BMWs an litauischer Grenze beschlagnahmt

Region  Woran keiner geglaubt hat, ist eingetreten: Zwei Diebstahl-Opfer aus Flein und Untergruppenbach bekommen in Kürze ihre gestohlenen Fahrzeuge zurück. Die BMWs waren in Polen an der litauischen Grenze entdeckt worden.

Von Adrian Hoffmann

BMWs an litauischer Grenze beschlagnahmt

Zollbeamte kontrollieren einen Autotransporter auf einem Parkplatz der Autobahn 9 in Thüringen. Symbolfoto: dpa

 

Unerwartete Wendung für zwei BMW-Besitzer aus Flein und Untergruppenbach: Ihre Ende Februar gestohlenen Autos sind in Polen an der Grenze zu Litauen aufgefallen - und beschlagnahmt worden. Der Fahrzeugkurier ist angeblich verhaftet worden. Doch die Rückführung der BMWs ist offenbar nicht ganz so einfach.

Im Fall des gestohlenen X3 aus Flein kümmert sich wohl die Versicherung des Halters um die Rückführung - im Fall des gestohlenen5er BMWs aus Untergruppenbach allerdings nicht.

"Ich fühle mich alleingelassen", kritisiert der Besitzer, der anonym bleiben möchte. Nach Angaben des ermittelnden Kriminalhauptkommissars Ullrich Hartmann ist die Übernahme der Rückführung als Kulanz einer Versicherung zu sehen. Wird der gestohlene Wagen innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Verschwinden aufgefunden, sind die Versicherungen rein rechtlich nicht zuständig. Erst ab vier Wochen nach dem Diebstahl sind sie verpflichtet, dem Versicherten den Zeitwert seines Autos auszuzahlen.

Fahrzeuge waren mit Keyless-Entry-System ausgestattet

Die Täter hatten bei den Diebstählen das sogenannte Keyless-Entry-System (Schlüsselloser Zutritt) verwendet. Das Fahrzeug wird ohne Schlüssel entriegelt und lediglich durch das Drücken des Startknopfes gestartet. Die Diebe führen hierzu einen Chip mit sich und fangen vorab das elektronische Signal der Autoschlüssel ab.

Der Betroffene aus Untergruppenbach hat allerdings Glück im Unglück, er ist ADAC Plus Mitglied. Deshalb springt nun der ADAC für ihn ein und nimmt ihm den Aufwand ab. Nach Angaben von Unternehmenssprecher Jochen Oesterle gebe es jährlich rund 50 Fälle, in denen der Verkehrsclub die Rückführung von gestohlenen Autos übernimmt. Im Vergleich zu rund 110 000 Rückführungen in 2016 von liegen geblieben Autos eine völlig unbedeutende Anzahl. Bevor der ADAC ein gestohlenes Auto abholen kann, sind verschiedene Anforderungen zu erfüllen. Das Fahrzeug, sofern es transportfähig sei, müsse bis zur Abholung bei einem Abschleppdienst oder einer Polizeidienststelle untergestellt sein. Gestohlene Auto-Einzelteile würden nicht abgeholt, sagt Oesterle.

Auch interessant: Autodiebe knacken mit sogenannten Funkstreckenverlängerern schlüssellose Zugangssysteme, auch Keyless-Go-Technik genannt

 

Das Mitglied müsse dann eine Werkstatt-Adresse angeben und einen Ersatzschlüssel zum Fahrzeug schicken. In der Regel werde das Auto von einem Verbundtransport abgeholt, "Einzeltransporte sind die Ausnahme". Oft müssen weitere Formalitäten erfüllt sein, bevor der ADAC aktiv werden kann - es bedürfe zum Beispiel eines Diebstahl-Protokolls und einer Abholvollmacht. Dem Verkehrsclub entstehen bei einer Abholung Kosten in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Sehr verwundert hat den betroffenen BMW-Besitzer aus Untergruppenbach, dass er einen Tag, nachdem sein Auto aufgefunden worden war, bereits einen Brief in der Post hatte von einem Unternehmen aus Chemnitz, dass die Rückführung übernehmen wollte. "Da war die Fahrzeuggestellnummer drin und jede Menge andere Daten", sagt er stutzig. Er glaube, da stecke ein Geschäftsmodell dahinter.

Autos wurden ganz im Nordosten von Polen entdeckt

"Es kommt schon mal vor, dass gestohlene Autos wieder auftauchen", sagt Ullrich Hartmann von der Kripo. Die beiden Autos aus Heilbronn wurden offenbar von polnischen Grenzkontrolleuren auf einem Lastwagen entdeckt, in der Region Suwalki ganz im Nordosten von Polen. Die dortige Behörde hat den Fund ans Bundeskriminalamt in Wiesbaden gemeldet, so ist der übliche Ablauf.

"Ich gehe davon aus, dass die beiden BMW in Kürze unbeschadet zurück sein werden", sagt Ullrich Hartmann. Die beiden Halter der gestohlenen Autos sind voller Vorfreude, aber auch noch etwas skeptisch. Von den anderen sechs BMWs, die seit Jahresbeginn in der Region Heilbronn gestohlen wurden, fehlt nach wie vor jede Spur.

Autos werden hauptsächlich über Osteuropa verschoben

In Baden-Württemberg sind nach den statistischen Daten des Bundeskriminalamts 717 Autos gestohlen worden und damit 21 weniger als im Vorjahr. Die Zielmärkte für in Deutschland entwendete Autos liegen den Erkenntnissen zufolge überwiegend im Osten Europas, „wobei auch tendenzielle Verlagerungen in weiter entfernte Regionen Zentralasiens (zum Beispiel Tadschikistan, Usbekistan) und Westafrika zu beobachten sind“.

Dass gestohlene Autos durchaus wieder auftauchen können, wird an weiteren Zahlen des BKAs deutlich. 2016 wurden im Schengenraum, 3452 „Sachfahndungstreffer“ erzielt. Das sind nicht unbedingt komplette Autos, sondern oft ausgeschlachtete Einzelteile. Die Hauptverschieberoute ist nach wie vor Polen: Dort wurden allein 1624 „Treffer“ ermittelt.