B27: Eine Bundesstraße am Rande der Belastbarkeit

Region  Der wachsende Verkehr auf der B27 macht Pendlern zunehmend Probleme. Straßenbauprojekte sollen Verbesserungen bringen. Doch bis diese umgesetzt werden, vergeht mitunter viel Zeit.

Von Wolfgang Müller
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Ob Schichtwechsel im Audiwerk Neckarsulm, Baustelle zwischen Heilbronn und Offenau oder Behinderungen auf der Autobahn A6. Mitunter geht nichts mehr auf der B 27 im nördlichen Landkreis Heilbronn.

Blechlawinen wälzen sich mehrmals am Tag an mehreren Staugefahrenstellen mühsam Richtung Norden. Die Hauptverkehrsader des nördlichen Landkreises Heilbronn ist an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Bis zu 50.000 Fahrzeuge täglich sind auf Höhe von Neckarsulm auf der geschundenen Straße nördlich von Heilbronn unterwegs.

Und der Verkehr nimmt seit Jahren zu - trotz der beiden Stadtbahnlinien 41 und 42 Richtung Mosbach und Richtung Bad Rappenau. "Es ging bei der Stadtbahn Nord nie darum, den Verkehr auf der B 27 zu verringern, sondern nur darum, die Zunahme möglichst klein zu halten", sagt der Sprecher des Landratsamts Heilbronn, Manfred Körner.

Lange Fahrtzeiten für Pendler

Eine gute dreiviertel Stunde von Neudenau nach Heilbronn? Je nach Tageszeit müssen Autofahrer diese Fahrtzeit für die rund 25 Kilometer durchaus in Kauf nehmen, weiß Neudenaus Bürgermeister Manfred Hebeiß. "Ein Unding", wie das Stadtoberhaupt der rund 5000 Einwohner zählenden Jagsttalstadt seit Jahren immer wieder betont.

"Dringenden Handlungsbedarf" sieht Bad Friedrichshall Bürgermeister Timo Frey. Auch, weil wegen der Staus auf der Bundesstraße 27 der Ausweichverkehr die Ortskerne der Bad Friedrichshaller Stadtteile Kochendorf und Jagstfeld immer stärker belastet.

Nadelöhr Jagstfeld macht Probleme

Seit Jahren ist das Nadelöhr an der B-27-Kreuzung in Jagstfeld eine der neuralgischen Stellen der Bundesstraße. Mehrmals am Tag staut sich der Verkehr von der Ampelschaltung in Jagstfeld bis nach Kochendorf, mitunter sogar bis auf Höhe Neckarsulm zurück. Ein Kreisel für den innerörtlichen Verkehr mit Unterführung der B 27 zwischen Schlauchbrücke und Abzweig Richtung Jagsttal ist seit Jahren geplant.

Doch das Vorhaben hat Mitte 2017 einen kräftigen Dämpfer erhalten. Ging Frey bis dahin davon aus, dass der Spatenstich für diese Baumaßnahme 2019 erfolgen könnte, hat er vom Regierungspräsidium Stuttgart (RP) eine Absage erhalten. "Einen konkreten Termin für die Umsetzung des Vorhabens hat das Regierungspräsidium bisher nicht genannt", sagt ein Sprecher der Behörde. Das sei angesichts der komplizierten Planung "auch nicht seriös möglich".

In Bad Friedrichshall entstehen Lidl-Arbeitsplätze

So bleibt den Autofahrern das Nadelöhr in Jagstfeld bis auf weiteres erhalten. Rund 23.000 Fahrzeuge sind dort täglich unterwegs. "Der Druck wird nicht kleiner", sagt Timo Frey. Denn die Schwarz-Gruppe plant am südlichen Ortsrand von Kochendorf einen großflächigen Verwaltungskomplex für Lidl. Von bis zu 3000 Arbeitsplätzen und mehr ist die Rede. Mit kurzfristigen Lösungen für die B 27 sei aber nicht zu rechnen, so Frey.

Um Tempo in die Sache zu bringen, hat die Salzstadt die vorbereitenden Untersuchungen für den Umbau erstellen lassen. Rund 120.000 Euro habe die Stadt dafür als Vorleistung erbracht.

Entlastung ist erst in einigen Jahren in Sicht

Einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen der Verschiebung der Maßnahme in Jagstfeld und der Unterzeichnung des sogenannten Mobilitätspakts für den Wirtschaftsraum Heilbronn-Neckarsulm will der Bad Friedrichshaller Bürgermeister nicht herstellen. Zeitlich liegen Unterzeichnung und Absage aber eng zusammen. Immerhin: Eine Entlastung für Neckarsulm könnte eine im Mobilitätspakt formulierte Maßnahme sein: Der Anschluss der Binswanger Straße an die B27.

Laut Andreas Bracht, Sprecher der Stadt Neckarsulm, soll das knapp 40-Millionen-Euro-Projekt "den Verkehr auf der Bundesstraße bündeln und so die innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen und die Südtangente vom Durchgangsverkehr entlasten". Mit einem Spatenstich sei allerdings nicht vor 2022 zu rechnen, so Bracht.

Anbindung an B27 in Gundelsheim

Weiter ist da die Anbindung der Stadt Gundelsheim an die B 27 via Brücke über die Bahngleise auf Höhe der ehemaligen Gurkenfabrik. Bestandteil der Maßnahme ist ein Kreisverkehr auf der B 27 bei der Kreuzung Richtung Wehrbrücke über den Neckar und der Ortseinfahrt Richtung Gewerbegebiet. Seit Anfang des Jahres sind die Kreiselarbeiten im Gange.

Ein Bypass sorgt dafür, dass der Verkehr trotz Baustelle in beiden Richtungen fließt. Die Temporeduzierung sorgt zwar mitunter dafür, dass der Verkehr etwas stockt. "Insgesamt sind wir mit der Verkehrsfluss dort aber den Umständen entsprechend zufrieden", sagt Landratsamtssprecher Körner.

 

 

 


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