Auch Ärzte setzen auf Roboter und künstliche Intelligenz

Heilbronn  Beim Medizinkongress "New Technology drives Medicine" tauschen sich gut 500 Experten aus 34 Ländern zwei Tage in Heilbronn aus. Der Einfluss neuer Technologien auf die Medizin steht dabei im Fokus.

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Auch Ärzte setzen auf Roboter und künstliche Intelligenz

Beim Medizinkongress in Heilbronn sind auch wichtige Firmen vertreten. SLK-Chef Thomas Jendges (li.) und Chefarzt Jens Rassweiler sind darauf stolz.

Foto: Dennis Mugler

Gleich in einem der ersten Fachvorträge wird in einem Video gezeigt, wie ein Roboter ohne Zutun des Arztes bei einem Patienten völlig autonom einen Ultraschall macht. Der Roboter hat gelernt, bestimmte Ziele im menschlichen Körper zu suchen, sie zu lokalisieren. Vorstellbar ist schon heute, dass er so auch Tumore findet und bekämpft. Der Arzt überwacht das Ganze nur noch.

Am 10. und 11. Oktober treffen sich in Heilbronn mehr als 500 Experten aus 34 Ländern, um sich beim Chirurgie-Kongress „New technology drives medicine“ über die Zukunft der Medizin auszutauschen. Anlass ist der Jahreskongress der „International Society for Medical Innovation and Technology“ (iSMIT), der vergangenes Jahr in Seoul stattfand. Im nächsten Jahr tagen die internationalen Spezialisten, darunter auch Ingenieure und Techniker aus Forschungseinrichtungen und der Industrie, in Chicago.

 „Es ist mir eine große Ehre und Freude, diesen hochkarätigen Kongress in Heilbronn veranstalten zu können“, freut sich Kongresspräsident Prof. Jens Rassweiler. „Nun diskutieren wir hier in Heilbronn Themen, die ihrer Zeit häufig um einige Jahre voraus sind und gestalten so aktiv die Zukunft der Medizin mit.“ Rassweiler ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie an den SLK-Kliniken Heilbronn und iSMIT-Gründungsmitglied. Als Kongresspräsident leitet er die SMIT-Konferenz 2019 in der Harmonie gemeinsam mit Prof. Lena Maier-Hein, Leiterin des Instituts für computer-assistierte Interventionen des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

Rund 280 Vorträge beschäftigen sich mit neuen Verfahren

Der Einfluss neuer Technologien auf die Medizin steht im Fokus der diesjährigen Konferenz. Rund 280 Vorträge beschäftigen sich mit neuen Verfahren in der Bildgebung, dem Operationssaal der Zukunft, den Schnittstellen zwischen Informatik und Medizin, dem Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz oder auch minimal-invasiver Krebstherapien. „Wir können oder dürfen davon ausgehen, dass Roboter eine ganz entscheidende Rolle in der Medizin spielen werden“, sagt der SLK-Chefarzt, der heute schon in der Urologie mit dem Robotersystem daVinci Patienten am Gesundbrunnen in Heilbronn operiert.

Roboter könnten in Zukunft Schritt für Schritt autonomer am Patienten agieren, in vielen Dingen seien sie präziser als die menschliche Hand. Neben der Robotik seien neue Technolgien, Virtual Reality (VR), Bio-Printing und nicht zuletzt Biga Data die Treiber der modernen Medizin von morgen. Teil des Kongresses in der Heilbronner Harmonie ist eine Fachmesse. 

Organe aus dem 3D-Drucker

Auf Fortschritte in der Medizin ging auch Thomas Strobl, Baden-Württembergs Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, in seinem Grußwort ein. Schon heute gebe es Nieren aus dem 3D-Drucker. Es sei laut Strobl nur eine Frage der Zeit, bis ein solches künstliches Organ bei einem Menschen transplantiert und „ein Menschheitstraum“ erfüllt werde. Stichwort Biga Data und künstliche Intelligenz: Sicherer Umgang und Speicherung von Patientendaten vorausgesetzt, werde der medizinische Fortschritt und damit die Versorgung der Menschen durch die neuen Möglichkeiten in den nächsten Jahren „einen Quantensprung“ erleben.

„Die Digitalisierung wird uns ungeahnte Möglichkeiten geben, auch bei den bildgebenden Varianten“, betonte der Heilbronner Minister für Digitalisierung. In der Telemedizin gebe es aktuelle konkrete Projekte im Land, auch in der Medizintechnik sei Baden-Württemberg sehr gut aufgestellt. 

SLK-Geschäftsführer bemängelt Überregulierung

Dr. Thomas Jendges, Geschäftsführer der SLK-Kliniken, sprach in seinem Grußwort die Diskrepanz zwischen medizinischer Innovation und Überregulierung seitens des Gesetzgebers an. „In Deutschland befinden wir uns aktuell in einem Gesundheitssystem, das alles andere als offen für neue medizinische Innovationen ist“, kritisierte Jendges. Als Beispiel nannte er die vor 30 Jahren eingeführte minimalinvasive Chirurgie.

Unter heutigen Regulierungsvoraussetzungen würde es Jahre mit langwierigen Tests und behördlichen Genehmigungen brauchen, ehe diese in deutschen Kliniken eingesetzt werden dürfte. Und das, obwohl sie so viele Vorteile für die Patienten bietet. „Deshalb: Nutzen Sie den Kongress hier in Heilbronn, um Ihre feinen medizinischen Innovationen zu diskutieren; aber nutzen Sie als Ärzte auch Ihren Einfluss auf Politiker, damit diese Innovationen zum Wohl der Patienten eingesetzt werden können“, so Jendges. 

In der Radiologie beispielsweise, betonte zum Beispiel Prof. Clemens C. Cyran von der Ludwig-Maximilians-Universität München, werde künstliche Intelligenz auch in der Diagnostik die Medizin grundlegend verändern. Die Doktor-Patienten-Beziehung sei aber auch in Zukunft unverzichtbar.    


Christian Klose

Christian Klose

Stv. Chefredakteur, Regionalleiter

Christian Klose ist stellvertretender Chefredakteur der Stimme und verantwortlich für die regionalen Inhalte. Ihm liegen relevante Premium-Themen auch für die digitalen Kanäle sehr am Herzen.

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