Auf den Spuren von Leonardo Da Vinci

Eppingen  Leonardo Da Vinci hat nicht nur die Mona Lisa gemalt: 500 Jahre nach seinem Tod baut Winfried Kasper aus Kleingartach Modelle von Da Vincis ausgeklügelten Erfindungen nach. Er will damit Schüler für Technik und die Hebelgesetze begeistern.

Von Christine Faget
Auf den Spuren von Leonardo Da Vinci
Dass Winfried Kasper leidenschaftlich gerne in seiner Werkstatt in Kleingartach tüftelt, ist ihm anzusehen, wenn er über Da Vincis Modelle spricht. Foto: Christine Faget

Eine Maschine, mit der man Maibäume aufstellen könnte, eine verschiebbare Brücke und ein fast funktionsfähiges Fluggerät - und das vor mehr als 500 Jahren. Was Leonardo Da Vinci erfunden und aufgezeichnet hat, fasziniert Winfried Kasper.

Vor rund vier Jahren hat der heute 72-Jährige angefangen, sich intensiv mit dem Lebenswerk des italienischen Universalgenies zu beschäftigen. In seiner Werkstatt in Kleingartach sitzt er manchmal von morgens bis abends, sägt, klebt und tüftelt. Er hat sich extra den Kodex Madrid zugelegt. Nur 550 Ausführungen des Werks seien weltweit in Umlauf, erklärt Kasper. Was er damit macht? Er schaut sich Da Vincis Zeichnungen genau an, versucht, die Technik dahinter zu verstehen - und baut die Maschinen nach.

Der Kran mit dem selbstauslösenden Haken

14 Modelle hat er auf diese Weise bereits konstruiert. Etwa einen Kran, mit dem man schwere Gegenstände, zum Beispiel Steine, einfach von A nach B transportieren kann. Der Clou: Den Haken des Konstrukts hat sich Da Vinci so ausgeklügelt ausgedacht, dass der Kran den Stein ganz automatisch fallen lässt, sobald Kasper den Hebearm nach unten gleiten lässt. Dann nämlich sorgt das Eigengewicht des Steins dafür, dass der Haken sich aufgrund seiner Form von selbst öffnet.

Das Fluggerät, mit dem man allerdings nicht fliegen kann

Die wohl bekannteste Erfindung von Da Vinci ist ein Fluggerät. Von allen Zeichnungen, die Kasper bisher nachgebaut hat, sei die Funktionsweise des Fluggeräts die komplizierteste gewesen. Die Idee des Gebildes ist, dass sich ein Mensch die Flügel anschnallt und wie ein Vogel flattert. Auch hier stecken verschiedene Hebelgesetze dahinter.

Allerdings: Bei seinen Fluggeräten hatte Da Vinci nicht viel Glück. Die Konstrukte funktionieren meist nicht - zumindest nicht, um damit vom Boden aus abzuheben. "Da muss man von Technik viel verstehen. Allein vom Bilder anschauen reicht es nicht", sagt Kaspers Frau Gisela. Das Verständnis hat sich Winfried Kasper in jahrelanger Erfahrung als Maschinenbautechniker erworben.

Kasper hat ein Patent für eine Spaghetti-Eis-Maschine

Über 20 Patente hat er in seiner Laufbahn angemeldet. Unter anderem hat er eine Spaghetti-Eis-Maschine erfunden und einen Restwärme-Anzeiger, an dem man ablesen kann, ob man auf einer Herdplatte noch kochen kann, ohne Gas zu verschwenden. Das war aufgrund der Ölkrise in den 70er-Jahren nützlich, erklärt Kasper. Von dem Geld, das er für die Patentanmeldung bekommen hat, ist die Familie in den Urlaub gefahren, erinnert sich Gisela Kasper mit einem Strahlen in den Augen.

Zuletzt hat Winfried Kasper sich mit der Güglinger Firma Kaspertechnic selbstständig gemacht und dort einiges im Bereich Silikontechnik entwickelt. Der Modellbau ist sein Hobby. Die Konstruktionen möchte er Schulklassen zur Verfügung stellen, um sie für die dahinter steckenden Naturgesetze zu begeistern.

Die Brücke, die man zur Seite schwenken kann

Mit leuchtenden Augen erklärt und demonstriert er auch eine Brücke. Wäre sie in Originalgröße, könnten zwei Menschen die Brücke mit Seilen zur Seite schwenken, damit Schiffe den Fluss passieren können. Kasper demonstriert die Technik am Modell mit seinen Fingern. Besonders beeindruckt ist er von Da Vincis Idee, Steine als Gewichte mit einzubauen, sodass die Brücke beim Schwenken nicht nach vorne kippt.

"Da Vinci hat mir imponiert mit seinen Erfindungen", sagt Kasper. "Er hat logische Erfindungen gebaut, die auf dem Hebelgesetz beruhen." Er hofft, auch bei Jugendlichen diese Begeisterung zu wecken. Zehn weitere Modelle will er noch basteln.


Ausstellung für interessierte Schulklassen

Winfried Kasper bietet kostenlos an, mit den Da-Vinci-Modellen Schulklassen zu besuchen und die Konstruktionen dort auszustellen. Dafür hat er entsprechende Infotafeln angefertigt. Er hofft, damit bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse für Technik zu wecken und die Hebelgesetze verständlich zu machen. Interessierte Technik-Lehrer melden sich bei Familie Kasper unter der Nummer 07138 931020.

 

Kommentar hinzufügen