Bagger weiden die Plattenwald-Klinik aus

Region  Der 4,1 Millionen Euro teure Abbruch des alten SLK-Krankenhauses in Bad Friedrichshall kommt gut voran. Ein großer Teil der der Betonabfälle bleibt am Standort. Für die Nutzung der frei werdenden Fläche haben die SLK-Kliniken bereits Pläne.

Von Reto Bosch

 

So ähnlich sah es wohl aus, als die großen Raub-Dinosaurier genüsslich ihre Beute ausgeweidet haben: gezielte Bisse, ausgeführt mit großer Kraft. In Bad Friedrichshall-Plattenwald ist keine Urzeit-Echse auferstanden. Aber ein Langarmbagger reißt Wand für Wand aus dem Gerippe des alten Plattenwaldkrankenhauses. In ein paar Monaten wird eine Klinik verschwunden sein, in der seit 1977 geschätzt 500 000 Patienten stationär behandelt wurden.

Hydralische Schere mit gewaltiger Kraft

Eine Taube segelt über die Baustelle und setzt sich auf einen Baum. Von Lärm und Maschinen lässt sich das Tier nicht beirren. 30 Meter entfernt greift der Langarmbagger zu. Mit einer hydraulischen Schere, so groß wie ein Kleinwagen, durchtrennt er Wände und Betonteile. Er arbeitet von oben nach unten, zwei Strahlrohre verspritzen Wasser. Schließlich soll der direkt benachbarte Klinikneubau nicht im Staub versinken.

"Dafür betreiben wir einen großen Aufwand", sagt Ralf Strecker, Technikfachmann bei SLK. Die höchsten Gebäudeteile ragen 30 Meter in den Himmel. Auch das wird der Bagger der Firma SER schaffen - nachdem er sich eine Arbeitsbühne aus Schutt gebaut hat.

 

 

"Wir machen hier einen selektiven Rückbau", erklärt Bauleiter Philipp Heier von der Firma Arcadis. Das heißt: Die Abrissbirne bleibt im Technikmuseum, dafür kommt modernes Gerät zum Einsatz. Die Entkernung begann im Mai 2017. Die Arbeiter entfernten Metalle und Wertstoffe, meißelten den Estrich aus dem Gebäude. Verschiedene Materialien, verschiedene Entsorgungswege.

Besonders heikel: der Umgang mit Asbest. Das krebserregende Material wurde sorgfältig ausgebaut, es durften keine Fasern frei werden. Erst nach Kontrollmessungen gab es grünes Licht für den weiteren Abriss. Auch in der Radiologie musste SLK nachweisen, dass sich die Arbeiter keiner erhöhten Strahlung aussetzen.

Grüne Fliesen der ehemaligen OP-Säle leuchten im Sonnenlicht

Vor einem Monat haben die großen Dinosaurier-Bagger damit begonnen, das Gebäude selbst abzunagen. Viele Wände sind gefallen, machen den Blick frei auf Patientenzimmer, Versorgungsschächte, Gänge. Die grünen Fliesen der Operationssäle blinken aus dem Beton-Grau.

Wehmut? Ralf Strecker schüttelt den Kopf: "Wir haben ja etwas Besseres bekommen." Den benachbarten, 135 Millionen Euro teuren Neubau. Apropos Kosten: Die Ausgaben für den Abriss beziffert der kaufmännische Direktor Rainer Münch auf 4,1 Millionen Euro. Er betont: "Wir liegen voll im Zeitplan."

Großer Magnet holt Metalle aus dem Schutt

Der Langarmbagger hat inzwischen ein knapp 20 Meter hohes und acht Meter breites Gebäudeteil zermalmt. Das Material, das seine Schere freigibt, schnappen sich drei andere Bagger. Sie zerkleinern, sortieren. Ein Magnet zieht schwere Metallteile aus dem Schutt. Ein Teil der Stoffe geht in das Recycling, andere müssen auf eine Deponie. "Rund zwei Drittel der Betonabfälle bleiben hier", sagt Philipp Heier. Allein 50 000 Tonnen davon sind nötig, um die Baugrube zu füllen. Das erspart der Region viele Transporte. "Vorgesehen sind Parkplätze und Grünflächen", meint Rainer Münch.

Die Taube hat Gesellschaft bekommen. Ein Artgenosse sitzt auf dem selben Baum. Man könnte Trauer in die Köperhaltung der Vögel hineininterpretieren. Aber nur deshalb, weil Bauleiter Heier erzählt, dass sich die Tauben im Altbau angesiedelt hatten. Und sich jetzt eine neue Bleibe suchen müssen. Die zweibeinigen Patienten haben ihre neue Bleibe schon längst bezogen. Ärgern sie sich über den Baulärm? Rainer Münch: "Bislang gab es noch keine Beschwerden."

Neubau hat 135 Millionen Euro gekostet

Das Plattenwald-Krankenhaus ist 1977 in Betrieb gegangen. Da sich eine Sanierung wirtschaftlich nicht gelohnt hätte, beschlossen die SLK-Gesellschafter, also Stadt- und Landkreis Heilbronn, einen Neubau zu errichten. Der 135 Millionen Euro teure Neubau verfügt über 350 Betten. Der Ausbau der Reserveebene, der wegen der bevorstehenden Klinikschließung in Möckmühl notwendig wurde, liegt nach SLK-Angaben im Zeitplan.

Raum für 71 Betten entsteht, Kostenpunkt: 7,5 Millionen Euro. Der kaufmännische Direktor, Rainer Münch, geht davon aus, dass die Ebene spätestens im Oktober bezogen werden kann. Zwischenzeitlich gab es Überlegungen, im Altbau Flüchtlinge unterzubringen. Wegen hoher Sanierungskosten, rund 30 Millionen Euro, hatten sich diese Pläne aber zerschlagen.

 

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