Bad Wimpfener fürchten den Verkehrs-Infarkt

Bad Wimpfen  Bad Wimpfen ächzt unter der Blechlawine, die sich täglich ihren Weg durch den Ort bahnt. Wie soll es werden, wenn ab 2020 nach und nach 1500 Lidl-Mitarbeiter zu ihrer neuen Zentrale fahren? Dass die Einwohner sich Sorgen machen, wurde bei einer Versammlung deutlich.

Von Petra Müller-Kromer
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Die Lidl-Baustelle wächst und wächst. Bald werden 1500 Mitarbeiter täglich zur Zentrale in die Stauferstadt zur Arbeit pendeln. Foto: Archiv/Adrian Hoffmann

Rund 130 Besucher waren zu der Einwohnerversammlung in den Kursaal der Stauferstadt gekommen. Zuvor hatte eine Bürgerinitiative (BI) einen Bürgerentscheid erwirkt.

Kann eine Teil-Umgehung Abhilfe schaffen? Nein, meint die BI "Wimpfener Straßen entlasten", kurz "Wise". Sie hatte Bürgermeister Claus Brechter dafür im Oktober 733 Unterschriften überreicht. Das Thema Umgehung hat eine lange Vorgeschichte, die Bürgermeister Claus Brechter kurz umriss. Schon 2004 war eine aufwendige Variante mit Tunnel an den Kosten gescheitert, 2012 eine weitere Möglichkeit mit Anschluss an die Böllinger Höfe.

Eine große Lösung ist zu teuer

Bad Wimpfener fürchten den Verkehrs-Infarkt
Stefan Tschierschwitz von der Schwarz-Gruppe erklärte den Zuhörern, wie Shuttle-Busse, Mitfahr-Apps und Leihfahrräder Entlastung bringen sollen. Foto: Christiana Kunz

2015 hatten Gespräche mit dem Regierungspräsidium ergeben, dass "eine große Lösung nicht in Frage" komme, eine Teilumgehung, die "Lidl-Tangente" aber geprüft werden könne. "Gegen den Beschluss des Gemeinderats im Juli zur Weiterplanung dieser Trasse hat sich ein Bürgerbegehren gewehrt", sagte der Rathauschef.

Ihr Ziel, den Ratsbeschluss aufzuheben, haben die Initiatoren erreicht, so dass sich die Stadträte in der jüngsten Ratssitzung für einen Bürgerentscheid aussprechen mussten. Er ist auf 17. Februar festgelegt. Dann haben die Wimpfener Bürger das weitere Vorgehen selbst in der Hand.

Einige Tage davor, so Brechter, werde eine weitere Bürgerversammlung mit moderierter Podiumsdiskussion stattfinden. "Wir werden mit dem Thema offen umgehen."

Schleichverkehr ist ein Problem

Ob im angrenzenden Neubaugebiet eine reine Anliegerverkehrszone eingerichtet werden könne, wollte BI-Sprecherin Bettina Scheid-Mosbacher wissen. "Dort findet Schleichverkehr statt", bestätigte Brechter. Eine Spielstraße auszuweisen sei aufgrund der Gestaltung nicht möglich. "Aber genau das Problem ist doch ein wichtiger Grund, warum wir die Teilumgehung brauchen", meldete sich eine Zuhörerin zu Wort.

Wirtschaftliche Prosperität gehe meist mit mehr Verkehr einher, sagte Brechter. "Die einzige Lösung ist, zu überlegen, wie der Verkehr vorbeigeleitet werden kann."

Es gibt Möglichkeiten zur Verkehrsentlastung

Der 200 Millionen teure Lidl-Neubau, bestehend aus fünf miteinander verbundenen Gebäudeteilen, soll 2019 oder 2020 für die ersten 1300 Lidl-Mitarbeiter fertig sein, dann werden die Räder rollen. Sei es die des Individualverkehrs, der Shuttlebusse vom Bahnhof aus oder die der Leihfahrräder. Auch auf diese setzt die Schwarz-Gruppe, um die Verkehrsbelastung zu verringern, wie Mobilitätsdienstleister Stephan Tschierschwitz erläuterte. Sowie auf vergünstigte Job-Tickets und die Mitfahr-App Two-Go.

Bei manchem blieb die Skepsis. "Wenn 225 Radstellplätze vorgesehen sind und 1300 Parkplätze, was glauben Sie, wie die meisten anreisen?", fragte ein Zuhörer.

 

 


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