B27-Anschluss: Bürgerinitiative spricht von schwarzem Tag für Neckarsulm

Neckarsulm  Der Neckarsulmer Gemeinderat macht den Weg frei für den weiteren Anschluss an die Bundesstraße B27: Die weiteren Planungen sollen im kommenden 2020 abgeschlossen sein.

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B27-Anschluss: Bürgerinitiative spricht von schwarzem Tag für Neckarsulm

Sehr gut besuchte Musikschule: Rund 300 Zuhörer verfolgten die Entscheidung im Neckarsulmer Gemeinderat.

Foto: Matthias Heibel

Der Neckarsulmer Gemeinderat entscheidet darüber, die Binswanger Straße mit der B27 zu verbinden. Dass es ein besonderes Votum ist, hat schon der Sitzungsort belegt: In der städtischen Musikschule ist das Gremium zusammengekommen, um über die weiteren Planungen des B27-Anschlusses Binswanger Straße zu entscheiden. Und auch hier reichte der Platz kaum aus, um den 300 Interessierten Platz zu bieten.

In der Sitzung gibt es Gelächter und Zwischenapplaus

Es gab hämisches Gelächter und Zwischenapplaus. Verhalten war er bei Positionen der Befürworter; groß, wenn sich Stadträte gegen den Anschluss aussprachen. Am Ende stimmte das Gremium mehrheitlich dafür, die Planungen weiter voranzutreiben - dabei gab es keinen Fraktionszwang. CDU-Stadtrat Joachim Beil bekannte sich gegen den Bau und war damit anderer Ansicht als beispielsweise sein CDU-Fraktionssprecher Eberhard Jochim.

"Wir leben in einer Zeitenwende", sagte Beil. Er rechnete vor, dass die Planungen noch Jahre dauern, mit einem Baustart rechnet er frühestens im Jahr 2028/2029 - wie dann die Kosten sind? Wie solle es bezahlt werden?, fragte Joachim Beil. "Wir müssen eine Lösung finden, die einen breiten Konsens in der Bevölkerung findet."

So reagiert die Bürgerinitiative

"Es ist ein schwarzer Tag für Neckarsulm und die städtischen Finanzen", sagt im Anschluss an die Sitzung Volker Raith, einer der Vertreter der Bürgerinitiative, die den Bürgerentscheid auf den Weg gebracht hatte. Ende September sprach sich die Mehrheit der Wähler gegen den Bau aus, allerdings kamen nicht genügend Stimmen zusammen. Deshalb war das Ergebnis nicht bindend. "Der Beschluss des Gemeinderats ist gegen das Votum der Bevölkerung", betont Volker Raith. Er ist überzeugt: "Wer Straßen sät, wird noch mehr Verkehr ernten." Von einer schlechten Entscheidung für den Klimaschutz und die dann leeren Neckarsulmer Stadtkasse, spricht die BI.

Bechte begrüßt die Entscheidung

Im Vorfeld des Bürgerentscheids hatten sich mehrere Unternehmen, darunter Bechtle, für den Bau ausgesprochen. "Wir erleben als einer der großen Arbeitgeber der Region die extrem angespannte Verkehrssituation an jedem Arbeitstag", sagt Bechtle-Sprecherin Sabine Brand auf Anfrage. "Deshalb unterstützen wir den regionalen Mobilitätspakt und begrüßen die Entscheidung des Gemeinderats." Das Unternehmen hoffe, dass die notwendigen Schritte zur Umsetzung rasch erfolgen.

So geht es nun weiter

"Es ist gut, dass es jetzt Klarheit gibt", sagt Oberbürgermeister Steffen Hertwig. Die Stadtverwaltung beauftrage nun ein Büro damit, die Planungen voranzutreiben. Geklärt werden soll dabei, wie eine Kreuzung besser funktioniert. Das Ziel für ihn: Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Planungen dem dafür zuständigen Regierungspräsidium in Stuttgart vorgelegt werden.

 

 

 


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen in Neckarsulm, Ilsfeld, Untereisesheim und Weinsberg.

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