Auf den Autobahnen in der Region fehlen Lkw-Parkplätze

Region  Immer wieder passieren schwere Unfälle bei Rastanlagen, weil Lkw die Zufahrten blockieren. Ein Grund dafür: Entlang der A6 und der A81 fehlen Stellflächen. "Die Situation ist katastrophal", heißt es beim Verband.

Von Heike Kinkopf
Lkw-Rastplätze gesperrt
Auf der A6 bei Sinsheim reiht sich Lastwagen hinter Lastwagen. Der Rastplatz Kraichgau ist nur eingeschränkt befahrbar. Foto: Matthias Heibel

Parkplätze für Lkw sind knapp. Bauarbeiten entlang der A6 und der A81 verschärfen die Lage der Fahrer. Neun von 66 Parkanlagen in der Region sind aktuell geschlossen. Auf den verbliebenen Stellflächen drängen sich die PS-starken Schwergewichte, blockieren Zufahrten und verursachen so Unfälle. Es gibt dennoch Wege aus der verfahrenen Lage.

"Die Situation ist für Lkw-Fahrer katastrophal", sagt Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg. "Selbst wenn alle Parkplätze geöffnet wären, fehlten 2500 Stellplätze allein in Baden-Württemberg." Etwa 120 neue entstehen ihm zufolge jedes Jahr. Bei gleichbleibender Lkw-Zahl dauert es 20 Jahre, den aktuellen Mangel zu beseitigen.

A6-Ausbau fordert Tribut

Zurzeit sind vier von 36 Rastplätzen auf der A81 zwischen Würzburg und Stuttgart gesperrt, auf der A6 zwischen Satteldorf und Hockenheim sind es fünf von 30. Diese Zahlen nennt das Regierungspräsidium Stuttgart auf Stimme-Anfrage. Die Gründe: Fahrbahnerneuerungen und der A6-Ausbau. Dort fehlen die die fünf Flächen bis 2021.

"Wir brauchen Interimslösungen", fordert Andrea Marongiu. Dass Lkw-Fahrer in Industrie- und Gewerbegebiete ausweichen, wo es keine sanitären Anlagen gebe und Müllbehälter fehlten, "passiert aus der Not heraus". Der Verband sei im Gespräch mit dem Städtetag. "Wo sind Flächen, die ungenutzt sind?" So stellt beispielsweise die Messe Stuttgart an veranstaltungsfreien Tagen 60 Plätze für Lkw zur Verfügung. Die Fahrer zahlen die Platzreservierung über eine Fernfahrer-App. Hinter dem Angebot steht die Münchener Firma Unser Parkplatz GmbH, die Lkw-Stellplätze vermittelt.

Fahrern fehlt das Geld fürs Parken

"In unserer Region ist es schlimm", bewertet Klaus Mezger, Inhaber und Geschäftsführer von Mezger Rent & Service in Möckmühl, die Parkplatzsuche der Lkw-Fahrer. Mezger vermietet Nutzfahrzeuge; Fahrer beschäftigt er selbst keine. Nicht nur die knappen Stellplätze seien ein Problem. "Viele Speditionen und Auftraggeber geben ihren Fahrern auch kein Geld fürs Parken", weiß er. In anderen Branchen sei es üblich, die Mitarbeiter, die viel unterwegs sind, mit einem schicken Auto auszustatten und die Hotelkosten und Spesen selbstverständlich zu übernehmen, zieht Mezger einen Vergleich. Dagegen seien die Arbeitsbedingungen für Lkw-Fahrer schlecht.

Ab 17 Uhr am Nachmittag füllen sich Klaus Mezger zufolge die vorhandenen Parkplätze bei den Autobahnen. Um die Lage entlang der baustellengeplagten A6 zu entschärfen, schlägt er für Lkw Ausgleichsflächen vor, die planiert und geschottert werden.

Situation verbessern

Mezger verfügt über 145 Parkplätze für Sattelzüge bei Möckmühl in unmittelbarer Nähe der A81. "Es gibt Unternehmer, die mieten lange Zeit im Voraus Parkplätze für ihre Lkw-Fahrer an", erzählt Mezger. Das koste Geld, und deshalb seien diese Speditionen vielleicht auch etwas teurer als andere, sagt der Lastwagen-Verleiher. Es sei aber eine Möglichkeit, die Situation der Fahrer zu verbessern.

 

 


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