Ausflug zur A6-Baustelle: Hier werden die Überreste der Brücke zerkleinert

Heilbronn  Die meisten verfolgen den Fortschritt der A6-Baustelle nur im Vorbeifahren. Stimme-Leser haben sich bei einem Rundgang über die Baustelle ein Bild von den Dimensionen gemacht. War die alte Betonbrücke dank geheimer Pläne besonders stabil?

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Wie riesige Mahnmale aus Beton und Stahl ragen die letzten Brückenteile neben der Neckartalstraße in die Luft. Geführt von Michael Endres, dem Sprecher der Projektgesellschaft ViA6West, unternahmen am Dienstagvormittag 21 Leser einen Ausflug auf die Autobahnbaustelle, wo derzeit die Überreste des alten Neckartalübergangs zerkleinert werden.

Die Abrissfirma Max Wild hat viel zu tun. Wie massiv die Brücke ist, zeigt sich mit jedem Einschlag der vier Tonnen schweren Abrissbirne: "Tock" macht sie nur eins ums andere Mal, mehr nicht. "Die richtet aber wenig aus", kommentiert Christoph Steinkoff aus Bad Rappenau-Fürfeld.

 

Zähe Brücke überraschte schon den Sprengmeister

Wie hartnäckig, zäh und voller Stahl die Brücke ist, das habe bereits Sprengmeister Eduard Reisch überrascht, erzählt Michael Endres. Doch er hat inzwischen auch eine Erklärung parat: "Es war Kalter Krieg, und es gab deshalb offenbar zwei Pläne: einen offiziellen und einen geheimen." Der geheime Plan habe Sprengkammern, Sollbruchstellen und offenbar eine stärkere Armierung vorgesehen - doch er wanderte wohl in irgendeinen Tresor und ist heute verschollen. Die Brücke wird jetzt trotzdem zu Schotter und Altmetall verarbeitet.

Auch interessant: Eine Tonne Sprengstoff waren für zwei Pfeiler der Brücke nötig

Natürlich ist das Interesse groß bei jenen, die seit mittlerweile zwei Jahren den Baufortschritt aus dem Autofenster beobachten. So wie Karin Weiss aus Erlenbach, die in Heidelberg arbeitet und somit fast täglich über die Brücke fährt. "Das wollte ich jetzt einfach mal genauer anschauen", sagt sie.

Maschinenbauer schauen da noch genauer hin

Brigitte Breihofer aus Leingarten hat sich und ihren Partner angemeldet und diesem damit eine besonders große Freude gemacht. "Ich wollte ja schon nachts auf die Baustelle, um Fotos zu machen", sagt Horst Fleischer augenzwinkernd. Als Maschinenbau-Ingenieur interessiert ihn insbesondere, welche Kräfte da wirken. Dass die mächtige neue Brücke über ihm mit Stahlseilen, die an der zweiten Brücke befestigt werden, über die gesamte Länge hinübergezogen werden soll, beeindruckt den 81-Jährigen.

Franz Wagner aus Heilbronn-Frankenbach, der sich für Umweltthemen und in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagiert, begutachtet ebenfalls interessiert die Dimensionen: "Auch wenn ich mir wünschte, dass andere Lösungen für unsere Verkehrsprobleme gesucht werden, so versuche ich immer zu verstehen, was bei solchen Themen alles dahintersteckt."

Klau am Bau gab es schon in den 60er Jahren

Michael Endres hat noch eine Anekdote: Ein Neckarsulmer habe ihm kürzlich gestanden, dass sein Vater in den 60er Jahren etwas Zement für sein Gartenmäuerchen auf der Brückenbaustelle mitgenommen hat. "Heute wird vor allem Kraftstoff aus den Baufahrzeugen geklaut. Teils mehr als Tausend Liter. Da schläuchelt man eine Weile."

Gleich nach der Bundesgartenschau ist die Schonzeit für die Autofahrer übrigens vorbei. Dann werden wieder große Baustellen an der Brücke und auf der Autobahn Richtung Wiesloch eingerichtet.

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Über den Raum Heilbronn in all seinen Facetten schreibt Christian Gleichauf seit dem Jahr 2000. Der gebürtige Südbadener kam damals als Volontär zur Heilbronner Stimme. Nach Stationen in der Wirtschaftsredaktion, im Service und im Landkreis steht jetzt die Stadt Heilbronn ganz oben auf der Agenda. 

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