Autoknacker-Serie: Brüder überraschen Richter

Region  Zwei junge Litauer räumen beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Heilbronn nur einen Tatkomplex einer langen Diebstahlserie ein. Die Bande hatte fast nur BMW im Visier, baute Navigationsgeräte und Lenkräder aus.

Von Helmut Buchholz

Mutmaßliche Autoknacker-Brüder überraschen Heilbronner Richter

Immer dieselbe Masche: Schon seit einiger Zeit brechen Diebe Autos der Marke BMW auf, bauen Multifunktionslenkräder und Navigeräte aus. Eine litauische Bande soll für die Tatserie verantwortlich sein.

Foto: dpa

Da staunten die Richter am Freitag im Landgericht Heilbronn nicht schlecht. Beim Prozess wegen schweren Bandendiebstahls erklärten die angeklagten 21 und 27 Jahre alten litauischen Brüder übereinstimmend, dass der jüngere der beiden für viele Tattage ein Alibi hat. Er sei in der betreffenden Zeit in der Heimat gewesen, lag teilweise mit Grippe im Bett, was Zeugen und ärztliche Atteste belegen würden.

Nur eine von einer sehr langen Autoknacker-Serie, bei der es die Täter fast ausschließlich auf BMW-Navigeräte und -Mulitfunktionslenkräder abgesehen hatten, gab das Duo zu. "Wieso haben Sie das nicht viel früher gesagt?", fragte Vorsitzender Richter Frank Haberzettl überrascht. Die Antwort des Anwalts des 21-Jährigen lautete: "Das hat mein Mandant schon im Ermittlungsverfahren gesagt." Außerdem liege die Beweislast bei der Anklagebehörde.

Täter versetzten BMW-Eigentümer in Angst und Schrecken

Der Prozess gegen die Brüder, die in Litauen zeitweise noch gemeinsam bei den Eltern lebten, wird wohl für die Richter nicht einfach werden. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, reihenweise BMW-Karossen geknackt zu haben. In zwei Anklageschriften ist die Rede von insgesamt 157 Autos der bayrischen Marke, in denen die jungen Männer im Raum Heilbronn, Kaiserslautern, Mannheim, Ludwigshafen und Pforzheim Navis und Lenkräder innerhalb kürzester Zeit ausgebaut haben sollen.

Das Tandem habe die Beute zu Bunkerstellen gebracht, Komplizen hätten die Ware dann in Depots gesammelt, von wo sie nach Litauen gebracht worden seien, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Hinter dem arbeitsteiligen Vorgehen steckt eine Bande aus Litauen, die zeitweise nicht nur im Raum Heilbronn BMW-Besitzer in Angst und Schrecken versetzte, so die Erkenntnisse der Ermittler.

Der Schaden war enorm. Allein bei dem einzigen Diebstahl, den die Angeklagten einräumen, hatte die Beute einen Wert von knapp 188.000 Euro. Der Fall ragt ohnehin aus der Serie heraus. Die Täter schlugen am Rangierbahnhof in Mannheim zu, wo nagelneue BMW auf Autozügen geladen waren.

Ein wichtiges Indiz sind floureszierende Sportschuhe

Wie kamen die Brüder dazu, ausgerechnet die Neuwagen zu knacken? Der Tipp sei von einem Landsmann gekommen, von dem sie nur den Vornamen kennen würden, so die Begründung. Dieser habe ihnen auch seinen Renault geliehen - allerdings nur für wenige Tage. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage indes unter anderem genau auf diesen Wagen, an mehreren Tatorten auftaucht.

Ein weiteres Indiz sind auffällige Sportschuhe mit floureszierenden Schnürsenkeln, die ein Täter bei den Diebstählen trug, was Videoaufnahmen beweisen. Diese Schuhe hatte der 27-Jährige an, als er nach dem Autozug-Coup Ende April 2018 festgenommen wurde. Die Schuhe habe ihm der Landsmann, von dem er nur den Vornahmen kenne, gegeben, versicherte der Angeklagte. Reiner Zufall also? Das muss jetzt in dem Prozess geklärt werden. Ein Urteil soll im April fallen.

 


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