Bau des neuen Neckartalübergangs: Vorstoß in neue Dimensionen

Heilbronn/Neckarsulm  24 Leser sind bei einer Baustellenführung beeindruckt von den Größenordnungen und Details, die beim Bau des neuen Neckartalübergangs eine Rolle spielen - sogar die Erdkrümmung wurde berücksichtigt.

Von Christian Gleichauf
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Ein Blick unter der Stahlverbundbrücke hindurch. Hier im Taktkeller wird sie zusammengeschweißt, bevor sie über die Pfeiler nach Westen geschoben wird.

Schon bei der langsamen Bewegung über die A6-Baustelle läuft an diesem Freitagvormittag der Schweiß. Gar nicht vorstellen wollen sich die 24 Leserinnen und Leser da, wie heiß es für die Schweißer in einer der "Einhausungen" ist, wo der Stahl noch auf 100 Grad erwärmt werden muss. "Schweißer sind gesucht", sagt Michael Endres.

Konsortium ist nur Auftragnehmer

Endres ist Sprecher der ViA6West, jenes Konsortiums, das im Auftrag des Bundes den Autobahnausbau und den Betrieb zwischen Weinsberger Kreuz und Wiesloch/Rauenberg erledigt. "Wir können nur ausführen, wofür wir beauftragt werden", muss er öfters sagen, wenn interessiert und kritisch nachgehakt wird.

Etwa wenn Gerhard Lang aus Zweiflingen wissen will, warum man statt der Vorlandbrücke keinen Erdwall gebaut hat. Oder wenn Wolfgang Endres aus Neuenstein fragt, warum denn nicht gleich vierspurig ausgebaut werde. Geplant wurde fast alles vom Regierungspräsidium Stuttgart, bevor die Vergabe an die ViA6West erfolgte.

Brücke wächst und "schrumpelt zusammen"

Vorstoß in neue Dimensionen

Aufmerksam folgen die Teilnehmer der Lesersommer-Aktion unter der Autobahnbrücke den Ausführungen von Projektsprecher Michael Endres (mit Kamera). Rechts ist die neue Vorlandbrücke in Betonbauweise zu sehen.

Fotos: Christian Gleichauf

Die Hitze wirkt sich auch auf das Bauwerk aus. Viele Zentimeter dehnen sich die Stahlbrückenteile aus, auf die gesamte Länge von 1324 Metern werden es am Ende knapp zwei Meter sein, die die Brücke "wächst oder zusammenschrumpelt", wie Endres es anschaulich ausdrückt.

Beeindruckt sind viele Teilnehmer, als es um den sogenannten Querverschub geht: Neben die Brücke, die derzeit entsteht, wird nach dem Abriss der alten eine weitere Brücke gebaut - die südliche Richtungsfahrbahn.

Und weil die zwei Brücken dann 18 Meter auseinander liegen, wird die nördliche Brücke an die südliche herangeschoben - und zwar alles innerhalb von 24 Stunden. "Europaweit ist das noch nie in dieser Dimension passiert", sagt Endres. 250.000 Tonnen würden bei diesem Vorgang bewegt. Dass so ein Aufwand sich lohnt, können sich einige nicht vorstellen.

Rekordverdächtige Details

Der ViA6West-Sprecher hat noch weitere rekordverdächtigte Details parat. Der größte Raupenkran Europas wird im kommenden Jahr aufgebaut, um bis zu 2000 Tonnen schwere Teile der alten Brücke auf Pontons im Neckar zu verladen. Oder auch, dass innnerhalb von acht Tagen jeweils ein Feld der neuen Betonbrücke fertiggestellt wird, was beim Bau der ersten Brücke ein Monat gedauert habe. "Mit gutem Stahl und stärkerer Bewehrung geht das jetzt schneller und hoffentlich besser als vor 50 Jahren", so Endres. Sein Schmankerl: Sogar die Erdkrümmung, die auf die Länge der Brücke 16 Millimeter beträgt, wurde bei den Berechnungen berücksichtigt.

Als Metallbauer interessiert sich Martin Wenninger aus Öhringen vor allem für die Stahlkonstruktion. Er war schon vor einem Jahr dabei und findet es diesmal noch etwas interessanter. Monika Kerner aus Erlenbach sagt, sie sei zwar kein "Technikfreak", aber doch beeindruckt von dem Bauwerk. Und Ingrid Schwambera aus Leingarten meint: "An was man alles denken muss! Das sieht man gar nicht, wenn man über die Brücke fährt."

 

 

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