Aufbaugilde will Wohnen in Kleingärten zulassen

Heilbronn  Während der Buga hat die Aufbaugilde 7000 Unterschriften gesammelt für ein Wohnrecht im Schrebergarten. Vorbild ist die Maßnahme der Wiener Stadtverwaltung, die ganzjähriges Wohnen in Gartenhäuschen erlaubt.

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Aufbaugilde will Wohnen in Kleingärten zulassen

Dass Wohnungslosigkeit bei der Buga thematisiert war, ist der Aufbaugilde zu verdanken. Im Pappelwald des Inzwischenlandes stand ein Holz-Minihaus, das die Aufmerksamkeit von gut 50 000 Besuchern weckte. Minihäuser sind für Wohnungslose eine Alternative zum Leben auf der Straße, auch Menschen mit geringem Einkommen können einziehen.

114.000 Euro gesammelt für weitere Minihäuser

Spenden zu sammeln für den Erwerb weiterer Minihäuser, war eines der Anliegen auf der Buga. Insgesamt 114.000 Euro kamen zusammen - deutlich mehr als erhofft. Das zweite Ziel war eine Unterschriftenaktion für die Änderung des Bundeskleingartengesetzes, um temporäres Wohnen zu ermöglichen. Offiziell ist das verboten. Häuser auf Gartenparzellen dürfen nicht als Wohnraum ausgebaut sein.

7000 Buga-Besucher haben die Petition unterschrieben. "Mündlich hatten wir noch viel mehr Zuspruch", erklärt Aufbaugilde-Chef Hannes Finkbeiner. Der zeitweilige Andrang habe weitere Besucher daran gehindert, ihre Unterschrift unter die Forderung zu setzen.

Abgeordnete nehmen Ideen mit nach Berlin

Der Ordner wurde jetzt an Heilbronner Bundestagsabgeordnete übergeben. Alexander Throm (CDU) nimmt die Unterschriftenliste als Aufforderung, in Berlin aktiv zu werden. Die Ideen - Minihäuser auf Brachflächen sowie das Wohnen im Schrebergarten zu überdenken - will er an den für Wohnungsbau zuständigen Innenminister Horst Seehofer weitergeben. Minihäuser findet Throm "sehr unterstützenswert". Bei Schrebergärten sieht der Abgeordnete jedoch im Hinblick auf Ver- und Entsorgung Schwierigkeiten. Eine Änderung des Kleingartengesetzes dürfe ferner nicht dazu führen, dass Parzellenbesitzer sich dort einen Zweitwohnsitz einrichten.

Unterschiedliche Haltung zum Für und Wider

Aufbaugilde will Wohnen in Kleingärten zulassen

Josip Juratovic (SPD) hält es aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen für ratsam, anstelle von Kleingärten den Blick auf andere verfügbare Flächen zu richten. Er will sich beim Bundesbauministerium dafür einsetzen, dass Kommunen Flächen für die temporäre Nutzung leichter ausweisen können.

Kreativ zu denken und neue Ideen auszuprobieren, dafür spricht sich Michael Link (FDP) aus. Deshalb kann er sich eine Gesetzesänderung vorstellen, die es Kommunen möglich macht, das Wohnen in Schrebergarten-Anlagen zuzulassen. "Wer dort wohnt, darf jedoch keinen anderen Wohnsitz haben."

Wien erlaubt es seit Kurzem

In Kleingärten zu wohnen wurde in der Nachkriegszeit in Deutschland vielerorts toleriert. An diese Zeit der großen Wohnungsnot will Finkbeiner anknüpfen und verweist auf die Stadt Wien. Dort wurde unlängst ein Teil der Kleingartenanlagen umgewidmet, um Wohnen ganzjährig zu erlauben. Maximal 50 Quadratmeter große Kleingartenwohnhäuser dürfen errichtet werden. Voraussetzung sind unter anderem eine frostsichere Trinkwasserleitung, ein Kanalanschluss sowie eine umweltfreundliche Energieversorgung.

Aufbaugilde will neue Minihäuser anschaffen

Der Aufbaugilde-Chef will jetzt zunächst die Minihäuser forcieren - als schnelle Lösung für den Übergang. Das Buga-Häuschen ist inzwischen wieder im Hof der Happelstraße 43 aufgestellt und soll demnächst bezogen werden. Zwei Einzelhäuser und ein Doppelhaus stehen an dem Aufbaugilde-Standort. Ihre Bewohner werden betreut. Mindestens drei weitere Minihäuser sollen mit dem Spendengeld angeschafft werden. Mehrere Standorte in Heilbronn und im Landkreis hat Finkbeiner dafür in Aussicht.

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Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel  

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