnen erschlossen werden. CDU-Fraktionschef Thomas Randecker betonte bei dem Termin, dass das Baugebiet schnellstens umgesetzt werden muss. Für das Gebiet soll jetzt ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden.

SPD will geförderten Wohnraum vorschreiben

Bauflaute trotz Wohnungsnot In Heilbronn

SPD-Stadtrat Tabler schätzt, dass in zwei bis drei Jahren das Baugebiet Längelter realisiert werden könnte. Der Böckinger SPD ist wichtig, dass die Stadtverwaltung im Längelter geförderten Wohnraum vorschreibt. Das Neubaugebiet hat 16,9 Hektar. Hier könnten 750 Wohnungen Platz finden. Noch eines sei im Längelter wichtig: "Dass das Gebiet Haselter vom Parkierungsdruck der Kreisberufsschule entlastet wird", so Scheffler. Dafür müsse das bestehende Parkhaus an der Schule aufgestockt werden.

Weitere Wohnungsbauprojekte in Böckingen stehen an: In der Heidelberger/Landwehrstraße sind auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Widmann 39 Wohnungen geplant. Der Bebauungsplan ist in Vorbereitung. Der Bauträger habe zugesagt, dass auch geförderte Wohnungen entstehen soll, berichtet Tabler. Dazu kommen noch zwei Bauprojekte des kommunalen Tochterunternehmens Stadtsiedlung. Sie will an der Stockheimer Straße 41 und in der Klingenberger/Schuchmannstraße noch mal 18 Wohnungen bauen.


Wie viele Wohnungen fehlen? Wie groß ist die Wohnungsnot in Heilbronn? "Darüber gibt es keine belastbare Zahlen", sagt Thomas Hille von der Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen im Rathaus. Das sich die Situation auf dem Markt verschärft, sehe man an den steigenden Mieten. Beim kommunalen Unternehmen Stadtsiedlung stehen rund 1800 Wohnungssuchende auf der Warteliste.