B27-Sperrung: Viele Schleichwege, wenige Gäste

Gundelsheim  Die Folgen der B27-Sperrung bei Böttingen beschäftigt und besorgt zahlreiche Menschen vor Ort.

Von Alexander Klug

B27-Sperrung: Viele Schleichwege, wenige Gäste
Wer von Böttingen aus Richtung Gundelsheim, Bad Friedrichshall oder Heilbronn fahren will, kommt auf direktem Weg nicht allzu weit. Foto: Alexander Klug  

Die Sperrung der B27 bei Böttingen hat für reichlich Unmut und Ärger in dem beschaulichen Dorf am Neckar gesorgt. Kilometerweite Umwege zu Arbeit, Schule und Kindergarten, zeitweise kein Schulbus, viel Verlust an Zeit und Nerven in überlasteten Ortsdurchfahrten. Der Frust vieler Bürger mit der Organisation der zahlreichen Baustellen und des Straßenverkehrs scheint groß - einige meldeten sich in der Stimme-Redaktion zu dem Thema.

"Ich finde die Sperrung unmöglich", schreibt eine Leserin per E-Mail. "Sollen Ältere oder schwer kranke Leute nach Gundelsheim laufen? Was machen solche, die vier Mal am Tag gepflegt und versorgt werden müssen? Man hätte wenigstens für die Böttinger eine Umleitung über den Michaelsberg einrichten können. Aber da hat sich niemand drum gekümmert. 20 Kilometer Umleitung sind ja nicht so weit! Einfach nur unmöglich."

Schleichwege nicht empfehlenswert

Ein anderer Leser weist auf die Schleichwege hin, die derzeit viele nutzen. Sowohl Einheimische als auch Auswärtige würden die Wege befahren, obwohl sie unbefestigt seien und durch den Wald führen. "Am Ende sind sie nicht breiter als ein SUV." Das sei im Gundelsheimer Ordnungsamt durchaus bekannt, sagt dessen Leiter, Marcel Reinhard. "Empfehlen können wir die Wege aber nicht. Sie sind nicht für den regulären Straßenverkehr ausgelegt." Die Stadt behalte sich Kontrollen vor.

Michael Schäfer betreibt auf dem Michaelsberg Restaurant, Hofladen und Ferienwohnungen. Auch ihm ist die Verkehrszunahme vor seiner Tür aufgefallen. "Für uns wichtiger sind aber die wirtschaftlichen Folgen. Den Hofladen machen wir im Moment nicht auf, es findet kaum jemand hoch zu uns", sagt der Gundelsheimer. Drei Wochen mit kaum Kundschaft sei eine lange Zeit. "Es steht zwar auf den Schildern, dass die Straße bis Böttingen benutzbar ist, trotzdem schreckt das viele ab." Eine problematische Situation: "Die Fixkosten bleiben ja, wie sie sind. Zum Beispiel fürs Personal."

Der Betreiberin der Gaststätte "Neckar Stüble" in der Nähe der Bundesstraße geht es ähnlich. "Hier fahren ja sonst viele Tausend Autos am Tag vorbei. Jetzt kommt hier kein Auswärtiger mehr her", sagt Tatjana Gehrig. Am liebsten würde sie drei Wochen lang zumachen, aber das könne sie sich nicht leisten. Vom Hinweis der Verwaltungen, mit dem Rad oder zu Fuß von und nach Böttingen zu kommen, hält sie wenig. Selbst eine Gruppe, die sonst immer mit dem Fahrrad zu ihr komme, bleibe fort.

Erstes Chaos dieser Art

Die Behörden hätten den Leuten vor Ort rechtzeitig und klar sagen müssen, was wann passiert, meint Ortschaftsrat und Ortsvorsteher Klaus Majer. "Es sind ja nicht die ersten Bauarbeiten hier. Aber das erste Chaos dieser Art." Vielleicht hätte man doch über eine Umleitungsstrecke über den Michaelsberg für den lokalen Verkehr nachdenken sollen.

Dass Laster über die Baustelle zum Steinbruch fahren dürfen, Schulbusse aber nicht, erscheint ihm erklärbar - auch das hatte mancher vor Ort kritisiert. "Für die Tiefbaubranche ist Hochsaison zurzeit, da kann man nicht wochenlang den Steinbruch schließen", sagt er. "Sowohl die Lkw als auch ihre Fahrer sind Baustellenfahrten gewohnt. Normale Autofahrer nicht."