Bahnanbieter melden Erfolge bei Personalsuche

Region  Bald ist nicht mehr die DB Regio auf der Frankenbahn unterwegs. Die Tochter der Deutschen Bahn bleibt im hiesigen Streckennetz aber wichtig - denn sie hilft Go Ahead mit Lokführern aus.

Von Alexander Hettich
Bahnanbieter melden Erfolge bei Personalsuche

Lokführer der Deutschen Bahn im Führerstand: Die DB Regio stellt Personal an den Konkurrenten Go Ahead ab, der unter anderem die Frankenbahn bedient.

Foto: dpa

Nach der Hiobsbotschaft über Lieferschwierigkeiten des Zugherstellersläuft es laut dem Bahnunternehmen Abellio zumindest bei der Personalrekrutierung nach Plan. Go Ahead, ab Dezember zweiter neuer Anbieter auf der Frankenbahn, hat derweil einen ungewöhnlichen Kooperationsvertrag mit dem Konkurrenten Deutsche Bahn geschlossen.

Wichtige Pendlerstrecke nach Stuttgart

Die Uhr tickt, der Kampf um Material und Personal bleibt eine Herausforderung: Schon im Juni übernehmen Abellio, Tochter der niederländischen Staatsbahn, und das zu einer britischen Gruppe gehörende Unternehmen Go Ahead erste Strecken in Baden-Württemberg. Von Dezember an bedienen beide die Frankenbahn, unter anderem auf der wichtigen Strecke zwischen Stuttgart und Heilbronn.

Abellio musste vergangene Woche einen herben Rückschlag verkraften. Da wurde bekannt, dass Hersteller Bombardier wegen Problemen mit der Software zunächst nur einen Teil der zugesagten 16 Nahverkehrszüge liefern kann. Mittlerweile nimmt Plan B Gestalt an, erläutert Abellio-Sprecherin Hannelore Schuster gegenüber unserer Zeitung. "Wir sind in Abstimmung mit anderen Bahnunternehmen." Voraussichtlich werde die Albtal-Verkehrsgesellschaft, die auch die Stadtbahn zwischen Karlsruhe und Heilbronn betreibt, mit sechs Zügen aushelfen. "Dann können wir alle Leistungen erbringen, die vertraglich festgelegt sind", so Schuster. Abellio wird zum Start im Juni zwischen Stuttgart, Pforzheim und Heidelberg bei einzelnen Verbindungen mit verringerter Kapazität unterwegs sein.

DB hilft Go Ahead mit Lokführern aus

Bis Dezember, wenn es auf der Frankenbahn losgeht, sollte Bombardier geliefert haben, erwartet die Sprecherin. Dann muss auch ausreichend Personal an Bord sein. Abellio hat eine Kampagne unter dem Motto "Bock auf Lok" gestartet, um auf dem leer gefegten Markt dringend benötigte Lokführer zu rekrutieren. Zehn eigene Kurse gab es. "Die Abschlussquoten sind gut", berichtet Schuster. An fehlendem Personal werde der Neustart nicht scheitern. Auch mit der Deutschen Bahn habe Abellio über die Überlassung von Arbeitskräften verhandelt. "Das ist für uns bei den derzeitigen Konditionen aber nicht vorstellbar."

Genau diesen Weg geht Go Ahead. Das Unternehmen hat am Donnerstag im Verkehrsministerium einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Bahn unterzeichnet. Rund 30 Lokführer der DB Regio werden von Juni an Züge von Go Ahead lenken. Die Vereinbarung gilt für drei Jahre. Nachdem die Deutsche Bahn bei der Ausschreibung für die sogenannten Stuttgarter Netze leer ausgegangen war, hatten sich viele Mitarbeiter nach neuen Stellen anderswo in Deutschland umgeschaut.

Arbeitskräfte in der Region halten

"Wir wollen sie in der Region halten", betont Go-Ahead-Sprecher Erik Bethkenhagen gegenüber der Stimme. Im Juni braucht das Unternehmen 80 Lokführer, im Dezember weitere 90, dazu würden 120 Zugbegleiter eingestellt. "Bei uns sieht es gut aus", ist der Sprecher zufrieden mit der Rekrutierungsoffensive. Beim rollenden Material hat Go Ahead weniger Probleme. Die Züge kommen vom Schweizer Hersteller Stadler und werden laut Bethkenhagen pünktlich fertig.


Nagelprobe

Ein Kommentar von Alexander Hettich

Nach jüngsten Hiobsbotschaften kommen positive Signale für Bahnpendler in der Region.

Der Mehrheit der Bahnpendler ist herzlich egal, welches Firmenlogo künftig auf den Zügen der Frankenbahn klebt. Sie wollen pünktliche Züge, kundenfreundliche Verbindungen und zumutbare Wagen. WLAN an Bord ist eine schöne Dreingabe, aber sicher nicht entscheidend. Go Ahead und Abellio haben einen möglichst reibungslosen Service zu liefern. Wenn es klappt, sind auch die Begleitgeräusche vergessen.

Die Meldungen über Lieferprobleme des Zugherstellers Bombardier an Abellio ließen Schlimmes ahnen. Jetzt gibt es Signale, dass der reibungslose Übergang doch gelingen kann. Plan B bei der Zugbeschaffung scheint zu greifen. Bei der mühsamen Suche nach rarem Bahnpersonal melden die Unternehmen Erfolge. Dabei hilft auch ein Deal zwischen dem ehemaligen Monopolisten DB und Go Ahead. Die Verhandlungen hinter den Kulissen werden kaum so harmonisch verlaufen sein , wie es die Pressemeldungen nahe legen. Eher wird mit harten Bandagen verhandelt. Zumindest hat Abellio die Konditionen der Bahn nicht akzeptiert.

Trotzdem scheint auch hier die Personalrekrutierung in Schwung zu kommen. Es steht viel auf dem Spiel. Der Neustart wird auch zur Nagelprobe für die Verkehrspolitik im Land, die sich rühmt, für Konkurrenz auf der Schiene gesorgt zu haben. Konkurrenz ist aber kein Wert an sich. Wichtig ist, dass sich das Angebot verbessert.

 


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